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10.09.2013

21:47 Uhr

Modellmangel

Die riskante Wette von Fiat

Fiat kann auf der IAA kein neues Modell präsentieren. Der Hersteller will erst neue Autos auf den Markt bringen, wenn der Markt in Europa wieder anzieht. Doch dabei muss das USA-Geschäft mitspielen.

Messe-Hostess mit dem Fiat 500 E auf der IAA: Auf der Autoschau kann Fiat kaum Neuigkeiten präsentieren. dpa

Messe-Hostess mit dem Fiat 500 E auf der IAA: Auf der Autoschau kann Fiat kaum Neuigkeiten präsentieren.

FrankfurtZur IAA fährt man nicht mit leeren Händen. Ob Elektroantrieb, Cabrio oder SUV - ohne Weltneuheit lässt sich kein großer Hersteller auf der Leitmesse der Autobranche sehen. Nur einer hat nichts: Fiat. Auf dem Messestand der Italiener steht kein neues Modell, während die Konkurrenz trotz oder gerade wegen Europas Absatzflaute die Muskeln spielen lässt. Selbst Konzernchef Sergio Marchionne blies seinen IAA-Besuch völlig überraschend ab und ließ alle Presse-Termine platzen. Drohen dem Konzern etwa neue Probleme? Zumindest ist der Messeauftritt ein Abbild des Fiat-Kurses durch die Krise: Neuheiten und Erfolgsmeldungen muss man mit der Lupe suchen.

Vor allem die Verkaufszahlen der Tochtermarken sind auf dem Heimatkontinent desaströs. Alfa Romeos Absatz brach alleine in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um ein Drittel ein, Lancia verlor ein Viertel. Beide Marken trifft der Modellmangel besonders hart: Lancia hat nur fünf Autos im Programm, Alfa gerade zwei. Der Marktanteil des Konzerns sackte seit 2011 um zwei Prozentpunkte ab. Trotzdem warten die Händler vergeblich auf neue Modelle.

Die größten Autobauer der Welt

Platz 10

Suzuki - 2,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Auch wenn der Absatz der Japaner stagniert treibt auch hier der Yen-Wechselkurs die Gewinne nach oben. Der Gewinn legt um satte 50 Prozent zu.

Platz 9

PSA Peugeot Citroën- 2,82 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Franzosen stecken weiter tief in der Krise und haben im Jahr 2013 rund fünf Prozent weniger Autos verkauft. Mit frischem Geld aus China soll es dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Platz 8

Honda - 4,28 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Kaum ein Autokonzern weltweit hat bei den Verkäufen so stark zugelegt wie die Japaner. Unterm Strich steht ein Plus von satten 12 Prozent.

Platz 7

Fiat/Chrysler - 4,42 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Fusion soll dem italienisch-amerikanischen Duo neuen Schwung verleihen. Für Gewinne sind im Markenreicht von Fiat, zu dem auch Maserati, Alfa Romeo und Jeep zählen, vor allem die Amerikaner zuständig.

Platz 6

Nissan- 5,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In Deutschland erfreut sich vor allem der SUV Qashqai enormer Beliebtheit, aber auch weltweit läuft es rund für Japaner. Unter Strich steht ein Absatzplus von etwa drei Prozent.

Platz 5

Ford- 6,33 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner haben nicht nur eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte hinter sich, sondern mit dem Focus erneut das meistverkaufte Auto der Welt in ihren Reihen. Für das Treppchen reicht das allerdings nicht.

Platz 4

Hyundai/Kia- 7,61 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist etwas abgekühlt, doch die Koreaner legen weiterhin stetig zu. Das Duo landet trotz starker Heimatwährung beim Absatz im Plus.

Platz 3

Toyota- 9,03 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Gewinn hängt Toyota die Konkurrenz um die Weltmarktspitze locker ab, doch beim Absatz reicht es nur für Bronze. Vor allem weil der Absatz im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

Platz 2

Volkswagen- 9,51 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der VW-Konzern kommt beim Absatz auf den zweiten Platz. Mit allen zwölf Konzernmarken, darunter auch Audi und Porsche, erwirtschaften die Wolfsburger ein Absatzplus von vier Prozent.

Platz 1

General Motors - 9,71 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Absatz behaupten die Amerikaner im Dreikampf mit Toyota und Volkswagen die Krone. Ob sich der Titel angesichts der aktuellen Rückrufprobleme verteidigen lassen wird?

Quelle

Ernst&Young-Studie „Die größten Automobilhersteller weltweit“, Gesamtjahr 2013

Und ihre Nerven dürften weiter strapaziert werden. Denn Fiat-Chef Marchionne spielt eine riskante Wette: Er setzt darauf, dass die Konkurrenz mit ihren Modelloffensiven während der Flaute ihr Pulver verschießt. Fiat soll mit Neuheiten punkten, sobald die Nachfrage wieder anzieht und die Konkurrenz ältere Modelle im Markt hat. Die notwendigen Körner für die Zwischenzeit soll die profitable US-Tochter Chrysler liefern. Geht die Rechnung auf, könnte Fiat zum Gewinner der Krise werden.

Denn viele Hersteller kalkulieren so: Wer jetzt Marktanteile verliert, muss sie nach der Krise teuer zurückerobern. Also kämpfen die Konzerne mit allen Mitteln um die verbliebenen Kunden. Die schmerzhafte Rabattschlacht in Europa ist die logische Folge. Natürlich mischt auch Fiat dabei mit. Aber Marchionne will zumindest seine neuen Modelle vor diesem „Blutbad“ schützen.

Berater Christoph Stürmer von IHS Automotive hält die Strategie nicht für aussichtslos. „Die Erfahrung zeigt: Sobald Märkte wieder anziehen, geraten Marktanteile häufig schnell in Bewegung“, sagt er. Wenn Fiat also unter anderem seine Produktionskapazitäten halten kann, könnten die Italiener am Ende das Feld von hinten aufrollen.

Kommentare (4)

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Hans

11.09.2013, 04:27 Uhr

Wenn man erst beginnt in die Entwicklung von neuen Modellen in einer Aufschwungphase zu investieren, dann kommen diese Modelle erst auf den Markt, wenn schon wieder der Abschwung eingesetzt hat.

Account gelöscht!

11.09.2013, 07:19 Uhr

"Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach" . so fährt Fiat. Die deutschen Autobauer lassen sich gerne wertlose Versprechen in Form von Zettelchen als Zahlung geben. Fiat ist da irgendwie schlauer!

Kaurikampf

11.09.2013, 08:14 Uhr

Für alles gibt es heute eine "tolle Ausrede"! Die Ausrede von Fiat für ausbleibende Innovationen ist ein völlig anders Reagieren auf Konjunkturzyklen! So kann man auch umschreiben, dass man nichts mehr auf der Pfanne hat. Das erinnert mich irgendwo an die deutsche Kriegspropaganda, bei der Rückzüge immer als "Frontbegradigung" propagiert wurden. Die armen Fiat Händler- seit Jahren das Gleiche im Show-Room. Bei Alfa das Gleiche. Von Lancia redet niemand mehr!
8ZXxvj

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