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27.06.2012

11:10 Uhr

Monsanto

Der Konzern, der die Welt vergiftet – oder rettet

VonThorsten Giersch

Kein anderer Konzern spaltet die Meinungen so wie Monsanto: Die einen verteufeln den US-Konzern für seine Gentechnik, die anderen sehen die große Rettung in der Nahrungsmittelkrise. Was stimmt denn nun?

Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen den Agrar-Konzern Monsanto. ap

Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen den Agrar-Konzern Monsanto.

Düsseldorf/WashingtonEin normales Unternehmen wird Monsanto nie sein. Kein zweiter Konzern hat weltweit so viele Gegner. Wenn der US-Konzern heute seine Zahlen vorlegt, werden die Gegner der Gentechnik angesichts der Milliardengewinne wieder Gift und Galle spucken.

Es gibt gute Gründe, warum der Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln, Saatgut und Chemieprodukten die Gemüter so sehr erregt: Es gibt berechtigte Zweifel an der Gesundheit seiner Produkte. Zudem betreibt Monsanto eine Lobbyarbeit, die ihresgleichen sucht. Sie soll die Politik gefügig machen – und das klappt richtig gut. Übrigens auch in Deutschland, wo man sich vordergründig gegen Gentechnik wehrt.

170 Millionen Kinder leiden unter Wachstumsverzögerungen, weil sie nicht genug zu essen haben. Es gibt zig solche Statistiken, die immer dieselbe bittere Wahrheit transportieren: Die Menschheit ist dabei, den Kampf gegen den Hunger zu verlieren. Die Prognosen sind düster: Immer mehr müssen mit knapper werdende Ackerflächen zurechtkommen.

Missbrauch von Agrar-Subventionen

Endlich offengelegt

Lange mussten vor allem Journalisten warten, 2012 dann durften sie endlich erfahren, wer von den Agrar-Subventionen der EU profitiert. Einige besonders skurrile Beispiele …

Subventionen für Nutella

Zu den Empfängern gehört zum Beispiel der Nutella-Hersteller Ferrero – mal abgesehen von der Tatsache, dass Nutella zu 55 Prozent aus Zucker besteht und so mancher Fachmann eher eine Zusatzbesteuerung für solche ungesunde Produkte fordert.

Schalke-Chef

Tierschützer schütteln mit dem Kopf bei dem Gedanken, dass auch Clemens Tönnies Gelder aus dem Subventionstopf erhält. Europas größter Schweinefleischvermarkter – im Nebenjob Chef des Fußballclubs Schalke 04 – gilt nicht gerade als Vorbild für die artgerecht Behandlung von Schweinen.

Adelige

Geld gibt es zudem auch reichlich für blaues Blut: Königin Elisabeth erhält für ihren Landbesitz mehr als 500.000 Euro, aber die Liste lässt sich mit weiteren Aristokraten aus ganz Europa beliebig fortsetzen.

RWE

Auch RWE wird gefördert. Der Versorger gilt zwar nicht als Vorreiter für erneuerbare Energien, aber immerhin war RWE clever genug, ehemalige Braunkohlegruben flugs als landwirtschaftliche Fläche auszuweisen und dafür 600.000 Euro zu kassieren.

Rheinmetall

Der Rüstungskonzern Rheinmetall bekam 2009 immerhin noch 84.000 Euro, weil er einen ehemaligen Schießstand umfunktionierte.

Zigaretten-Hersteller

Ein weiterer Nutznießer ist der Zigarettenkonzern British American Tobacco. Aber was sind die 1,5 Millionen Euro Unterstützung schon im Vergleich zu den 16 Millionen, die die EU jährlich für ihre Werbekampagnen gegen das Rauchen ausgibt?!

Staatlich geförderte Golfspieler und Wassersportler

Immerhin: Ein Durchschnittsbauer bekommt immer noch mehr als der Golfclub Großensee – wenn auch nur wenige hundert Euro. Dagegen „verdiente“ der Wassersportverein Schweriner Außensee 2010 satte 17.000 Euro.

