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14.06.2012

18:13 Uhr

Modekonzern

Ex-Chef von Esprit rechnet mit Nachfolger ab

VonSönke Iwersen, Christoph Kapalschinski

ExklusivDer ehemalige Esprit-Chef Heinz Krogner kritisiert den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Ronald van der Vis. Er habe die Kunden der Firma vernachlässigt. Van der Vis hat bereits seinen Rücktritt angekündigt.

Esprit-Vorstandschef Ronald van der Vis legte sein Amt nieder - höchste Zeit, findet sein Vorgänger. Reuters

Esprit-Vorstandschef Ronald van der Vis legte sein Amt nieder - höchste Zeit, findet sein Vorgänger.

Düsseldorf.Der ehemalige Esprit-Chef Heinz Krogner hat scharfe Kritik am amtierenden Vorstandsvorsitzenden Ronald van der Vis geübt. „Esprit hat den schlimmsten Fehler begangen, den es gibt: Die Firma hat den Kunden vernachlässigt“, sagte Krogner in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Esprit stand für ein Qualitätsversprechen. Esprit hatte eine Handschrift. Beides wurde aufgegeben. Esprit hat die alten Kunden vergrault und neue nicht schnell genug gewonnen.“

Ronald van der Vis hatte in dieser Woche angekündigt, seinen Posten aufzugeben. Als Grund nannte er familiäre Probleme. Seine Frau und seine Kinder hätten sehr darunter gelitten, dass er die Hälfte des Jahres in Asien verbringen müsse. Am Aktienmarkt aber wurde über einen Machtkampf zwischen van der Vis und enttäuschten Investoren spekuliert. Die Esprit-Aktie hat unter van der Vis mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren. Am Mittwoch kündigte auch Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber seinen Rückzug an.

Offiziell erklärte Esprit in beiden Fällen, das Umbauprogramm von Körber und van der Vis laufe weiter. In einem 1,7 Milliarden Euro teuren Programm haben sie alle eigenen Läden in den USA geschlossen, weitere unrentable Standorte geschlossen und unpassende Handelspartner vergrault. Zudem sollten die Produkte wieder modischer werden, die Läden chicer. Ziel: Die Marke sollte wieder glänzen. Denn während H & M und Zara in den vergangenen Jahren stetig wuchsen und Newcomer wie Desigual Erfolge feierten, stagnierte der Esprit-Umsatz seit Jahren.

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Der ehemalige Esprit-Chef Krogner macht beide Manager für die Schieflage des Unternehmens verantwortlich. „Van der Vis kam als neuer Chef und wollte alles anders machen. Der Aufsichtsrat hat ihn gelassen“, sagte Krogner. „Ich wollte einen weichen Übergang, ihn in den Job einführen. Aber er hörte nicht zu und hatte einen extremen Machtanspruch. Der Aufsichtsrat hat hier praktisch einem Piloten das Flugzeug übergeben, bevor er fliegen konnte.“

Die Vorgaben für Esprit kommen jetzt aus Asien: Den Verwaltungsratsvorsitz von Körber hat der 62-Jährige Bankmanager Raymond Or Ching Faider übernommen. Er ist seit 16 Jahren im Board. Wer van der Vis nachfolgt, ist noch nicht klar. Gute Karten könnte die ehemalige Puma-Managerin Melody Harris-Jensbach haben. Van der Vis hatte die Koreanerin mit US-Pass kürzlich als Produkt-Chefin zurück zu Esprit geholt, um die Marke wiederzubeleben.

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