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14.05.2013

16:40 Uhr

Nach ARD-Dokumentation

Daimler rüffelt Undercover-Reporter

Daimler ist aufgebracht wegen einer Reportage über Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Mercedes. Der Konzern weist die Kritik zurück und vermisst den „fairen und professionellen Umgang“ mit der Redaktion des SWR.

Mercedes-Stern auf einem Werksdach. Reuters

Mercedes-Stern auf einem Werksdach.

DüsseldorfDer Autokonzern Daimler weist Vorwürfe einer ARD-Dokumentation über die vermeintlich unzulässige Anstellung von Leiharbeitern zurück. Die Vorwürfe seien umgehend und sorgfältig geprüft worden. Teile des Films, für den der SWR-Reporter Jürgen Rose zwei Wochen im Stammwerk Untertürkheim gearbeitet hatte, seien „fingiert“. Außerdem träfen Vorwürfe einer unsauberen Abgrenzung der Arbeiten von Daimler-Mitarbeitern und per Werkvertrag beschäftigten Dienstleistern nicht zu.

Am Montagabend hatte die ARD eine 45-minütige Reportage des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) ausgestrahlt (hier in der ARD-Mediathek zum Abruf). Darin wird der Vorwurf erhoben, dass der Autokonzern über Subunternehmen Mitarbeiter zu Löhnen beschäftige, die ein Hartz-IV-Aufstocken möglich machen. Damit werde die Produktion des Luxusherstellers durch Steuergelder querfinanziert.

Der Reporter hatte bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, war dann an ein Logistikunternehmen ausgeliehen worden und von diesem bei Daimler eingesetzt worden. Dem Bericht zufolge habe er gleiche Arbeiten wie Daimler-Mitarbeiter ausgeführt und sei von diesen angeleitet worden. Ein Arbeitsrechtler beurteilt diese Praxis in der Dokumentation als illegal.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Der Automobilkonzern reagiert scharf: „Daimler hält die Vorgehensweise der SWR-Redakteure für überaus fragwürdig“, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme. Sie entspreche „in keiner Art und Weise dem fairen und professionellen Umgang zwischen SWR und Daimler, der in der Vergangenheit zwischen beiden Organisationen praktiziert wurde.“ Ein Sprecher formuliert es gegenüber Handelsblatt Online so: „Man kennt sich und man schätzt sich.“ Im aktuellen Falle hätten die Journalisten aber „zu keinem Zeitpunkt mit offenen Karten gespielt“.

Der Reporter hatte „undercover“ im Werk gearbeitet – also ohne das Unternehmen darüber zu informieren. Die Filmaufnahmen auf dem Gelände erfolgten ohne eine eigentlich erforderliche Genehmigung. Ob dagegen auch juristisch vorgegangen werde, wollte der Sprecher nicht sagen. Es gelte die Stellungnahme und „alles Weitere wird sich zeigen“.

Für 8,19 Euro pro Stunde arbeitete der Journalist an einem Band und musste Motorenteile für den Transport nach China verpacken. Sein monatlicher Bruttolohn von 1.220 Euro habe fast nur ein Drittel von dem betragen, was eine zumindest zeitweilig an gleicher Stelle arbeitende Daimler-Mitarbeiterin verdient habe.

Kommentare (47)

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wolfi

14.05.2013, 16:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

qay912

14.05.2013, 16:40 Uhr

Na klar- der HR hat die Daimlerfabrik nachgebaut und alles ist gestellt- nur die Aussagen von Zetsche bei der HV nicht.

Kowalski

14.05.2013, 16:44 Uhr

Einen„fairen und professionellen Umgang“ den vermissen viele Leih- und Mitarbeiter von Werksverträgen auch.

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