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11.01.2005

07:22 Uhr

Modellstudien für den US-Markt kombinieren Benzin- und Elektroantriebe

Deutsche Autoindustrie startet Aufholjagd bei Hybrid-Motoren

VonCarsten Herz

Die deutsche Autoindustrie will in den USA beim Verkauf von Fahrzeugen mit Hybridmotor Boden gut machen. Angelockt vom Publicity-Erfolg der Hybrid-Pioniere Toyota und Honda nehmen die Pläne nun konkrete Formen an.

DETROIT. Die Japaner haben bereits vor fünf Jahren mit dem Verkauf von Autos mit Hybrid-Antrieb begonnen, bei dem Benzin- und Elektromotor kombiniert werden.

Als erster deutscher Automobilhersteller zeigt Daimler-Chrysler Flagge. Forschungsvorstand Thomas Weber sagte dem Handelsblatt am Rande der Auto Show in Detroit, im Jahr 2007 werde ein Hybrid-Fahrzeug von Daimler-Chrysler auf den US-Markt kommen. Auf der Automobilmesse in Detroit präsentiert Mercedes eine S-Klasse-Studie mit einem kombinierten Diesel-Elek- tro-Antrieb. Auch Opel plant Neuartiges: Auf dem Messestand des Mutterkonzerns General Motors zeigen die Rüsselsheimer eine zweitürige Version des Kompaktwagens Astra mit Hybridmotor.

Die Europäer werden bald marktreife Hybrid-Modelle im Programm haben, denn der als ökologisch geltende Antrieb gilt als wachstumsstark. Im Jahr 2008 werden in den USA laut Studien bereits 1,8 Mill. Fahrzeuge mit Hybridantrieb über die Straßen rollen – mehr als zehn mal so viele wie heute. Auch in Europa gewinnt der Hybrid an Bedeutung: Die zweite Generation des Toyota Prius wurde zum Auto des Jahres 2005 gekürt.

VW werde in absehbarer Zeit ein Hybrid-Fahrzeug auf dem US- Markt anbieten, sagte ein Sprecher. Zudem liebäugelt Porsche mit einer Hybrid-Version des Geländewagens Cayenne. Branchenkreise werten die Hybrid-Studie des Mercedes- Topmodells als Fingerzeig dafür, dass die künftige S-Klasse mit Hybrid-Version erscheinen soll. Damit solle dem Vormarsch von Toyotas Edel-Tochter Lexus etwas entgegengesetzt werden.

Das Hybridsystem funktioniert bei allen Modellen ähnlich: Beim Anfahren, Einparken oder bei langsamem Stadtverkehr treibt der Elektromotor den Wagen an. Erst wenn es flotter wird, tritt das Dieselaggregat in Aktion. Beim Bremsen arbeitet der Elektromotor als Generator und gewinnt Strom, der in einer Batterie gespeichert wird.

Bereits Mitte Dezember vereinbarte Daimler-Chrysler eine Kooperation mit Branchenprimus General Motors (GM) bei der Entwicklung der Hybrid-Technologie, die auch für andere Hersteller offen ist. Die beiden Hersteller wollen den Hybrid-Antrieb weiterentwickeln. Das so genannte Two-Mode-System, bei dem GM führend ist, bringe im Vergleich zu Toyota eine Verdoppelung der elektrischen Kraft bei wesentlich kleineren Elektromotoren. Beide Automobilhersteller wollen in GM- und Chrysler-Geländewagen in den USA den neuen Antrieb einsetzen.

Honda und Toyota haben mit der Technik erste Achtungserfolge in den USA. Toyota verkaufte vom Modell Prius bereits mehr als 100 000 Exemplare, Honda setzte fast seine komplette Produktion des Civic mit dem neuen Antrieb in den USA ab. Auch US-Hersteller setzen angesichts der Benzinpreis-Explosion in den USA auf die Technik: Ford hat bereits das Modell Escape mit dem Antrieb ausgerüstet und will in den nächsten Jahren weitere vier Modelle anbieten.

Für die deutschen Hersteller bedeutet der Einstieg in die Hybrid- Technik eine Akzentverschiebung. Lange Zeit setzten die Deutschen in den USA vor allem auf den Dieselmotor, um das erwachende Umweltbewusstsein der Amerikaner zu bedienen. Gebetsmühlenartig betonten deutsche Manager, dass die Energie-Bilanz eines Hybridautos gar nicht so glanzvoll sei wie vielfach angenommen und der Diesel vieles besser könne.

Noch ist es den Herstellern jedoch nicht gelungen, den Amerikanern Lust auf den spritsparenden Diesel-Antrieb zu machen. Der Dieselmotor führt in den USA ein Nischendasein: Sein Anteil liegt in den Vereinigten Staaten unter einem Prozent. Trotz des Vormarschs von Hybrid-Autos in den USA wollen die Deutschen allerdings ihre Dieseloffensive in den USA nicht aufgeben. „Wir starten in Detroit die zweite Stufe der Dieseloffensive“, sagte Bernd Gottschalk, Präsident des Automobilverbandes VDA.

Die erste Resonanz war ermutigend: Der für 2004 geplante Jahresabsatz von 3 000 Fahrzeugen des E-Klasse-Modells mit Dieselmotor sei nur fünf Monate nach Markteinführung erreicht worden. VW ist einen Schritt weiter: Jedes siebte in den USA verkaufte VW-Fahrzeug ist bereits ein Diesel. Laut Brancheninsidern bereitet sich auch Toyota in den USA auf höhere Nachfrage nach Diesel-Antrieben vor.

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