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31.05.2017

19:00 Uhr

Mobilität

Deutsche und Franzosen bleiben Autonarren

VonThomas Hanke

Wenn es um das eigene Auto geht, haben Deutsche und Franzose viel gemeinsam. Sie wünschen sich vor allem eine bessere Umweltbilanz. Der Hype um autonomes Fahren oder Carsharing geht an ihnen jedoch vorbei.

Viele Deutsche und Franzose wünschen sich sparsamere und umweltschonenderer Autos. Reuters

Elektroauto vor dem Triumphbogen in Paris

Viele Deutsche und Franzose wünschen sich sparsamere und umweltschonenderer Autos.

ParisDas Auto ist Deutschen und Franzosen wichtiger, als es die öffentliche Debatte manchmal vermuten lässt. Für die Menschen in den Nachbarländern bleibt das eigene Gefährt unverzichtbar. Auf beiden Seiten des Rheins hat man außerdem klare Vorstellungen davon, was bei dessen Weiterentwicklung besonders wichtig ist: Umwelt kommt vor technischem Schnickschnack.

„Umweltfreundlichkeit geht für die Verbraucher vor, sie ist ihnen weit wichtiger als das vernetzte oder das selbstfahrende Auto,“, sagt Henri de Castries, früherer Chef des Versicherers Axa und heute Präsident des Think Tanks Institut Montaigne. Dieser hat eine repräsentative Befragung in Frankreich, Kalifornien und Deutschland durchführen lassen, die zu teilweise sehr verblüffenden Ergebnissen kommt. Studie und Befragung liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

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Deutsche wie Franzosen haben eine sehr klare – und identische – Vorstellung davon, wie das Auto der Zukunft aussehen sollte: Auf die Frage, was in den kommenden 15 Jahren die wichtigste Veränderung ist, sagen jeweils 41 Prozent, das Auto solle weniger Energie verbrauchen und die Umwelt schonen. Nur jeweils 26 Prozent halten neue technologische Eigenschaften für die wichtigste Änderung. Und das vernetzte Auto ist lediglich für 2,5 Prozent der Franzosen und nur für 1,2 Prozent der Deutschen die Priorität. In Kalifornien dagegen geht Technologie vor Umwelt.

Auch wenn man die Frage etwas anders stellt – „Welche Entwicklung des Autos würde ihrem Bedarf am stärksten gerecht werden?“ – kommt man zu ähnlichen Ergebnissen. Hier sagen je 30 Prozent in Frankreich und in Deutschland: mehr Umweltschonung. Jeweils 27 Prozent wünschen sich preiswertere Fortbewegungsmittel und 15 Prozent in Frankreich und 18 Prozent in Deutschland wollen sicherere Fahrzeuge.

Das sind die wertvollsten Autokonzerne

Platz 10

Subaru – Marktkapitalisierung: 30 Milliarden Euro*

Der Einstieg in die wertvollsten zehn ist eine Überraschung. Der japanische Autobauer Subaru lässt Riesen wie PSA, Fiat-Chrysler und Renault hinter sich. Das hat einen Grund: die Japaner arbeiten mit größerer Marge als alle Konkurrenten.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016

Platz 9

Tesla – Marktkapitalisierung: 33 Milliarden Euro

In den vergangenen Jahren hat der Elektropionier Milliardenverluste angehäuft. Die Investoren sind von der Vision einer emissionsfreien Mobilität aber weiterhin elektrisiert. Darum gehören die Kalifornier weiterhin zu den wertvollsten Autobauern.

Platz 8

Nissan – Marktkapitalisierung: 40 Milliarden Euro

Der Gewinn der Japaner schwächelte zuletzt. Doch durch die globale Aufstellung scheint Nissan durchaus krisenresistenter zu sein als mancher Konkurrent. Ein neue CEO soll die Japaner nun zurück in die Erfolgsspur führen.

