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21.01.2009

07:01 Uhr

Möglicher Squeeze out

Schaeffler prüft Conti-Komplettkauf

VonMark C. Schneider

ExklusivMit dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler verbundene Banken liebäugeln angesichts der Blockade des Aufsichtsrats von Continental offenbar damit, Schaeffler den Konzern komplett übernehmen und im Anschluss von der Börse nehmen zu lassen.

Schaeffler droht Conti, doch am Ende könnte alles nur Taktik sein. Foto: dpa dpa

Schaeffler droht Conti, doch am Ende könnte alles nur Taktik sein. Foto: dpa

HAMBURG. Dieses Szenario spielen Kreditinstitute jedenfalls für Schaeffler durch, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. "In dieser verfahrenen Situation könnte ein Squeeze out helfen", hieß es.

Ein solcher Schritt dient offenbar vor allem als Drohkulisse. Er wäre politisch prekär, weil der neue Großaktionär damit die im Sommer 2008 geschlossene Investorenvereinbarung mit Conti und den Gewerkschaften eindeutig brechen und damit erheblichen Widerstand provozieren würde. Die Franken haben zugesichert, ihren Anteil an dem MDax-Konzern bis zum Jahr 2012 auf die aktuell gehaltenen 49,9 Prozent zu begrenzen. Die im Rahmen des Übernahmeangebots eingesammelten überschüssigen Conti-Aktien hatte Schaeffler unmittelbar an die Privatbanken Metzler und Sal. Oppenheim weitergereicht. Zusammen halten beide rund 40 Prozent.

Schaeffler hat Szenarien einer vollständigen Übernahme bislang stets als "Spekulationen" abgetan. In Unternehmenskreisen heißt es aber, man müsse angesichts der schwierigen Situation beider Unternehmen überlegen, wie eine tragfähige gemeinsame Struktur aussehen könne. Einige Banken würden sich dazu ihre eigenen Gedanken machen.

Schaeffler hat sich für den Conti-Deal einen Kreditrahmen von insgesamt 16 Mrd. Euro gesichert, von dem rund elf Mrd. Euro bereits ausgeschöpft sind. Conti steht bei den Banken ebenfalls mit fast elf Mrd. Euro in der Kreide. Die finanzielle Lage beider Unternehmen ist angesichts von Finanzkrise und Absatzeinbruch in der Autoindustrie hochproblematisch, heißt es in Finanzkreisen.

Contis Finanzchef Alan Hippe wolle heute die neuen Kreditverträge unterzeichnen, hieß es in Unternehmenskreisen. Ihm war es in den letzten Wochen gelungen, die Kredite angesichts des niedrigen Zinsniveaus zu vergleichsweise günstigen Konditionen neu zu verhandeln. Das war nötig geworden, weil der Zulieferer fürchtete, die Vereinbarungen zu brechen - womit die gesamten Forderungen fällig geworden wären. Sollte Schaeffler wirklich Conti voll übernehmen wollen, könnten die Banken das Paket wieder aufschnüren. Die Investorenvereinbarung ist Teil des Vertrags. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger war das ein Dorn im Auge.

Zumindest die bei Conti maßgeblichen Gewerkschaften IG BCE und IG Metall sehen die Investorenvereinbarung trotz gegenteiliger Beteuerungen Schaefflers bereits als gebrochen an. Die Franken forderten gestern erstmals offiziell Continentals Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg zum sofortigen Rücktritt aufgefordert, weil er eine Einigung "systematisch sabotiert" haben soll.

Hinter den Kulissen vollzieht sich seit Wochen ein Machtkampf zwischen Schaeffler-Chef Geißinger und von Grünberg. Jüngst war ein Treffen ohne Ergebnis zuende gegangen. Schaeffler bestätigte ebenfalls erstmals offiziell, dass dem Familienunternehmen die von Contis Aufsichtsrat angebotenen vier Sitze im Kontrollgremium nicht ausreichen. "Solange der Aufsichtsrat seinen Vorsitzenden dabei gewähren lässt und dieser nicht zurücktritt, behalten wir uns das Recht vor, alle Sitze der Anteilseigner neu zu besetzen", sagte der Schaeffler-Sprecher. Die Franken verweisen dabei auf ihr Verständnis der Investorenvereinbarung: Demnach will der Großaktionär vier Mitglieder des Conti-Aufsichtsrates direkt mit Schaeffler-Angehörigen besetzen und die restlichen sechs Sitze der Kapitalseite mit "deutschen und internationalen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft besetzen".

Sollten die Kontrolleure den Forderungen nicht nachkommen, droht Schaeffler mit einer außerordentlichen Hauptversammlung, um das Gremium abzusetzen. Arbeitnehmerkreise des Aufsichtsrates werten das als "Erpressung". Sollte es soweit kommen, steht auch die Nagelprobe für die Loyalität von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann an. Schaeffler geht für einen solchen Fall davon aus, dass "der Vorstand seinen Pflichten nachkommt und es zügig zu dieser außerordentlichen Hauptversammlung kommt".

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