Reiter und Fußballer werden reich

Wenn Pferdezüchter Geld bekommen- warum dann nicht auch die Reiter? Rund 150 Reitvereine und Gestüte bekommen Geld aus dem großen Topf. Und auch ein Fußballclub kommt da mal auf 40.000 Euro.

60.000 Euro für die Akkordeonspieler

Der Subventions-Wahnsinn ist bei weitem keine deutsche Eigenart: Ein schwedischer Akkordeonclub bekam knapp 60.000 Euro, ein dänischer Billardverein schaffte gut 30.000 Euro und der Eiskunstlaufverein Ons Genoegen aus Holland gleich mal 162.000 Euro.

Gentechnik-Firmen wie Monsanto stellen sich gern als Retter der Menschheit dar. Konzernchef Hugh Grant verspricht die Verdoppelung der Ernte-Erträge dank der grünen Gentechnik. Kritiker winken ab und nennen Monsanto den Kopf einer Lebensmittel-Vergiftungsmaschinerie.

Auch in der Politik gehen die Meinungen meilenweit auseinander – selbst innerhalb Europas. Während die EU der Gentechnik mehr Raum einräumen will, stellt sich Deutschland und vor allem Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) quer. Auch der Deutsche Bauernverband vertritt eine klare Meinung: "Für die deutschen Bauern ist Gentechnik keine Option", stellt er klar. Die Verbraucher in Deutschland wollten keine gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmittel. "Das müssen wir akzeptieren", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner.

Firmen mit besonderer Rolle

Monsanto: Der Herrscher

Der US-Konzern kontrolliert fast 90 Prozent des Weltmarktes für gentechnisch veränderte Pflanzen. Zudem besitzt Monsanto den größten Teil der Lizenzen für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Umweltorganisationen sprechen von einem „unerträglichem Maß an Einfluss“, den der Konzern auf die Politik habe.

Bayer/BASF: Steigbügelhalter

Die Chemieriesen aus dem Dax haben mit Monsanto so manchen Deal laufen, der auf Gegenseitigkeit beruht: An den Kooperationen verdienen BASF und Bayer ordentlich. Und im Gegenzug helfen die einflussreichen deutschen Firmen Monsanto zu mehr Akzeptanz in den europäischen Ländern. Sie sollen das Feld für die neue Technologie bereiten.

BioMath: Hilfe für Genehmigungen

Das Dienstleistungsunternehmen verfügt über einen ansehnlichen Kundenstamm, zu dem die Größen der Branche gehören. BioMath erstellt für die Konzerne Freisetzungsanträge und hilft, an Genehmigungen für gentechnisch veränderte Produkte zu kommen.

Myriad Genetics: Patente auf Menschengene

Der US-Konzern handelt mit einem sehr speziellen Produkt: Patente auf Gene von Menschen. Einige Volksstämme in abgelegenen Gebieten sind gegen Krankheiten resistent. Myriad hat sich die Gencodes gesichert und forscht auf eigene Faust mit ihnen. Andere Forscher werden so daran gehindert, genauere und preiswertere Verfahren zu entwickeln.

Die Genossenschaften: Preisdrücker

Die großen Genossenschaften wie die Raiffeisen AG sind mit ihren Milliardenumsätzen zu Riesen der Branche mutiert. Finanziert haben das rasante Wachstum ihre Kunden, die Bauern. Und zwar auch durch niedrige Erzeugerpreise, die ihnen von den Genossenschaften abgepresst wurden.

Die BVL Verlagsgesellschaft: Kontrolle der Medien

Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert auch die Meinungen. Die BVL Verlagsgesellschaft gehört zu 75 Prozent dem bayerischen Bauernverband und die BVL ist wiederrum Mehrheitseigentümer des Landwirtschaftsverlages. Neben vielen vermeintlich objektiv berichteten Fachpublikationen gehört dem Verlag auch die „Landlust“ mit ihrer Millionenauflage. Kein Wunder, dass kritische Berichte kaum gesehen sind und stattdessen idyllische Landwirtschaft.

