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14.10.2016

12:09 Uhr

Monsanto

Schauprozess gegen das „Böse“

VonBert Fröndhoff , Tim Kröplin

Ausbeutung, Gentechnik und Umweltschäden: Gegen den US-Agrarkonzern Monsanto organisieren Umweltschützer in Den Haag einen symbolischen Gerichtsprozess. Die Anklage lautet auf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Umweltschützer laufen Sturm. Der US-Agrarkonzern hat weltweit mit einem verhältnismäßig schlechten Ruf zu kämpfen. Corbis Historical/Getty Images

Monsanto

Umweltschützer laufen Sturm. Der US-Agrarkonzern hat weltweit mit einem verhältnismäßig schlechten Ruf zu kämpfen.

DüsseldorfFür Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten verkörpert Monsanto alles „Böse“ in der weltweiten Landwirtschaft. Sie machen den US-Konzern verantwortlich für den massenhaften Einsatz von Chemie, für die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen und für die Ausbeutung der Landwirte. Das Unternehmen, das für 66 Milliarden Dollar von Bayer gekauft werden soll, ist für die Aktivisten Hauptzielscheibe im Kampf gegen die industrielle Landwirtschaft.

Am Wochenende erreicht der Protest gegen den US-Konzern einen neuen Höhepunkt. In der niederländischen Stadt  Den Haag wird eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern ein „Monsanto-Tribunal“ abhalten. Die Stadt haben die Organisatoren bewusst ausgewählt.

Dort, wo sonst der Internationale Strafgerichtshof tagt, soll es ein symbolisches „Gerichtsverfahren“ gegen Monsanto geben. Die Anklage lautet öffentlichkeitswirksam auf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Derartige Aktionen ist der amerikanische Konzern gewöhnt. Seit 2013 gibt es jedes Jahr im Mai in verschiedenen Städten weltweit den „Monsanto-March“. Umweltaktivisten aus aller Welt treffen sich zu Protestzügen gegen den amerikanischen Konzern. Die Vorwürfe sind stets dieselben: Monsanto verschleiere die schädlichen Auswirkungen seiner Produkte. Die Bauern in aller Welt würden mit Knebelverträgen an den Konzern gebunden.

Monsanto weist dies stets zurück und fuhr bisher eine distanzierte, manche sagen arrogante Linie in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. Eine perfekte Basis, um sich Feinde zu machen.

Auch die Einladung zum Monsanto-Tribunal in Den Haag hat der Konzern abgelehnt. Am Freitagmittag starten die Organisatoren in Seminarräumen der Erasmus Universität ihre Protestaktion. Am ganzen Wochenende wettern Forscher, Landwirte und Anwälte gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns, gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und die industrielle Landwirtschaft überhaupt.

Ziel des Show-Tribunals: In einem Rechtsgutachten soll auf Basis der 30 Zeugen zusammengefasst werden, welchen „Schaden Monsanto an Umwelt und Gesundheit verursacht“, heißt es bei den Organisatoren. Fünf Rechtsexperten sollen dann ein ebenfalls symbolisches Urteil fällen.

Kommentare (6)

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Frau Annette Bollmohr

14.10.2016, 13:21 Uhr

„Am ganzen Wochenende wettern Forscher, Landwirte und Anwälte gegen die Geschäftspraktiken des US-Konzerns, gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und die industrielle Landwirtschaft überhaupt.“

„Die Vorwürfe sind stets dieselben: Monsanto verschleiere die schädlichen Auswirkungen seiner Produkte. Die Bauern in aller Welt würden mit Knebelverträgen an den Konzern gebunden.“

Und was tut Monsanto, um diese Vorwürfe zu entkräften:

„Monsanto weist dies stets zurück und fuhr bisher eine distanzierte, manche sagen arrogante Linie in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern.“

Sehr überzeugend. Wenn an den Vorwürfen nichts dran sein sollte, dürfte es ja wohl ein Leichtes für den Konzern sein, seinen Gegnern mit transparenter Geschäftspolitik und vor allem: überzeugenden Argumenten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Dass er das nicht tut, lässt daher eigentlich nur einen Schluss zu:

Dass die Vorwürfe begründet und wohl auch berechtigt sind.

Herr Tom Schmidt

14.10.2016, 13:39 Uhr

@Bollmohr
Das sehe ich anders, es kann auch nicht sein, dass ein paar Leute die mit Dreck werfen, automatisch damit rechnen können, ihren Willen zu bekommen. Im Falle von Monsanto möchte ich mich zwar enthalten, da ich nicht im Detail informiert bin.

Allerdings gab es mal vor Jahren den Fall, dass "Aktivisten" Hilfslieferungen von Mais an Hungernde verhinderten, weil es Genmais war. Das ist dann verabscheuungswürdige Ideologie! auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit finde ich als Vorwurf daneben. Wir wissen alle, wofür dieser Vorwurf bisher verwendet wurde!

Herr Helmut Metz

14.10.2016, 13:56 Uhr

Fälschlicherweise nehmen die meisten Leute an, dass "böse" Wirtschaftkonzerne wie Monsanto die "Macht" besäßen, etwa armen Bauern in Drittweltländern "Killersaatgut" aufzudrängen, welches sie Jahr für Jahr auf Neue zu ruinösen Wucherpreisen erwerben müssen.
Dem liegt ein VOLLKOMMEN FALSCHES VERSTÄNDNIS VON MACHT zugrunde.
Nicht Monsanto kann nämlich die "armen Bauern" dazu zwingen, solches Dreckszeug zu kaufen - das können einzig und alleine STAATSSCHERGEN, die diesen Bauern mit HOHEITLICHER, STAATLICHER Gewalt drohen.
In einer wirklich freien Marktwirtschaft hätte der Staat dagegen überhaupt keinen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen. Es käme daher auch nicht zum verhängnisvollen Korporatismus von heute, und Großkonzerne könnten etwa auch nicht Politiker korrumpieren, damit sie ihnen mit Hilfe der Staatsschergen ein Monopol sichern.

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