Platz 7

Ford – Marktkapitalisierung: 45 Milliarden Euro

Seit Jahren produziert Ford mit dem F-150 das meistverkaufte Auto der USA. Und auch in Europa erwirtschaftet man zuletzt einen Milliardengewinn. Dennoch schwächelte der Aktienkurs zuletzt spürbar.

Platz 6

Honda – Marktkapitalisierung: 50 Milliarden Euro

Ein weiterer Japaner, den in Deutschland nur wenige auf dem Zettel haben. Doch gerade in Asien und den USA kann Honda durchaus Achtungserfolge vorweisen. Das reicht für einen Platz unter den wertvollsten Autokonzernen.

Platz 5

General Motors – Marktkapitalisierung: 50 Milliarden Euro

Mit dem Verkauf von Opel trennen sich die Amerikaner von ihrem defizitären Europageschäft und wollen damit ihre Rentabilität weiter steigern. Auch unter Mary Barra bleibt GM der wertvollste amerikanische Autokonzern.

Platz 4

BMW – Marktkapitalisierung: 57 Milliarden Euro

BMW-Chef Harald Krüger will mit einer Modelloffensive den Titel als größter Premiumautobauer von Daimler zurückerobern. Im Vergleich der wertvollsten Autokonzerne verpassen die Münchener das Treppchen.

Platz 3

VW – Marktkapitalisierung: 68 Milliarden Euro

Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Kurs der VW-Aktie fast halbiert. Schuld ist der Betrug beim Diesel. Trotz der hohen Verluste landen die Wolfsburger noch unter den drei wertvollsten Autokonzernen der Welt.

Platz 2

Daimler – Marktkapitalisierung: 76 Milliarden Euro

Das Beste oder Nichts – mit diesem Motto gehen die Schwaben seit einigen Jahren auf Kundenfang. Im Vergleich der wertvollsten Konzerne muss man sich allerdings mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Dafür ist Daimler der wertvollste Premiumautobauer.

Platz 1

Toyota – Marktkapitalisierung: 182 Milliarden Euro

Den Titel als größter Autobauer der Welt haben die Japaner an VW verloren. Das stört die Aktionäre allerdings nicht im Geringsten. Denn bei Gewinn und Marge kann Toyota trotz eines schwachen Jahres kaum ein Volumenhersteller das Wasser reichen.

In Deutschland folgt erst an vierter Stelle mit 15 Prozent das selbstfahrende Auto. In Frankreich sind es mit 26 Prozent etwas mehr Nutzer, die sich diese Neuerung wünschen. In Kalifornien liegt die Sicherheit an erster Stelle, autonomes Fahren und geringere Kosten gleichauf an zweiter Position und erst danach rangiert der Umweltschutz.

Sieht man diese Ergebnisse, bekommt man den Eindruck: In Deutschland und Frankeich geht der Hype um das autonome Fahren mehr als nur ein wenig am Bedarf vorbei. Offenbar müssen die Hersteller sich da ein paar Gedanken machen. „Unser wichtigstes Anliegen mit dieser Studie ist, dass man die Mobilität der Zukunft nicht mehr nur aus technikbezogener Sicht angeht, sondern aus der des Verbrauchers“, formuliert De Castries.

Das gelte auch für die Regulierung, ergänzt Laurent Burelle, Chef des großen Zulieferers Plastic Omnium: Man müsse sich die Frage stellen, ob neue Test und Zulassungsvoraussetzungen nicht zu sehr eine bestimmte Technik wie das E-Auto favorisierten, das bei Einrechnung aller Emissionen bei der Herstellung und der Verschrottung nicht so umweltfreundlich sei, wie es den Anschein habe. „Und die strikteren CO2-Normen werden wir ohne den Diesel nicht einhalten können“, äußerte Burelle.

Dabei spricht er pro domo: Plastic Omnium erzielt einen großen Teil seines Umsatzes mit Kunststofftanks und Techniken für die Abgasreinigung. Doch auch Burelle erwartet, dass „künftig viel mehr Hybridfahrzeuge verkauft werden, und dann die E-Autos.“

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