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16.06.2014

09:36 Uhr

Mitsubishi Heavy

Das ist Siemens' japanischer Freund

VonMartin Kölling

Nichts eint Rivalen stärker als ein gemeinsamer Gegner scheint das Motto des deutsch-japanischen Schulterschlusses zwischen Siemens und Mitsubishi Heavy im Kampf um Alstom zu sein. Was die Japaner ausmacht.

Der Schwerindustrie-Konzern Mitsubishi-Heavy baut auch Schiffe für den Kreuzfahrtetreiber Aida. dpa - picture-alliance

Der Schwerindustrie-Konzern Mitsubishi-Heavy baut auch Schiffe für den Kreuzfahrtetreiber Aida.

TokioMitsubishi Heavy Industries (MHI) sieht den deutschen Siemens-Konzern besonders bei Kraftwerken als harten Rivalen an. Doch warum sollte das den ambitionierten MHI-Chef Shunichi Miyanaga davon abhalten, mit Siemens zusammenzuarbeiten, wenn er damit einen Machtzuwachs von Weltmarktführer General Electric (GE) verhindern kann? Zumal GE mit MHIs lokalem Erzrivalen Toshiba gemeinsame Sache macht.

Siemens jedenfalls kann die Bereitschaft der Japaner nur recht sein. Denn die Deutschen gewinnen einen potenten Partner mit globalen Ambitionen. In seinen Wurzeln ist MHI wie Siemens ein Traditionsunternehmen, das die Industrialisierung des Landes seit dem 19. Jahrhundert mitgeprägt hat. Und wie bei Siemens ist die Produktpalette breit gefächert - mit einem Unterschied. Die Japaner waren weniger in Unterhaltungs- und Haushaltsgeräten unterwegs als die Deutschen, dafür mehr in der Schwerindustrie.

Die Schlacht um Alstom

Um wen dreht sich der Kampf?

Objekt der Begierde ist die französische Industriegruppe Alstom, deren Energiesparte Kraftwerke, Turbinen und Stromnetze baut, während die Transportsparte Züge wie den Hochgeschwindigkeitszug TGV herstellt. Konzernchef Patrick Kron will sich künftig auf das Schienengeschäft konzentrieren und daher die Energiesparte verkaufen, die für 70 Prozent des Konzernumsatzes steht.

Wer hat Interesse an Alstom?

General Electric legte Ende April nach diskret geführten Verhandlungen mit Alstom ein Angebot für die Energiesparte vor und will 12,35 Milliarden Euro zahlen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Offerte stieg GE-Konkurrent Siemens in den Ring: Der Konzern aus München erklärte ebenfalls sein Interesse an der Alstom-Energiesparte und bot an, bei einem Geschäft seine Zugsparte - den Bau des ICE, von Straßen- und U-Bahnen - an die Franzosen abzutreten. Dann kündigte Siemens überraschend an, sich mit dem japanischen Konkurrenten Mitsubishi Heavy Industries zusammengeschlossen zu haben. Und auch Hitachi schlug sich auf Siemens' Seite.

Welches Geschäft schwebt Siemens, Mitsubishi und Hitachi vor?

Siemens möchte das Alstom-Geschäft mit Gasturbinen kaufen; Mitsubishi würde die gleiche Summe für die Alstom-Dampfturbinen hinblättern und sich zu diesem Zwecke mit dem ebenfalls japanischen Hitachi-Konzern zusammenschließen. Das Siemens Bahn-Geschäft könnte mit dem entsprechenden Bereich bei Alstom zusammengelegt werden.

Warum wagt Siemens keinen Alleingang?

Zunächst einmal hat Siemens zusammen mit Mitsubishi mehr Mittel, um gegen den US-Giganten GE anzutreten. Ein Grund könnten zudem kartellrechtliche Bedenken sein: Laut deutschen Zeitungen würde Siemens Probleme bekommen, wenn der Konzern das Stromtrassen-Segment von Alstom schluckt, denn die Deutschen gehören auf dem Gebiet bereits zu den weltweiten Marktführern.

Welche Rolle spielt die französische Regierung?

Die sozialistische Regierung reagierte sauer, als sie mitbekam, dass Alstom hinter ihrem Rücken mit General Electric verhandelt hatte. Sie trat sofort auf die Bremse und machte sich für einen Deal zwischen Alstom und Siemens stark, Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg warb offen für eine europäische Lösung.

Inzwischen beteuert die Regierung, sie habe was die Konkurrenten im Bieterkampf angeht „keine Präferenz“. Sie will aber möglichst viele Zugeständnisse bei Arbeitsplätzen, Standorten und Unabhängigkeit bei der Energieversorgung erhalten. Inzwischen hat sich Paris per Dekret ein Veto-Recht bei ausländischen Investitionen in Frankreich etwa in den Branchen Energie und Transport gesichert.

Das zeigt sich deutlich: Von Atomkraftwerken über Panzer bis zu Schiffen, Windkraftwerken, Weltraumraketen und Zügen reicht das Angebot. Nur Autos, die gehören nicht zum Portfolio. Die Sparte war schon vor Jahrzehnten aus MHI ausgegründet worden – nur 15 Prozent der Anteile am Fahrzeughersteller Mitsubishi Motors hält MHI.

Eine neue Addition zum MHI-Produktkatalog ist ein mittelgroßer Passagierjet, das erste große Flugzeug seit dem zweiten Weltkrieg, das ein japanisches Unternehmen selbst entwickelt hat. Bisher bauen die Japaner nur Militärjets in Lizenz nach und liefern Hightechbauteile für Boeings Flieger.

Doch dies reicht Miyanaga längst nicht mehr. Mit harten Reformen und forschen Fusionen will er MHI global auf Wachstum zu trimmen. „Wir wollen damit schnell und stetig eine globale Firma auf Top-Niveau werden”, erklärte Miyanaga Anfang Mai, als er die Fortschritte seiner Wachstumsstrategie von 2012 bilanzierte. Und mehr noch: MHI solle ein „hochprofitables Unternehmen” werden.

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