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04.04.2013

17:25 Uhr

Nach Aufsichtsrat-Querelen

Daimler glaubt an Aufholjagd

Die Daimler-Investoren behalten laut Finanzchef Bodo Uebber trotz des Eklats im Aufsichtsrat ihre Zuversicht. Man interessiere sich nicht für Personalien, auf die Strategie käme es an.

Die Daimler Konzernzentrale in Stuttgart. Die jüngsten Querelen im Daimler-Aufsichtsrat haben nach Ansicht von Finanzchef Bodo Uebber die Aktionäre des Autobauers nicht abgeschreckt. dpa

Die Daimler Konzernzentrale in Stuttgart. Die jüngsten Querelen im Daimler-Aufsichtsrat haben nach Ansicht von Finanzchef Bodo Uebber die Aktionäre des Autobauers nicht abgeschreckt.

StuttgartDie jüngsten Querelen im Daimler-Aufsichtsrat haben nach Ansicht von Finanzchef Bodo Uebber die Aktionäre des Autobauers nicht abgeschreckt. "Auf der jüngsten Roadshow war der weit überwiegende Teil der Investoren an unserer Strategie und unseren Absatzzielen interessiert", sagte der Finanzvorstand der Nachrichtenagentur Reuters einem am Donnerstag veröffentlichten Interview in Stuttgart. "Viele Investoren sind davon überzeugt, dass unsere Strategie greifen wird." Im Aufsichtsrat des Autobauers war es im Februar zu einem Eklat über die erneute Bestellung von Dieter Zetsche als Vorstandschef gekommen. Die Arbeitnehmerseite hatte durchgesetzt, dass sein Vertrag nur um drei statt der üblichen fünf Jahre verlängert wurde.

Uebber, dessen Vertrag bis Ende kommenden Jahres läuft, will Daimler nach dem Rückgang des operativen Gewinns im vergangenen Jahr mit zahlreichen neuen Pkw- und Lkw-Modellen sowie Sparprogrammen über vier Milliarden Euro bis 2015 auf Rendite trimmen. "Die Grundlage für erfolgreichere Jahre 2014 und 2015 haben wir mit der Erneuerung der Produktpalette gelegt", sagte er. Daimler werde damit neue Kundengruppen und neue Fahrzeugsegmente erobern. Die neuen Pkw und Lkw leisteten "positive Beiträge zum Umsatz und zum Cashflow", ist der Finanzchef überzeugt.

Am Kapitalmarkt werden durchaus Zweifel an der Daimler-Strategie laut: Seit dem Eklat im Aufsichtsrat Mitte Februar hinkt der Aktienkurs von Daimler nicht nur der Entwicklung des DAX hinterher, sondern auch den Kursnotizen des Wettbewerbers BMW sowie dem europäischen Branchenindex. Die Schwaben haben aus Investorensicht vor allem beim Cashflow Nachholbedarf, der 2012 mit knapp 1,5 Milliarden Euro nur einen Bruchteil der von Konkurrent BMW hereingeholten Summe umfasste. Daimlers Pkw-Sparte war einst unangefochtener Marktführer in der Oberklasse, mittlerweile rangiert die Marke Mercedes-Benz bei Absatz und Rentabilität hinter BMW und Audi. Selbst der koreanische Pkw-Hersteller Hyundai fährt den Schwaben mit einer höheren Ertragskraft voraus. Auch bei Trucks kann Daimler seine Größenvorteile gegenüber kleineren Konkurrenten wie Volvo bisher nicht ausspielen.

Das ist die Aktionärsstruktur von Daimler

Weitgehend im Streubesitz

Anders als bei Konkurrenten wie Volkswagen oder BMW befinden sich die Aktien des Autobauers Daimler weitgehend im Streubesitz. Dritte könnten so leichter die Macht übernehmen.

Kuwait größter Investor

Nach dem Ausstieg des arabischen Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi ist Kuwait Daimlers größter Investor - mit 7,6 Prozent direktem Anteilsbesitz. Renault und Nissan besitzen jeweils 1,54 Prozent des Aktienpakets.

Institutionelle Investoren halten größten Anteil

Den größten Anteil halten institutionelle Investoren wie Banken mit insgesamt 68,8 Prozent. Private Aktionäre sind mit 20,5 Prozent an Daimler beteiligt.

