Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.11.2016

15:44 Uhr

Monsanto

Aktionäre klagen gegen Verkauf an Bayer

VonBert Fröndhoff

In den USA ist von Monsanto-Aktionären die erste Sammelklage gegen die Übernahme des Saatgutkonzerns durch Bayer eingereicht worden – eine typische Aktion der amerikanischen Prozessindustrie.

Werner Baumann (l.), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto, verkündeten im September die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Aktionäre der US-Amerikaner klagen jetzt dagegen. dpa

Monsanto-Aktionäre klagen gegen Verkauf an Bayer

Werner Baumann (l.), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto, verkündeten im September die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Aktionäre der US-Amerikaner klagen jetzt dagegen.

DüsseldorfEs war nur eine Frage der Zeit, wann gegen die Mega-Übernahme im Agrarsektor geklagt wird: Am Dienstag teilte der US-Saatgutkonzern Monsanto mit, dass beim Gericht am Konzernsitz St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eine Sammelklage gegen den Verkauf an Bayer eingegangen ist. Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern will das US-Unternehmen für 66 Milliarden Dollar übernehmen. Am 15. September 2016 hatten beide Konzerne eine Einigung verkündet.

Jetzt tauchen die ersten Klagen gegen den Deal auf. Dabei handelt es sich nicht um Umweltschützer, die wie sonst üblich die Geschäftspraktiken der Agrarchemiehersteller anprangern. Vielmehr haben Aktionäre von Monsanto eine Sammelklage gegen die Übernahme eingereicht. Sie werfen dem Management des US-Konzerns vor, Treuepflichten gegenüber den Anteilseignern verletzt zu haben.

Milliardendeal mit ungewissem Ausgang

Welche Dimension hat der Deal?

Es ist die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Mit einer Bewertung von 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro) stellt der Kauf selbst die später wieder aufgelöste „Hochzeit im Himmel“ zwischen den Autobauern Daimler und Chrysler aus dem Jahr 1998 und die Übernahme des US-Telekommunikationsanbieters Voicestream durch die Deutsche Telekom im Jahr 2000 in den Schatten.

Was treibt den deutschen Konzern?

Durch den Zusammenschluss werden die Leverkusener auf einen Schlag zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen. Bayer sichert sich nicht nur wichtige Schlüsseltechnologien etwa bei genverändertem Saatgut, sondern kann auch von Monsantos führender Rolle beim sogenannten „digital farming“ – der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft – profitieren.

Aber rechtfertigt das den hohen Preis?

Bayer-Chef Werner Baumann glaubt: Ja. Der Manager sieht angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung enorme Wachstumschancen im Agrarbereich. Schließlich müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Außerdem müsse die Menschheit die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen. Auch hier könnten Bayer und Monsanto zusammen wegweisende Antworten geben.

Und was spricht gegen die Übernahme?

Zum einen das schlechte Image von Monsanto. Der US-Biotechnologiekonzern steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Doch ist Baumann überzeugt, die Reputationsprobleme in den Griff bekommen zu könne. Kritiker monieren außerdem die künftige Marktmacht von Bayer und Monsanto - diese gehe zu Lasten von Landwirten und Verbrauchern.

Welche Risiken beinhaltet die Übernahme sonst noch?

Im Wesentlichen sehen die Experten zwei große Herausforderungen: Zum einen die unterschiedlichen Firmenkulturen. Das Beispiel Daimler-Chrysler hat gezeigt, dass auch mit großen Vorschusslorbeeren versehene transatlantische Firmenbündnisse scheitern können. Zum anderen ist der hohe Kaufpreis eigentlich nur zu rechtfertigen, wenn der zuletzt schwächelnde Markt für Saatgut und Agrarchemikalien in den nächsten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt. Doch ob dies wirklich zu erwarten ist, darüber sind Branchenkenner durchaus unterschiedlicher Meinung.

Die Übernahme ist also ein Risiko?

Das auf jeden Fall. Aber sie ist auch eine Chance für den Konzern. Denn sie rundet den Umbau von Bayer vom chemisch-pharmazeutischen Mischkonzern zum Spezialisten rund um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ab.

Welche Rolle spielt die Verschuldung?

Die Mega-Übernahme wird die Verschuldung der Leverkusener zumindest kurzfristig kräftig in die Höhe treiben. Angesichts der globalen Niedrigzinsen und eines erwarteten robusten Barmittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft erscheint dies vielen Experten aber tragbar.

Ist die milliardenschwere Übernahmen jetzt endgültig unter Dach und Fach?

Noch nicht ganz. Zwar hat die Monsanto-Führung jetzt eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet, doch auch die Aktionäre von Monsanto müssen dem Geschäft noch zustimmen und sich bereit erklären, ihre Aktien zum von Bayer gebotenen Preis von 128 Dollar je Aktie zu verkaufen. Allerdings gilt dies als sehr wahrscheinlich. Immerhin bedeutet das Angebot einen Aufschlag von 44 Prozent gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden der Bayer-Übernahmepläne. Außerdem müssen die Kartellbehörden noch grünes Licht geben.

Und was sagen die Behörden?

Trotz der schieren Größe dürfte die geplante Übernahme bei den Kartellbehörden auf vergleichsweise wenig Widerstand stoßen. So ist Monsanto vor allem in Amerika stark, Bayer in Europa und Asien, ein Monopol droht dort daher kaum. Nur bei einzelnen Agrargütern wie Mais könnten Überlappungen die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Sie dürften aber wohl nur bei einzelnen Produkten Anpassungen verlangen, erwarten Experten.

Konkret lautet der Vorwurf im Klagetext: Das Monsanto-Board habe einer Transaktion zugestimmt, die den wirklichen Wert des Unternehmens nicht adäquat widerspiegele. Das heißt, die Aktionäre halten den Preis von 128 Dollar pro Aktie für nicht angemessen. Die Boardmitglieder hätten dem Deal nur zugestimmt, um sich den persönlichen Profit zu sichern, der ihnen über Aktienoptionen durch die Übernahme zukomme. So könnte Monsanto-CEO Hugh Grant allein auf diesem Weg mehr als 75 Millionen Dollar im Zuge der Übernahme bekommen.

Dem Board wird vorgeworfen, Informationen über die Transaktion zurückgehalten zu haben. Auch Bayer und die Investmentbanken von Monsanto, Morgan Stanley und Ducera Partners, gehören zu den Beklagten. In einem Statement gab Monsanto am Mittwoch bekannt, man halte die Vorwürfe für unbegründet.

In Branchenkreisen heißt es, die Klage sei als „typische und handelsübliche Aktion der amerikanischen Prozessindustrie einzuordnen“. In den USA haben Sammelklagen eine lange Tradition. Meist ergreifen spezialisierte Kanzleien die Initiativen für solche so genannten Class Actions, mit denen möglicherweise geschädigte Verbraucher oder Aktionäre gegen Unternehmen vorgehen und Schadenersatz verlangen. Wird eine Sammelklage zugelassen und kommt es zu einer Ausgleichszahlung, kann es teuer werden. Denn dann könnten alle Aktionäre eines Unternehmens davon profitieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×