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03.02.2011

08:35 Uhr

Modehersteller

Boss verdient mehr als je zuvor

VonMartin-W. Buchenau, Christoph Kapalschinski

Boss hat 2010 seinen bisher höchsten Gewinn eingefahren. Deutschlands größter Modehersteller bekam dabei reichlich Rückenwind durch die anziehende Konjunktur. Der Rekord bei Umsatz und Gewinn hilft Vorstandschef Lahrs, aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten.

Models tragen Boss auf der Berlin Fashion Week. Quelle: Reuters

Models tragen Boss auf der Berlin Fashion Week.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Deutschlands größter Modehersteller Hugo Boss profitiert von der weltweit anziehenden Konjunktur und den in den Krisenjahren abgespeckten Strukturen des Unternehmens. Erstmals konnte der seit knapp drei Jahren amtierende Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs mit Rekorden bei Umsatz und Gewinn aus dem Schatten seines Vorgängers Bruno Sälzer treten. „2010 ist das bisher beste Jahr der Unternehmensgeschichte“, sagte Lahrs.

Das Nettoergebnis stieg im vergangenen Jahr um 82 Prozent auf 189 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich dank zweistelliger Zuwächse im Schlussquartal mit 1,73 Milliarden Euro um elf Prozent über Vorjahr, wie das Metzinger Unternehmen mitteilt.

Lahrs hatte in der Krise 40 unrentable Filialen geschlossen, die Bestände deutlich zurückgefahren und die Logistik auf Vordermann gebracht. Im laufenden Jahr rechnet er mit einem beschleunigten Umsatzwachstum und einem überproportionalen Anstieg des operativen und um Sondereffekte bereinigten Gewinns (Ebitda). Damit würde die operative Marge weiter steigen. 2010 erreichte die operative Rendite vor Sondereffekten 20 Prozent. Damit liegt Boss bereits auf dem Zielniveau des Jahres 2015: Dann soll bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro ein Ebitda von 500 Millionen Euro erwirtschaftet werden.

Mit den vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2010 übertraf der im Premium-Preissegment angesiedelte Modehersteller die selbst gesteckten Erwartungen deutlich.

Insgesamt hat sich Hugo Boss auch deutlich besser geschlagen als die deutschen Oberbekleidungshersteller insgesamt. Deren Umsätze sind in den ersten elf Monaten 2010 nach Daten des Statistischen Bundesamts nur um 0,2 Prozent auf 4,05 Milliarden Euro gestiegen. Den Umsatzeinbruch im Krisenjahr 2009 hat die Branche damit noch längst nicht aufgeholt. Dabei erholen sich diejenigen Hersteller besser, die – wie Hugo Boss – ein starkes Exportgeschäft haben und ihre Ware verstärkt über eigene Geschäfte vertreiben. Damit lassen sich höhere Erträge als durch den Vertrieb über Großhändler erzielen.

Schließlich bleibt der deutsche Bekleidungseinzelhandel mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent im Jahr 2010 deutlich hinter dem fast doppelt so stark wachsenden gesamten Einzelhandel zurück. „Nur im Ausland können die Unternehmen nennenswerte Umsatzsteigerungen erzielen und so ihren Erfolg insgesamt verbessern. Der inländische Markt ist extrem hart umkämpft und größtenteils verteilt“, sagt Thomas Rasch, Geschäftsführer des Modeverbands German Fashion in Köln.

Größtes Problem der Branche sind steigende Preise. Der nach Missernten innerhalb eines Jahres verdoppelte Baumwollpreis trifft auf Produktionsengpässe in China. Das Land produziert immer mehr für den Heimatmarkt, in den wohlhabenderen küstennahen Regionen werden die Arbeitskräfte knapp. Hugo Boss trifft das etwas weniger stark als andere Hersteller. Der Grund: Seine hochwertigen Textilien werden selten in China geschneidert. Die Schwaben lassen viel in der Türkei fertigen.

Preiserhöhungen gibt es in den aktuellen Boss-Kollektionen nach Firmenangaben nicht – allerdings vollzieht die Branche Preisänderungen eher mit Kollektionswechseln. Derzeit läuft die Ordersaison für die Winter-Mode 2011.

Die Hugo-Boss-Aktie reagierte gestern im M-Dax mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 55,68 Euro. Damit hat sich der Aktienkurs binnen eines Jahres fast verdoppelt. Hugo Boss könnte nach langer Durststrecke doch noch zu einer Erfolgsgeschichte für den Finanzinvestor Permira werden, der im Frühjahr 2007 auf dem Höhepunkt des Private-Equity-Booms für die Boss-Muttergesellschaft Valentino 3,8 Milliarden Euro hinblätterte und bei Hugo Boss in der Folge den kompletten Vorstand austauschte. Spannend wird jetzt, welche Dividende Hugo Boss ausschütten wird. Permira braucht Geld, um die Kredite aus der Übernahme zu bedienen.

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