Lohmann Tierzucht GmbH: Arme Hühner

Das Unternehmen gehört zur Firmengruppe von Erich Wesjohann, dem größten Geflügelzüchter der Welt. Sein Wahlspruch: „Für jede Haltungsform das geeignete Huhn.“ Lohmann genießt beim Umgang mit den Hühnern einen besonders negativen Ruf: kupierte Schnäbel, Federpicken und Kannibalismus. Auch bei der Wesjohann-Tochter Wiesenhof soll es ähnlich zugehen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn deutsche Firmen sind Großabnehmer von Monsantos gentechnisch veränderten Produkten. In Mastfabriken fressen Hühner, Enten, Gänse, Puten, Rinder und Schweine regelmäßig Gen-Soja.

Folgende zwei Zitate belegen, dass es bei Monsanto praktisch nur Schwarz oder Weiß gibt – kein Konzern spaltet die Gemüter stärker: “Niemand ist bisher durch gentechnisch manipulierte Lebensmittel gestorben. Sie retten Millionen Menschen. Wer sich dagegen sträubt, verhält sich selbstsüchtig“, sagt Bestsellerautor und Vordenker Peter H. Diamandis.

Dagegen sagt die Umweltorganisation „Friends oft the Earth“: „In vielen Ländern der Welt hat Monsanto ein unerträgliches Maß an Einfluss auf die nationale und internationale Nahrungs- und Landwirtschaftspolitik gewonnen.“

Global Ideas

Vertical Farming

Global Ideas: Ackerbau 3D - LandVertical farming

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Kommentare (44)

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Trockennasenaffen

27.06.2012, 11:29 Uhr

Mensch (homo sapiens) > Gattung Homo, Familie Menschenaffen, Teilordnung Altweltraffen

Sollte wie alle Primaten und Menschenaffen hauptsächlich Früchte, Blätter, Samen und Nüsse essen. Nur wenig Fleisch und Fisch.
Kohlenhydrate sind in der Nahrungskette der Primaten eigentlich nicht vorgesehen.
Zwar ist der Mensch ein Allesfresser, trotzdem würde es ihm und seinem Körperumfang bedeutend besser gehen, wenn er sich wie unsere gennetisch nächsten Verwandten, die Schimpansen und Gorillas ernähren würde.

Man muss zwischen industriell hergestellten Lebensmitteln und natürlich wachsenden Nahrungsmitteln unterscheiden.
Wir Menschen sollten unbehandelte Nahrungsmittel essen.
Monsanto steht für Chemie und Gift!

vandale

27.06.2012, 11:31 Uhr

Zweck eines Unternehmens ist es weder die Welt zu retten, noch zu zerstören, sondern Geld zu verdienen.

Die moderne Gentechnik erlaubt es die Ernteerträge zu steigern was dem Konzern Umsatz und Gewinn schafft.

Die Gesellschaften ausserhalb Europas denen der Glauben an die Oekoreligion mit ihren CO2 Klimahöllen, dämonischen Atomstrahlen und eben gräuslichen Genkreaturen weniger populär ist, profitieren von den Segnungen der Wissenschaft und Technik.

Sachlich gesehen ist die kontrollierte Gentechnik sehr wahrscheinlich sicherer als die traditionelle Gentechnik bei der sich Arten unkontroliert auf dem Feld kreuzen.

Es ist eine Win-Win Situation für Agrarkonzerne und die Gesellschaften die nicht der rückwärtsgewandten Oekoreligion verhaftet sind.

Vandale

Account gelöscht!

27.06.2012, 11:41 Uhr

Wer die Information über Monsanto in den Medien verfolgt kann nur zu einem Ergebnis kommen:
Monsanto´ist als Unternehmen nicht glaubwürdig, geht "über Leichen".
Monsanto ist abzulehnen, gänzlich !

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