Ankerinvestoren bei anderen Autoherstellern

Andere deutsche Autobauer haben solide Ankerinvestoren: BMW hat die Familie Quandt im Boot, die fast die Hälfte der Papiere besitzt. Europas größter Autobauer Volkswagen etwa ist über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen abgesichert.

Bei der Aufholjagd, die Daimler bis spätestens 2020 wieder in die Spitzenposition bei Pkw und Lkw bringen soll, muss der Konzern neben den Investoren auch die rund 275.000 Beschäftigten mitnehmen. Die Arbeitnehmerbank im paritätisch besetzten Aufsichtsrat hatte dem 59-jährigen Konzernchef Zetsche jedoch zuletzt die Gefolgschaft verweigert und seiner erneuten Bestellung bis Ende 2016 nur unter einer Bedingung zugestimmt: Truck-Chef Andreas Renschler und Mercedes-Produktionschef Wolfgang Bernhard mussten zu Monatsbeginn ihre Posten tauschen. Diese Rochade im Vorstand spielte nach Uebbers Worten bei den jüngsten Investorengesprächen nur am Rande eine Rolle. Der Fokus darauf schwinde mit zunehmender Entfernung von Europa, sagte der 53-jährige, der nach Einschätzung von Insidern neben Renschler und Bernhard als Aspirant auf die Nachfolge von Zetsche gilt.

"Wir wollen uns bei der Profitabilität kontinuierlich verbessern", versprach der Manager wenige Tage vor der für Mittwoch angesetzten Hauptversammlung von Daimler in Berlin. "Am Ende werden unser Umsatzwachstum und die Effizienzprogramme dafür sorgen, dass wir aufholen." Ziel seien weiterhin zehn Prozent operative Rendite bei Pkw und acht Prozent bei Trucks. Wann Daimler diese Marken erreichen will, ließ Uebber offen. Angepeilt war eigentlich das Jahr 2013, Konzernchef Zetsche hatte diese Zielmarken aber im vergangenen Herbst im Zuge der sich zuspitzenden Autokrise in Europa einkassiert. Das Absatzziel bekräftigte Uebber: 2015 soll Mercedes-Benz mehr als 1,6 Millionen Pkw verkaufen, 2012 waren es 1,3 Millionen Autos.

Einer der Eckpfeiler in Daimlers Strategie ist eine deutliche Beschleunigung der Verkaufszahlen in China, wo die Schwaben jüngst ihre zwei konkurrierenden Vertriebsorganisationen zusammenlegten. Zu Jahresbeginn kaufte sich Daimler zudem - als erster westlicher Autobauer - beim chinesischen Partner BAIC ein, einem staatlich kontrollierten Fahrzeughersteller, der an die Börse strebt. Die Chinesen können mit umfangreicher technischer Hilfe aus Stuttgart rechnen: "Mit jeder Unterstützung, die wir bei BAIC leisten können, wird der Wert unserer Beteiligung weiter steigen", lautet Uebbers Kalkül.

Im Rahmen der vereinbarten Kooperation könnten die Chinesen demnächst Zugriff auf einzelne Fahrzeug-Komponenten oder sogar ganze Plattformen von Mercedes bekommen. Endgültige Festlegungen gebe es dazu derzeit aber noch nicht, sagte der Manager. Vorbild dürfte die Kooperation von Daimler mit dem chinesischen Elektroautobauer BYD sein: Das Ende des Jahres in China auf den Markt kommende Elektroauto Denza nutzt die Plattform des früheren Mercedes-Kompaktmodells B-Klasse.

Von

rtr

Kommentare (2)

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aktionaer

04.04.2013, 18:09 Uhr

hmm, wenn man sich das so ansieht, wie Daimler alle Negativ-Rekorde schlägt, solte man wohl echt shorten.

Wenn sich jetzt noch die Oberen zoffen, sollte man dran denken, dass der Fisch IMMER am Kopf mit dem Stinken anfängt.

Danke HB, ich gehe Daimler Short

Account gelöscht!

05.04.2013, 01:41 Uhr

Wenn sich ein Unternehmen nicht massiv dagegen wehrt, dass die Gewerkschaften den besten Manager den es hat, namens Bernhardt nicht an sie Spitze läßt, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn sie bald nur noch die dritte Geige spielen. Wenn sich nicht gravierendes ändert, zieht auch Audi irgendwann vorbei.

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