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14.05.2013

12:00 Uhr

Moody's

Siemens' teure Patzer gefährden die Bonität

Wiederkehrende und hohe Abschreibungen auf Großprojekte und der verpatzte Einstieg in das Solargeschäft lassen das Vertrauen in den Mischkonzern Siemens schwinden. Moody's zieht nun die Konsequenz.

Siemens hat bei Großprojekten in der Vergangenheit kein glückliches Händchen bewiesen. dpa

Siemens hat bei Großprojekten in der Vergangenheit kein glückliches Händchen bewiesen.

MünchenDie zahlreichen teuren Schnitzer von Siemens belasten die Kreditwürdigkeit des Konzerns. Die Ratingagentur Moody's senkte ihren Ausblick für die Bewertung der Siemens-Bonität am Dienstag. "Unsere Prognose für Siemens ist nun negativ, da trotz des Sparpogramms die Profitabilität und die Cashflow-Entwicklung 2013 und 2014 schwächer sein dürften als erwartet. Dadurch gerät das 'Aa3'-Rating unter Druck", erklärte Analyst Roberto Pozzi.

Die Änderung der Bonitätsprognose gründe sich auf die wiederkehrenden und hohen Abschreibungen auf Großprojekte und den verpatzten Einstieg in das Solargeschäft, was die finanzielle Leistungsfähigkeit der Münchner bis 2014 unsicher mache.

Die Stärken und Schwächen von Siemens

Solide Kapitalstruktur

Die Finanzschulden sind zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12 im Vorjahresvergleich zwar gestiegen, die Bilanzrelationen bleiben aber solide. So lag die Nettoverschuldung zum 30. September 2012 bei 9,3 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden über dem Vorjahr. Im Verhältnis zum Eigenkapital macht diese nun etwa 30 Prozent aus.

Umweltportfolio wächst

Siemens sieht sich als Weltmarktführer bei Umwelttechnologien. Der Ausbau des grünen Portfolios ist seither eine Kernstrategie von Konzernchef Peter Löscher. Bislang mit Erfolg: Seit dem Geschäftsjahr 2007 ist der Umsatz des Umweltportfolios im Schnitt um 14 Prozent pro Jahr auf zuletzt gut 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 42 Prozent des Konzernumsatzes. Bis 2014 sollen es über 40 Milliarden Euro werden.

Stabile Dividenden

Die Dividenden-Rendite war bei Siemens über lange Jahre bescheiden. Erst Löscher hob die Ausschüttungsquote deutlich an. So können sich die Aktionäre auch in diesem Jahr freuen: Obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss, will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern liegt die Ausschüttungsquote bei 56 Prozent.

Margen bröckeln

Für 2010/11 hatte Siemens ein operatives Rekordergebnis von mehr als neun Milliarden Euro vorgelegt. In Relation zum Umsatz entsprach das einer Rendite von 12,8 Prozent. Halten konnten die Münchener das Niveau nicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte die Marge wieder auf 9,5 Prozent.

Rückläufiger Auftragseingang

Wichtige Konkurrenten wie General Electric wuchsen zuletzt oft schneller, auch weil sie akquisitionsfreudiger waren. Organisch sind kurzfristig bei Siemens keine Wachstumssprünge zu erwarten: Der Auftragseingang, Indikator für die Umsätze von morgen, sank im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Sonderlasten drücken den Gewinn

Probleme mit Großprojekten gelten als typische Siemens-Krankheit. Auch unter Vorstandschef Peter Löscher hat sich daran nicht viel geändert. Ärgerlichstes Beispiel 2011/12: Die Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz. Die Verzögerungen belasten den Konzern bislang mit 570 Millionen Euro. Die Verzögerungen im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto kosten ebenfalls seit Jahren viel Geld. Und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Generation könnte für Siemens laut Branchenschätzungen etwa 100 Millionen Euro teuer werden.

Siemens-Chef Peter Löscher musste bisher fünf mal in seiner sechsjährigen Amtszeit die Jahresprognose kappen, weil mehrere Großprojekte schieflaufen. Neben dem verspäteten Anschluss von Windparks in der Nordsee und der verschobenen Lieferung von ICE- und Eurostar-Zügen belastet auch das verlustträchtige Solargeschäft die Siemens-Bilanz. Nachdem sich für das Segment kein Käufer gefunden hat, musste der Konzern die Verluste wieder auf die Bücher seiner Energie-Sparte nehmen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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na_sowas

14.05.2013, 12:47 Uhr

"Neben dem verspäteten Anschluss von Windparks in der Nordsee und der verschobenen Lieferung von ICE- und Eurostar-Zügen"

Und woran mag das liegen?
Wahrscheinlich an der Einsparungswut von Arbeitsplätzen, was dann irgendwann negativ zuschlägt.

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