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23.03.2016

17:21 Uhr

Model 3 wird enthüllt

Der Traum vom Tesla für alle

VonLukas Bay, Thomas Jahn

Tesla-Chef Elon Musk wird kommende Woche das neue Model 3 präsentieren – ein Elektroauto für die Mittelklasse. Damit will der Elektropionier in den Massenmarkt entsteigen. Ob das gelingt, ist mehr als unklar.

Nach dem Model S und dem Model X will Tesla ab 2018 das Model 3 verkaufen. Es soll der Einstieg in den Massenmarkt werden. PR

Warten auf den dritten Streich

Nach dem Model S und dem Model X will Tesla ab 2018 das Model 3 verkaufen. Es soll der Einstieg in den Massenmarkt werden.

Düsseldorf/New YorkDas Versprechen ist schon zehn Jahre alt: Im Juli 2006, als Tesla den ersten Roadster präsentierte, erklärten die Elektroauto-Pioniere um Tesla-Investor Elon Musk bereits, man wolle in drei Jahren ein Modell für weniger als 50.000 Dollar auf den Markt bringen. Es kamen die Oberklasselimousine Model S und das Oberklasse-SUV Model X. Doch auf ein Modell für den Massenmarkt warten die Tesla-Anhänger bis heute.

Kommende Woche soll das Warten ein Ende haben. Dann wird der heutige Tesla-Chef Musk das Model 3 präsentieren. Es ist das Auto, auf das Tesla seit der Gründung hinarbeitet: ein Elektroauto für die Mittelklasse, dessen Einstiegspreis bei rund 35.000 Dollar (etwa 31.000 Euro) liegen soll: ein Tesla für jedermann. Das Model 3 ist der erste Schritt hin zu einem lang gehegten Traum von Elon Musk. Die elektrische Mobilität soll massentauglich werden – und ein neues Zeitalter auf der Straße einläuten. Ein Zeitalter, in dem die jahrelange Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Energieträgern enden soll.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Wann immer Musk in den vergangenen Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, Tesla sei nichts weiter als ein Spielzeug für Millionäre, kontert er mit dem gleichen Argument: Alle Technologien, vom Farbfernseher bis zum Handy, seien hochpreisig gestartet – und erst dann im Massenmarkt durchgestartet. Das Model 3 soll Tesla in neue Absatzhöhen katapultieren. Im Jahr 2020, so sehen es die Pläne von Tesla vor, wollen die Kalifornier weltweit 500.000 Autos verkaufen und ihren Absatz damit verzehnfachen.

Doch bisher werden diese hochtrabenden Pläne vor allem vom Vertrauen der Investoren getragen. Denn seit der Firmengründung schreibt Tesla Verluste. Trotzdem hat sich der Wert der Aktie in nur drei Jahren verachtfacht. An der Börse ist Tesla mittlerweile dreimal so viel wert wie Fiat-Chrysler. Die Anleger teilen den Traum von Musk, im elektrischen Massenmarkt eine Führungsrolle zu übernehmen.

Dabei ist der Erfolg des Model 3 noch längst nicht ausgemacht. Denn Elektroautos bleiben bisher eine wenig lukrative Angelegenheit, vor allem wegen der teuren Batterie. Teslas Lösung: eine Gigafactory in Nevada, die mit hohen Stückzahlen auch die Produktionskosten der Batterien senken – und das Elektroauto damit massentauglich machen soll. Doch bis die neue Riesenfabrik tatsächlich produziert, dürfte noch Zeit ins Land gehen. Gerade einmal 14 Prozent sind nach Angaben von Tesla fertiggestellt. Statt Ende 2017 – wie ursprünglich geplant – soll die Fabrik erst 2020 komplett fertiggestellt werden. Das Model 3 soll allerdings schon ab 2018 verkauft werden. Darum wird die Fabrik zunächst nur teilweise eröffnet und dann modular erweitert.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

24.03.2016, 08:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Franz Paul

24.03.2016, 10:46 Uhr

Marc Hoffmann:
So sieht es aus. Und ein technischer Fortschritt ist er auch nicht. Es sind nur zusammengekaufte Einzelteile. Im Prinzip nur das Hobby von Elon Musk, vielleicht sogar wirklich nur ein Steuersparmodell für ihn. Immerhin, in Amerika schafft er so ein paar Arbeitsplätze. Aber die Gesamt-Ökobilanz der Fahrzeuge dürfte verheerend ausfallen, bloß interessiert das niemand.

Hubert Fink

24.03.2016, 10:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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