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11.07.2012

11:43 Uhr

Morgan Stanley in der Kritik

Land zahlte 840 Millionen Euro zu viel für EnBW

VonMartin-W. Buchenau, Jürgen Flauger

Ein Gutachten beleuchtet die fragwürdige Rolle der Investmentbank beim EnBW-Deal. Morgan Stanley wird dabei ein verheerendes Zeugnis ausgestellt: Dem Papier zufolge war der Kaufpreis von 4,67 Milliarden Euro zu hoch.

Dirk Notheis von der Investmentbank Morgan Stanley steht unter Druck. dpa

Dirk Notheis von der Investmentbank Morgan Stanley steht unter Druck.

Stuttgart/DüsseldorfDas Land Baden-Württemberg hat beim Kauf der EnBW-Anteile im Dezember 2010 rund 840 Millionen Euro zu viel bezahlt. Zu diesem Ergebnis kommt nach einem Informationen des Handelsblatts ein von der grün-roten Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. Erstmals gibt es damit eine quantitative Schätzung eines möglichen Schadens für das Land.

Bei dem umstrittenen Einstieg hatte die damalige Landesregierung unter Stefan Mappus (CDU) für ein 45,01-Prozent-Paket 4,67 Milliarden Euro und damit einen Paketaufschlag von 18,6 Prozent an den französischen Stromkonzern EDF bezahlt. Die beim Kauf beratende Investmentbank Morgan Stanley hatte damals den Kaufpreis als angemessen gewertet. Die Wirtschaftsprüfer sehen den Paketzuschlag als „nicht gerechtfertigt“ an, da das Land nicht Mehrheitsgesellschafter wurde. Die Prüfer sehen auch bei den anderen  Bewertungsmethodenarbeit von Morgan Stanley erhebliche Mängel.

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Für den kommenden Freitag sind zwei weitere Investmentbanker von Morgan Stanley vor den Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags geladen. Es geht um den umstrittenen Kauf der Anteile am Energiekonzern EnBW durch die damalige Landesregierung unter Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) im Dezember 2010.

Die Parlamentarier wird vor allem daran interessieren, wie es zu dem Kaufpreis von 41,50 Euro je Aktie oder insgesamt 4,67 Milliarden Euro für den Anteil von 45 Prozent an EnBW kam, den die hochbezahlten Berater des Landes ihrem Auftraggeber als fairen Kaufpreis schmackhaft gemacht hatten.

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Denn die Zweifel an der Beratung durch Morgan Stanley und deren Deutschland-Chef Dirk Notheis, einen engen Freund von Mappus, werden von Sitzung zu Sitzung größer. Neue Argumente liefert den Parlamentariern ein Gutachten, das die grün-rote Landesregierung im Mai bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton in Auftrag gegeben hat und das jetzt dem Handelsblatt vorliegt. Fazit: 840 Millionen Euro hat die Landesregierung zu viel bezahlt.

Mit dem Gutachten hat die Landesregierung nun erstmals eine quantitative Analyse des Kaufpreises in der Hand, um mögliche Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Die Übernahmeexperten stellen Morgan Stanley und deren Unternehmensbewertung ein verheerendes Zeugnis aus: "Eine Übernahmeprämie (18,6 Prozent über Aktienkurs) der EnBW war nicht gerechtfertigt, weil keine Mehrheitsbeteiligung und auch keine Interessenkoordination mit dem zweiten Großaktionär OEW vorlag und zudem aussagegemäß keine langfristige Kontrollabsicht bestand", heißt es in der gutachterlichen Stellungnahme.

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Kommentare (6)

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11.07.2012, 12:01 Uhr

Morgan Stanley hat doch genügend Geld, holt es euch dort!

svebes

11.07.2012, 12:14 Uhr

was ist jetzt eigentlich mit Mappus? Hat er schon einen schönen warmen Sessel in Brüssel? Schliesslich muss er ja auch mal an seine Rente denken.

joe

11.07.2012, 13:33 Uhr

die frage ist jetzt eigentlich: schafft es ot/grün mit enbw ein vorzeigeunternehmen der energiewende zu schaffen - oder war alles nur gerede.
das gutachten eröffnet nur scheingefechte, um vom eigentlichen problem abzulenken.
Das Gutachten ist nutzlos, da
1.: jeder gutachter schreibt nur das, was der auftraggeber sagt
2.: die entscheidung im nachgang bei diesen weitreichenden verwerfungen in der energiewirtschaft konkret zu kritisieren ist wissenschaftlich haltlos

darauf jetzt bestrafungsdebatten loszutreten ist ein zeichen der volksverdummung.

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