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11.01.2006

16:02 Uhr

Montblanc wird 100

Vom Füllfederhalter zum Markenjuwel

VonAndré Kühnlenz

Er gilt als eines begehrtesten und teuersten Schreibgeräte der Welt: Der Füller von Montblanc. Angeblich wurde das Sammlerobjekt einst so getauft, weil der Kappenkopf an den höchsten Berg Europas erinnert.

DÜSSELDORF. Er gilt als eines begehrtesten und teuersten Schreibgeräte der Welt: Der Füller von Montblanc. Angeblich wurde das Sammlerobjekt einst so getauft, weil der Kappenkopf an den höchsten Berg Europas erinnert. Die Firma, die ihn herstellt , hat indes mit den Alpen wenig am Hut: Sie stammt aus Hamburg. Heute feiert der Hersteller feiner Schreibgeräte mit einem Festakt in der Hansestadt seinen hundertsten Geburtstag.

Im Jahre 1906 begannen der Schreibwarenhändler Claus-Johannes Voß, der Hamburger Bankier Alfred Nehemias sowie der Berliner Ingenieur August Eberstein Füllfederhalter herzustellen und zu verkaufen. Rund ein dreiviertel Jahrhundert sollten die Gründerfamilien die Geschicke des Unternehmens bestimmen. Die Marke Montblanc tauchte erstmals 1910 auf, als der Füllfederhalter nach einigen Vorgängermodellen unter diesem Namen eingeführt wurde. Seit 1913 ist Montblanc als Marke registriert.

Noch bevor der legendäre „Meisterstück“-Federhalter 1924 auf den Markt kam, waren bereits eigene Montblanc-Geschäfte in mehreren Städten des Deutschen Reichs eröffnet worden. Der Luxusfüller, mit einem Korpus aus Edelharz und platinveredelten Goldfeder hat seit seiner Einführung die Form nicht mehr geändert. Die berühmte Gravur „4810“, tragen die Edelschreibgeräte des Hauses allerdings erst seit 1929 - sie deuten auf die Höhe des gleichnamigen Berges in Frankreich, wie sie damals gemessen wurde.

In den 70er Jahren kam das Unternehmen durch Billigmarken so stark unter Druck, dass es Hilfe von außen benötigte. 1977 eilte Alfred Dunhill aus London, bekannt durch feine Tabakwaren, zu Hilfe, und sprang als Mehrheitsaktionär bei Montblanc ein. 1985 schließlich übernahm Dunhill die restlichen Anteile des Unternehmens. Heute sind die Marken Montblanc wie auch Dunhill im Besitz der Schweizer Richemont-Gruppe, zu der u.a. Cartier und Piaget gehören. Der hinter LVMH zweitgrößte Luxusgüterkonzern der Welt hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,7 Mrd. Euro erzielt. Davon entfielen 208 Mill. Euro auf die Schreibgerätehersteller Montblanc und Montegrappa.

Besonders edel wurden die Füllfederhalter ab 1983 als Versionen mit einem Korpus aus Massivgold, Sterling-Silber und Vermeil als „Solitaire Kollektion“ eingeführt wurden. Der „Solitaire Royal“ schaffte es 1994 mit 4810 Brillanten als teuerster Füllfederhalter der Welt sogar in das Guiness Buch der Rekorde. Das Schreibgerät wechselte für den stolzen Preis von 125 000 Dollar (rund 105 000 Euro) den Eigentümer.

Seit 1992 ehrt das Hamburger Haus in limitierter Auflage wichtige Persönlichkeiten der Kunstgeschichte sowie Schriftsteller. Rund 2500 Mitarbeiter arbeiten derzeit für Montblanc, allein 650 am Stammsitz in Hamburg. Die internationale Expansion begann 1990 mit der ersten Montblanc-Boutique in Hongkong. Dem sollten weitere in Geschäfte in London und Paris folgen. Heute gibt es 260 Boutiquen weltweit und mehr als 9000 weitere Verkaufsstellen.

Aber nicht nur durch neue Geschäfte im Ausland expandiert das Unternehmen. Auch die Produktpalette ist erheblich erweitert worden: Mittlerweile können unter der Marke Montblanc Gegenstände für den Schreibtisch, Uhren, Brillen, Lederwaren, Manschettenknöpfe bis hin zu Schmuck oder Parfum gekauft werden. Machten die Hamburger 1990 noch den gesamten Umsatz mit Füllfederhaltern, fallen heute schon 40 Prozent auf derlei luxuriöse Accessoires.

Die Strategie wurde besonders unter dem Geschäftsführer Norbert Platt forciert, der dafür 2004 mit dem Chefsessel der gesamten Richemont-Gruppe belohnt worden ist. Beim heutigen Festakt in der Hamburger Musikhalle werden eine Reihe von Jubiläumsprodukten vorgestellt.

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