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14.01.2009

13:02 Uhr

Mögliche Übernahme

Biotech-Firma Elan sucht einen Partner

VonDirk Heilmann und Siegfried Hofmann

Die Übernahmewelle in der Pharmabranche rollt weiter: Nun sucht der irische Pharmahersteller Elan einen großen Investor. Die Iren brauchen mehr Geld für die Entwicklung von Medikamenten. Durch den Innovationsdruck in der Branche versuchen immer mehr Hersteller unter das Dach eines großen Konzerns zu schlüpfen.

Immer mehr Biotech-Firmen suchen einen großen Partner. Foto: dpa dpa

Immer mehr Biotech-Firmen suchen einen großen Partner. Foto: dpa

LONDON/FRANKFURT. In der Biotechbranche bahnt sich die nächste größere Übernahme an. Der irische Pharmahersteller Elan beauftragte gestern die Citigroup, strategische Alternativen für das Unternehmen zu erkunden. Das könne vom Einstieg eines Partners bis zum Verkauf des Unternehmens reichen, teilte Elan mit. Ziel der Aktion sei es, die finanziellen Mittel für die Weiterentwicklung neuer Wirkstoffe zu sichern. Elan arbeitet an Medikamenten gegen Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Damit setzt sich der Trend fort, dass Biotechfirmen unter die Fittiche größerer Pharmakonzerne schlüpfen.

Elan ist eine der größten europäischen Biotechfirmen und mit einer Marktkapitalisierung von 3,2 Mrd. Euro das drittgrößte Unternehmen an der Dubliner Börse. Doch die Aktie des Unternehmens ist in den vergangenen sechs Monaten zwei Drittel gefallen. Das lag vor allem an der Diskussion über Nebenwirkungen des Multiple-Sklerose-Medikaments Tysabri, das Elan zusammen mit dem US-Konzern Biogen-Idec vermarktet, und an Rückschlägen bei der Entwicklung der Alzheimer-Medizin Bapineuzumab, die Elan zusammen mit Wyeth vorantreibt.

Das irische Unternehmen hat 2007 bei einem Umsatz von 516 Mio. Dollar netto 666 Mio. Dollar Verlust gemacht. Es muss innerhalb der kommenden fünf Jahre 1,7 Mrd. Dollar Kredite zurückzahlen. Der Finanzbedarf ist also offensichtlich. Großaktionäre haben deshalb Vorstandschef Kelly Martin aufgefordert, neue Wege zu gehen. Eine Sprecherin wies Spekulationen zurück, dass der Pharmariese Pfizer Elan kaufen wolle. Analysten sagten, die Entwicklungspartnerschaften mit Biogen-Idec und Wyeth erschwerten es anderen Pharmakonzernen, die Mehrheit an Elan zu übernehmen.

Doch der Branchentrend spricht für eine Fusion: Allein 2008 haben mehr als ein Dutzend größerer Firmen ihre Eigenständigkeit verloren. Prominentester Deal ist die geplante Komplett-Übernahme des US-Konzerns Genentech durch dessen Mehrheitseigner Roche. Roche hat sich zwar mit Genentech noch nicht geeinigt, zeigt sich aber zuversichtlich, die Transaktion im Laufe des Jahres abzuschließen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete gestern unter Berufung auf Bankenkreise, der Konzern sei bereit, sein Angebot von momentan 44 Mrd. Dollar noch aufzustocken. Die zur Finanzierung benötigten Kredite seien aber noch nicht unter Dach und Fach.

Auch bei den anderen größeren Übernahmen ging es um US-Biotechfirmen. Allerdings wechselten mit Jerini, U3 Pharma und Direvo auch erstmals drei deutsche Biotech-Vertreter für dreistellige Millionenbeträge den Besitzer. In der vergangenen Woche gab zudem die niederländische Crucell Gespräche mit Wyeth bekannt.

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