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23.01.2010

09:00 Uhr

Mode

Mariella Burani droht die Insolvenz

VonKatharina Kort

Das italienische Modehaus, Konzernmutter von René Lezard und Mandarina Duck, sucht verzweifelt nach Geldgebern. Die Staatsanwaltschaft in Mailand soll bereits ein Insolvenzverfahren für die in den Niederlanden eingetragene Kontrollholding "Burani Design Holding" beantragt haben.

Zur italienischen Modegruppe Mariella Burani gehören bekannte Marken wie René Lezard oder der Hersteller edler Lederwaren, Mandarina Duck. dpa

Zur italienischen Modegruppe Mariella Burani gehören bekannte Marken wie René Lezard oder der Hersteller edler Lederwaren, Mandarina Duck.

MAILAND. Die Lage des hochverschuldeten italienischen Modehauses Mariella Burani Fashion (MBFG) spitzt sich zu. Schon bald könnte dem Unternehmen, zu dem Marken wie René Lezard und Mandarina Duck gehören, die Insolvenz drohen. Nach mehreren Medienberichten hat die Staatsanwaltschaft in Mailand ein Insolvenzverfahren für die in den Niederlanden eingetragene Kontrollholding "Burani Design Holding" beantragt, die indirekt 71 Prozent der MBFG hält. Walter Burani, Gründer und Präsident der Mariella Burani Fashion und Ehemann der Chefdesignerin Mariella Burani, teilte zwar auf Anfrage der Börsenaufsicht Consob mit, sein Unternehmen sei nicht über einen Antrag der Staatsanwälte informiert worden. Doch die Tatsache, dass vergangene Woche auch die mit dem Restrukturierungsplan beauftragte Investmentbank Mediobanca ihr Mandat niedergelegt hat, zeigt, wie tief das einstige Vorzeigeunternehmen in Schwierigkeiten steckt.

Mediobanca soll sich ergebnislos verabschiedet haben, weil die Familie Burani die geforderten 50 Mio. Euro nicht auf den Tisch gelegt hat, die als Voraussetzung für eine dringend nötige Kapitalerhöhung galten. Von der Kapitalerhöhung machen die Gläubiger wiederum eine mögliche Umschuldung abhängig.

Bisher hat das Unternehmen noch keinen neuen Berater mit der Restrukturierung beauftragt. Das muss jedoch in Kürze geschehen. Schließlich sitzt Mariella Burani, am Umsatz gemessen eines der größten italienischen Modehäuser, derzeit auf 492 Mio. Euro Schulden. Die Suche nach Geldgebern für das angeschlagene Modehaus dauert bereits seit dem vergangenen Sommer an. Die Aktien des Unternehmens sind seit Ende August 2009 vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise macht derzeit verschiedenen italienischen Modeunternehmen zu schaffen. Insgesamt hat die italienische Textilindustrie im vergangenen Jahr voraussichtlich mit rund 42 Mrd. Euro bis zu 22 Prozent weniger umgesetzt als noch im Jahr zuvor. Zum Ende des dritten Quartals 2008 hatten sich bereits mehr als vier Prozent der Unternehmen in der Branche aus dem Markt verabschiedet.

Mariella Burani ist auch nicht das einzige große Unternehmen aus der italienischen Luxuswelt, das der weltweiten Finanzkrise und der schwachen Konjunktur, aber auch den eigenen Finanzspekulationen zum Opfer gefallen ist. Im vergangenen Oktober hatte der neue Vorstandsvorsitzende von Versace, Gian Giacomo Ferraris, mitgeteilt, dass er wegen der Krise mehr als ein Viertel der insgesamt 1360 Stellen weltweit streichen werde.

Nach einem weiteren Verlust im Jahr 2009 rechnet Versace erst im Jahr 2011 wieder mit einem Gewinn. Zuvor, zu Beginn des vergangenen Jahres hatte ein anderer großer Spieler, die IT Holding, Gläubigerschutz beantragt. Die Holding hatte sich mit der Übernahme von Gianfranco Ferrè übernommen. Die Probleme stürzten auch andere Häuser wie Roberto Cavalli, für die IT Holding die Zweitlinien produziert, in Schwierigkeiten.

Kostspielige Akquisitionen sind es auch, die heute auf Mariella Burani lasten. Es ist die Geschichte eines soliden Familienunternehmens aus Reggio Emilia, das sich unter der Führung des Gründersohns Giovanni Burani zu einem weltweit präsenten Modekonglomerat gewandelt und sich dabei übernommen hat. In den Boomjahren expandierte das Haus immer weiter und eroberte außerhalb der klassischen europäischen Märkte vor allem Russland und den Nahen Osten. Doch mit der Finanzkrise brachen auch diese Märkte ein.

Die insgesamt rund 50 Zukäufe hat sich Giovanni Burani vor allem fremdfinanzieren lassen. Diese Expansion auf Pump ging aber nur so lange gut, bis die Finanzkrise dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machte. Die Schwierigkeiten hatten bereits personelle Konsequenzen: Im September musste der Gründersohn, den Ernst & Young noch im November 2008 als besten Manager in der Kategorie "Finance" ausgezeichnet hatte, seinen Posten als Vorstandsvorsitzender der Mariella räumen. Er zog sich auf die Ebene der Kontrollholding zurück. Seit September ist der externe Manager Gabriele Fontanesi Chef der Gruppe.

Mariella Burani Fashion

Das Unternehmen Das 1960 gegründete Familienunternehmen der Schneiderin Mariella Burani und ihres Ehemanns Walter Burani wandelt sich unter der Führung des Gründersohns Giovanni Burani zu einem Konglomerat mit vielen Töchtern. Zu den Marken der Mariella Burani Fashion gehören unter anderem René Lezard, Mandarina Duck und die Lederwarenhersteller Coccinelle und Baldinini. Außerdem produziert Burani in Lizenz für Namen wie Vivienne Westwood, Bogner, Aigner und Missoni.

Die Probleme Rund 50 Zukäufe hat Burani vor allem fremd finanziert. Durch die weltweite Krise sinken die Umsätze und Mariella Burani kann die Schulden in Höhe von 492,6 Mio. Euro nicht mehr bedienen. 2008 hatte die Gruppe noch 700 Mrd. Euro umgesetzt. In den ersten neun Monaten 2009 ist der Umsatz um fast 30 Prozent auf 398 Mio. Euro eingebrochen. Der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag bei 147 Mio. Euro - im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 91,5 Mio. Euro .

Kommentare (1)

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Peter Niemeier

24.01.2010, 01:24 Uhr

2008 hatte die Gruppe noch 700 Mrd. Euro umgesetzt.

700 Mrd Euro nicht schlecht aber ich vermute mal das ist falsch.

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