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18.01.2011

07:00 Uhr

Montblanc

Edle Füller allein reichen nicht mehr

VonMark Christian Schneider

ExklusivMontblanc, Spezialist für Schreibgeräte, will in die Spitzenklasse der Uhrenhersteller aufsteigen und drängt nach China. Denn der Segment luxuriöser Schreibgeräte ist im Vergleich zu edlen Lederwaren, Schmuck und Uhren klein.

Montblanc expandiert DAPD

Montblanc expandiert

HAMBURG. Füllfederhalter des deutschen Unternehmens Montblanc sind ohne Zweifel Statussymbole, besonders in Asien. So trugen chinesische Manager die von Hand gefertigten Schreibgeräte bisher weithin sichtbar als Statussymbol in der Reverstasche. Jetzt werden sie diskreter, der Füller wandert in die Innentasche. Der Beliebtheit der Marke Montblanc tut das allerdings keinen Abbruch.

Und so ist Asiens Aufstieg ein Geschenk für das Hamburger Unternehmen. Die um die Ecke vom HSV-Stadion von Hand gefertigten Luxusfüller und -stifte mit dem weißen Logo auf der Kappe gelten als Zeichen des Erfolgs.

Montblanc-Chef Lutz Bethge nutzt den Auftrieb und baut die Traditionsmarke kräftig aus. Er bietet nun auch mehr Produkte speziell für eine weibliche Zielgruppe an und positioniert die Marke höher. Die deutsche Perle des Schweizer Luxuskonzerns Richemont, zu dem weitere Marken wie Cartier sowie A. Lange und Söhne gehören, putzt sich heraus.

Beim Vertrieb setzt Bethge auf den Ausbau eigener Läden, die das wachsende Sortiment zeigen. Und China, längst Montblancs größter Markt, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. „In China haben wir bereits 100 Boutiquen in 47 Städten und bauen weitere auf. In diesem Jahr werden bis zu fünf Boutiquen dazukommen“, sagte Bethge dem Handelsblatt. Weltweit betreibt das Unternehmen 360 eigene Geschäfte, weitere sind geplant. „Die Marke von 400 Läden dürften wir in den nächsten Jahren knacken“, sagt Bethge.

In den nächsten Monaten startet er in Chinas Hauptstadt Peking eine Marketingoffensive – einen „Concept Store“ auf 1800 Quadratmetern. Ziel ist es, den Chinesen, die Peking besuchen, „drei- bis viermal im Jahr etwas Neues zu bieten“. Im jungen Boommarkt haben die Hamburger erreicht, was Bethge weltweit schaffen will: „Ein Vorteil in China ist, dass wir uns dort von Anfang an als vielfältige, diversifizierte Marke präsentieren konnten“, sagt er.

Wachstum durch teure Uhren

Sein Unternehmen hat in den vergangenen 15 Jahren die Marke breiter aufgestellt, bietet Leder und Schmuck an, lässt in Lizenz Brillen und Düfte herstellen. Das soll die maskuline Marke femininer machen.

Die Konsequenz daraus: Schreibgeräte erwirtschaften heute weniger als die Hälfte des Umsatzes. Als Bethge 1990 bei Montblanc anfing, waren es nahezu 100 Prozent. „Da gab es praktisch nur die schwarze Meisterstück-Serie“, sagt er mit Blick auf den Klassiker von 1906 und seine bis zu 150 000 Euro teuren Ableger. Die Analyse klingt simpel: Montblanc liegt im Segment luxuriöser Schreibgeräte weltweit vorn – doch dieser Markt ist im Vergleich zu edlen Lederwaren, Schmuck und Uhren klein.

Allerdings zieht Bethge eine Grenze. „Eine Modemarke sind wir nicht – und wollen es nicht sein“, sagt er. Angesichts der feinmechanischen Fertigkeiten der Spezialisten am Hamburger Stammsitz, die ihre traditionell aus Gold bestehenden Federn von Hand schleifen, lag dagegen die Erweiterung des Sortiments um teure Uhren nah. Von Nutzen war die Hilfe des Mutterkonzerns Richemont, der Uhrenmarken wie IWC und Piaget besitzt.

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