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11.01.2008

18:45 Uhr

Mode

Boss will sich nicht knebeln lassen

Der Modekonzern Hugo Boss hat seine Gewinnziele im abgelaufenen Geschäftsjahr erreicht. Im aktuellen Jahr soll die Gewinnmarge noch besser werden. Doch mit einem Finanzinvestor im Rücken ist die Modemarke unterwegs auf schmalem Grat und muss den Spagat zwischen höherer Verschuldung und Zukunftsinvestitionen schaffen.

Mode der Marke Hugo Boss: Foto: ap

Mode der Marke Hugo Boss: Foto: ap

HB METZINGEN. Der Modekonzern Hugo Boss hat sein angestrebtes Gewinnwachstum im abgelaufenen Geschäftsjahr erreicht und sich für 2008 eine weitere Verbesserung der Gewinnmarge vorgenommen. Die schwäbische Firma will sich nicht durch eine vom Großaktionär Permira geforderte Sonderdividende in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken lassen, sagte Vorstandschef Bruno Sälzer der Nachrichtenagentur Reuters in Metzingen.

"Mit dem Geschäft im Jahr 2007 sind wir zufrieden", sagte der Firmenchef. "Unsere Guidance, die wir im November für das Geschäftsjahr 2007 abgegeben haben, steht nach wie vor." Demnach dürften Erlös und Gewinn auf ein Rekordniveau gestiegen sein. Der Umsatz des Jahres 2006 in Höhe von 1,5 Milliarden Euro sollte ohne Währungseinflüsse um zehn bis 12 Prozent steigen.

Beim Vorsteuerergebnis von zuletzt 180 Millionen Euro peilte Vorstandschef Sälzer ein Plus um zwölf bis 15 Prozent an. Im laufenden Jahr strebe Boss weitere Rekorde bei Umsatz und Gewinn an, sagte der Vorstandschef. "Bei der operativen Marge sind noch Verbesserungen möglich", fügte er hinzu.

Hugo Boss hatte im vergangenen Jahr mit dem Finanzinvestor Permira anstelle der italienischen Modegruppe Valentino einen neuen Großaktionär erhalten, der mittlerweile mehr als 80 Prozent der Stimmrechte hält. Permira dringt auf eine Sonderausschüttung oder eine höhere Verschuldung des Unternehmens, das zuletzt eine solide Eigenkapitalquote von 52 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 28 Prozent hatte. "Es wird keine Ausschüttung einer Sonderdividende geben, die unsere Handlungsfähigkeit einschränkt", betonte der Hugo-Boss-Chef.

Die eigene Investitionsstärke solle erhalten bleiben. "Die Investitionssumme wird im Jahr 2008 steigen", kündigte Sälzer an. Gewöhnlich investiert Hugo Boss jährlich rund 100 Millionen Euro und baut damit unter anderem die eigene Ladenkette weltweit aus. "Wir werden auch nicht das Marketing zusammenstreichen", sagte der Boss-Chef. Zudem werde Innovation und Kreation immer wichtiger in dem weltweiten Modegeschäft.

Groß geworden ist Boss mit Männermode. Die noch kleine, aber inzwischen profitable Damenmode-Sparte könnte mit einem Zukauf ihre Umsätze schlagartig erhöhen, was Analysten schon seit längerem erwarten. "Wir stehen derzeit nicht vor einer Übernahme", sagte Sälzer. "Mit dem Abschluss des IT-Projekts Columbus im ersten Halbjahr 2008 werden jedoch Management-Kapazitäten frei." Dann könne das Unternehmen zukaufen.

"Zu uns passen würde eine Marke im gehobenen Segment, allerdings wird das Volumen bei Marken deutlich über unserem Niveau immer kleiner", sagte der Hugo-Boss-Chef. Konkurrenten von Boss sind Armani, Zenga, Gucci oder Louis Vuitton, die zum Teil stärker den Luxusmarkt abdecken. Für eine Übernahme fitgemacht hat sich Hugo Boss in den vergangenen drei Jahren mit der Modernisierung der Informationstechnik für 20 Millionen Euro. Sälzer kann damit das gesamte Unternehmen von der Kreation bis zum Verkauf und Retouren schneller und transparenter steuern. "Die Einsparungen werden sich auf sieben bis neun Millionen Euro pro Jahr belaufen", sagte er. Mit dem Zukauf einer Marke könnten Größenvorteile genutzt werden.

Spätestens 2009 wird Hugo Boss seine Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Düfte, Brillen, Uhren und Schmuck auch Online verkaufen. "Vom Online-Handel versprechen wir uns in den nächsten zwei bis drei Jahren keinen Riesenumsatz. Der Online-Handel gehört aber zur Gesamtinszenierung von Hugo Boss dazu", sagte der früher bei Beiersdorf und Schwarzkopf tätige Vorstandschef Sälzer.

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