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06.03.2012

17:15 Uhr

Mord in Kolumbien

Strafanzeige gegen Nestlé-Topmanagement

VonHolger Alich

Manager des Schweizer Multis Nestlé sollen für die Ermordung eines kolumbianischen Gewerkschafters zur Rechenschaft gezogen werden. Luciano Romero hatte in einer Milchfabrik gearbeitet. Paramilitärs hatten ihn getötet.

Nestlé-Topmanager wurden wegen „fahrlässiger Tötung durch Unterlassung“ angezeigt. ap

Nestlé-Topmanager wurden wegen „fahrlässiger Tötung durch Unterlassung“ angezeigt.

ZürichIst das Topmanagement eines multinationalen Konzerns Nestlé strafrechtlich dafür verantwortlich, was bei Töchtern in fernen Ländern geschieht? Diese Frage will eine Gruppe deutscher Anwälte klären lassen. Sie haben bei der Staatsanwaltschaft in Zug Strafanzeige gegen Nestlé-Topmanager erstattet, darunter Verwaltungsratschef Peter Brabeck. Die Manager seien mitverantwortlich für die Ermordung eines kolumbianischen Gewerkschafters.

Die Anzeige wurde von der Anwaltsgruppe European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) eingereicht. Die Anzeige lautet auf „fahrlässige Tötung durch Unterlassung“. Es geht um die Ermordung des kolumbianischen Gewerkschafters Luciano Romero. Der ehemalige Nestlé-Mitarbeiter wurde 2005 von paramilitärischen Einheiten in Kolumbien mit 50 Messerstichen ermordet.

Romero hatte bis Sommer 2002 in der Milchverarbeitungsfabrik Nestlés Cicolac in Valledupar gearbeitet und vertrat die Arbeitnehmerschaft als Gewerkschafter. Laut der Anwaltsgruppe ECCHR seien in Kolumbien Morde an Gewerkschaftern nichts ungewöhnliches. In Gefahr brachten sich die Arbeitnehmervertreter, weil sie mit Streik drohten und sich damit den Zorn der kolumbianischen Großgrundbesitzer zuzogen; diese sind wichtige Zulieferer der Milchfabrik und wirtschaftlich stark von ihr abhängig. Und die Großgrundbesitzer gelten als eng verflochten mit den paramilitärischen Schlägertrupps.

Die ECCHR wirft nun dem Nestlé-Management vor, es unterlassen zu haben, den ermordeten Ex-Angestellten Romero vor dieser Todesbedrohung beschützt zu haben. „Unabhängig von der formalen Funktion haben die Schweizer Manager Einfluss und Kontrolle auf die kolumbianische Tochter. Daraus ergibt sich nach Schweizer Recht eine Garantenpflichten für die Mitarbeiter“, erläutert Claudia Müller-Hoff, Anwältin der ECCHR, die für die Nestlé-Anzeige verantwortlich ist.

Die Tatsache, dass der Gewerkschafter drei Jahre nach seinem Ausscheiden bei Nestlé ermordet wurde, sei in dem Zusammenhang irrelevant. „Zum einen hatte Romero gegen seine Entlassung auf Wiedereinstallung geklagt “, erklärt ECCHR-Anwalt Wolfgang Kaleck, „darüber hinaus hatte Nestlé nach unserer Rechtsaufassung auch nach seinem Ausscheiden noch nachvertragliche Pflichten zu beachten.“ Dazu zähle der Schutz der Person.

Kommentare (4)

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FinanzHai

06.03.2012, 17:54 Uhr

Der alte Heinrich Nestle würde sich sicher im Grab herumdrehen, wenn er über die Praktiken seiner Firma informiert wäre. Gilt übrigens auch für andere Gründer der heutigen deutschen Global Players...

FinanzHai

06.03.2012, 17:57 Uhr

Pardon, ist natürlich ein schweizer Konzern; für den Sachverhalt jedoch irrelevant.

Aberwitzig

06.03.2012, 18:09 Uhr

Hier geht es nicht darum ob Ihnen der Konzern und seine Geschäfte gefallen, sondern um den völlig abstrusen Gedanken das ein Konzern faktisch auch nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters ein Leben lang für diesen Verantwortlich sein soll... das hat selbst die Stasi kaum geschafft...

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