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08.01.2007

09:55 Uhr

Mögliche Aufgabe von Produktionsstätten

Chrysler stehen weitere harte Einschnitte bevor

VonMatthias Eberle

Auch wenn Vertriebschef Joe Eberhardt bereits zurückgetreten ist – dem US-Autohersteller Chrysler stehen weitere Herausforderungen bevor. Gestiegene Benzinpreise haben das Kaufverhalten der Amerikaner verändert. Die Verluste zu reduzieren, ist nun die Aufgabe von Vorstandschef Tom La Sorda.

DETROIT. Der angeschlagene US-Autohersteller Chrysler steht 2007 vor einem Berg voller Herausforderungen. Neben einer neuerlichen Sanierung, die nach einem Milliardenverlust im Vorjahr akut wird, muss Vorstandschef Tom LaSorda zudem einen Streit mit seinem Vertrieb lösen: „Wir müssen wieder den Puls der Händler spüren“, sagte LaSorda dem Handelsblatt. Der hohe Bestand von zeitweise 600 000 Chrysler-Autos, die im Vorjahr auf den Höfen der Händler standen, war Auslöser eines Aufstandes, in dessen Folge Vertriebschef Joe Eberhardt vor wenigen Wochen zurücktrat. Inzwischen sei der Bestand auf 538 000 Autos gesenkt worden, betonte LaSorda.

Seit Eberhardts Abgang ist LaSorda (52) zusätzlich für Marketing und Verkauf bei Chrysler zuständig. US-Medien sehen in der Konzentration aller Verantwortungsbereiche auf eine Person die letzte Chance für den unter Druck stehenden Auto-Manager. Ihm wird vorgeworfen, auf die sich abzeichnende Krise zu spät reagiert und zehntausende nahezu unverkäufliche Autos zu viel produziert zu haben. Dadurch sah sich Chrysler Ende 2006 zu einer rekordverdächtigen Rabattaktion gezwungen: Die „New York Times“ berichtet über Nachlässe von bis zu 10 000 Dollar für den Dodge Durango, der sonst für 30 000 Dollar angeboten wird. Die Sprit fressenden Geländewagen und Pickups, die aktuell noch mehr als 70 Prozent der Chrysler-Modellpalette ausmachen (unter anderem der Jeep), sind bei US-Kunden angesichts deutlich gestiegener Benzinpreise in Ungnade gefallen.

Einen Aufschwung kann Chrysler in den nächsten Monaten nicht erwarten: „Wir müssen davon ausgehen, dass auch 2007 ein schweres Jahr wird“, sagte LaSorda. Einzelheiten der anstehenden Sanierung will der drittgrößte US-Autobauer erst im Februar vorstellen. LaSorda betonte, harte Einschnitte seien unvermeidlich. Werksschließungen in den USA wollte er nicht ausschließen.

Chrysler hat seiner deutschen Muttergesellschaft Daimler im dritten Quartal 2006 einen Verlust von umgerechnet 1,5 Mrd. Dollar (1,16 Mrd. Euro) eingehandelt. Nach Vorlage dieser Zahlen flammte die Diskussion wieder auf, wie lange die Stuttgarter noch an ihrer regelmäßig in die Krise rutschenden US-Tochter festhalten. Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber hatte entsprechende Spekulationen mit der Aussage geschürt, man könne selbst eine Trennung von Chrysler nicht mehr ausschließen.

Analysten zufolge strahlt die Talfahrt der US-Tochter auch auf Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche ab, denn LaSorda ist als Chrysler-Vorstandschef gerade mal ein Jahr im Amt. Sein Vorgänger hieß Zetsche, unter dessen Regie bei einer früheren Sanierung rund 40 000 Arbeitsplätze abgebaut wurden.

Die „New York Times“ spekulierte im Vorfeld der Messe, LaSorda werde bald auf einen anderen Job bei Daimler-Chrysler wechseln und damit Platz machen für VW-Markenchef Wolfgang Bernhard (siehe auch Artikel „Winterkorn drückt VW seinen Stempel auf“). LaSorda bezeichnete die Gerüchte als „Nonsens“. Der von Analysten gefeierte und von Gewerkschaftern gleichermaßen gefürchtete Bernhard war an der letzten Chrysler-Sanierung maßgeblich beteiligt und gilt als enger Weggefährte von Daimler-Chef Zetsche.

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