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28.10.2015

10:56 Uhr

Morning Briefing

VW-Chef muss vor Merkel aussagen

VonGabor Steingart

Angela Merkel möchte direkt vom VW-Chef Matthias Müller über die internen Ermittlungen zum Dieselgate informiert werden. Doch der Schatten der Ära Winterkorn fällt tief. Was heute sonst noch wichtig ist.

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

Liebe Leserinnen und Leser,
aufgrund einer Computerpanne bei unserem Dienstleister kann das Morning Briefing auch heute früh leider nicht wie gewohnt per Mail verschickt werden. Wir bitten die Probleme zu entschuldigen – und wünschen Ihnen daher von dieser Stelle aus einen guten Tag.

CSU-Chef Horst Seehofer hat seine Rolle gefunden. Immer aggressiver knüpft er sich die Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik vor. Er fordert, er droht und gestern setzte er Angela Merkel erstmals auch ein Ultimatum. Wie im Laborexperiment können wir hier die Wirkungsmechanismen der Parteipolitik studieren: Ungelöste Sachfragen oxidieren im öffentlichen Reizklima schnell zu Machtfragen.

Europa kann auch Erfolgsgeschichten schreiben. Eine davon spielt auf Zypern. Während Griechenland sich noch immer auf der Intensivstation befindet, genießt Zypern nach drei Jahren der Rezession wieder Wachstum. Das Reformprogramm der Troika sei „ein Erfolg“, schreiben die Kontrolleure von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in ihrem jüngsten Bericht. Die Haushaltsziele: übertroffen. Ein Anschlusskredit: überflüssig. Das Vertrauen der Investoren: zurückgekehrt. Vielleicht sollte sich die Regierung aus Athen für vier Wochen in Nikosia zum Praktikum einquartieren. Hier können Sie die ganze Geschichte als Premium-Artikel lesen.

Die deutschen Betriebe suchen händeringend nach Arbeitskräften; so groß war der Personalbedarf zuletzt vor vier Jahren. Das zeigt das exklusiv für unsere Zeitung berechnete Ifo-Beschäftigungsbarometer. Wir lernen: Die Lage in Deutschland ist besser als die Stimmung. Hier können Sie die ganze Geschichte als Premium-Artikel lesen.

Um 15 Uhr startet Angela Merkel mit dem Regierungsflieger zum Staatsbesuch nach China. Begleitet wird sie unter anderem vom neuen VW-Chef Matthias Müller, der in China seinen größten Kunden besucht. Aus erster Hand möchte Merkel über den Wolken von ihm über die internen Ermittlungen zum Dieselgate informiert werden. Im Kanzleramt interessiert man sich vor allem für zwei Fragen: Welche Auswirkungen hat die Krise für die Jobs? Und: Was wussten Piëch und Winterkorn?

Bevor das Team Merkel/Müller abhebt, musste er Journalisten und Analysten Rede und Antwort stehen und die schlechten Quartalszahlen erklären: Wegen der Rückstellungen nach dem Diesel-Skandal fiel im dritten Quartal ein Verlust vor Steuern und Zinsen von 3,5 Milliarden Euro an. Für VW ist das der erste Quartalsverlust nach 15 Jahren. Müller hat zwar die Diesel-Affäre nicht zu verantworten, aber er muss sie bewältigen. Der Schatten der Ära Winterkorn fällt tief.

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve wird heute über die Zinspolitik in den USA sprechen, aber voraussichtlich die Trendumkehr erneut verschieben. Seit 2008 befindet sich der US-Leitzins auf einem Niveau nahe null. Die negativen Konjunkturdaten aus den Schwellenländern und das eher verhaltene Wachstum in den USA haben den Notenbankern den Mut geraubt. So stehen sie denn auf der untersten Stufe der Zinstreppe - und trauen sich nicht hinauf.

Im DFB-Korruptionsskandal wird es immer unappetitlicher. Erst beschuldigt der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger - unter Berufung auf Günter Netzer - den heutigen DFB-Präsidenten Niersbach, eine schwarze Kasse geführt und die Fifa bestochen zu haben. Jetzt bezichtigt Netzer seinerseits Zwanziger der Lüge, was dieser postwendend als Unwahrheit zurückweist. Wer in diesem Spiel der Schurke ist, lässt sich mit Gewissheit noch immer nicht sagen. Nur so viel scheint klar: Der Ball ist nicht mehr rund.

Ich wünsche Ihnen einen sportlichen Einstieg in den neuen Tag.
Herzlichste grüßt Sie Ihr
Gabor Steingart
Herausgeber

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