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11.10.2013

10:54 Uhr

Nach Auftragsverlust

Boeing ändert die Verkaufsstrategie

Der Verlust von Japan Airlines als Kunden hat Boeing nachhaltig erschüttert. Das Unternehmen reagiert prompt und will nun Verkaufs- und Marketingstrategie neu aufstellen. Dies geht aus einem internen Memo hervor.

Vom Traum zum mittelschweren Trauma: Boeing überdenkt nach den „Dreamliner“-Patzern die Verkaufsstrategie. Reuters

Vom Traum zum mittelschweren Trauma: Boeing überdenkt nach den „Dreamliner“-Patzern die Verkaufsstrategie.

New YorkBoeing verordnet sich nur wenige Tage nach dem Verlust eines Großauftrags an den Rivalen Airbus einen Umbau. Die Europäer haben mit einer 9,5 Milliarden Dollar schweren Bestellung von Japan Airlines (JAL) nach langem Bemühen einen Fuß in den von Boeing beherrschten japanischen Markt bekommen. Boeing ändert nun seine Strategie für das Geschäft mit zivilen Flugzeugen und baut das Marketing um - das geht aus einem Memo von Spartenchef Ray Conner von Donnerstag hervor, das Reuters vorlag. Zuvor hatte schon das Flaggschiff-Modell Dreamliner dem amerikanischen Flugzeugbauer eine Reihe von Pannen eingebrockt.

Analysten ziehen eine Verbindung zwischen dem Umbau und der Order von JAL. „Möglicherweise wäre das nicht passiert, wenn sie JAL gewonnen hätten“, sagte Ron Epstein, Analyst bei der Bank of America Merrill Lynch. Ein Boeing-Sprecher widersprach: die beiden Ereignisse seien unabhängig voneinander. Spartenchef Conner erklärte, der Umbau hänge zusammen mit dem Rückzug des Boeing-Veterans Mike Bair im November. Er ist für Marketing und Strategie zuständig.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Airbus hatte am Montag die Boeing-Vormachtstellung im wichtigen japanischen Markt gebrochen. JAL (JAL) orderte 31 Airbus-Flugzeuge des Typs 350 und gab diesen damit den Vorzug gegenüber der Boeing 777x, eine Weiterentwicklung des Erfolgsmodells 777, das in Japan anders als etwa in Europa auf vielen Inlandsstrecken eingesetzt wird.

Boeing kämpft mit einer Pannenserie bei seinem Prestigeflugzeug Dreamliner, das viel später auf den Markt kam als geplant. So mussten in diesem Jahr alle 787 über Monate am Boden bleiben, weil Akkus in zwei Maschinen in Brand geraten waren. Erst am Vortag war wegen einer Störung in der Toilettenanlage ein 787 Dreamliner der Japan Airlines umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. Der Billigflieger Norwegian Air Shuttle schickte am Mittwoch auch seine zweite 787 wegen mehrerer technischer Probleme in die Werkstatt. Bair war anfangs für die Entwicklung des Dreamliner verantwortlich. Als es aber 2007 zu Verzögerungen kam, wechselte er in seine jetzige Position.

In der neuen Struktur werden die Marketingaufgaben von Bair in das Verkaufsteam verlagert und von Marketing-Vizepräsident Randy Tinseth verantwortet. Strategie- und Entwicklungsthemen werden an das Finanzteam übertragen.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

11.10.2013, 12:20 Uhr

Den Pfusch am Bau will man nun mit dem Umbaut des Marketing beheben.?
Hilfe!!!!!!!!!!!!

tuco

11.10.2013, 13:18 Uhr

fühle mich sicherer in einer uralten boeing als in einem neuen airbus. airbus ist europäischer junk !

Muganperoni

11.10.2013, 13:20 Uhr

Der Artikel ist nur heiße Luft, um die Aktionäre bei Laune zu halten. Hier steht nicht, was Boeing nun beim Vertrieb und bei der Strategie umbauen will. Die einzige Strategie kann ja nur sein, die Qualität wieder auf ein höheres Niveau zu bringen. Und der Vertrieb wird wohl als Neuausrichtung nur das Thema "Pünktliche Auslieferung" angehen können. Und das hängt natürlich wiederum von der richtigen Planung und der termingerechten Fertigung ab. Leider lügt der Vertrieb in vielen Branchen gerne mal die Liefertermine ein bisschen nach unten und vertröstet die Kunden dann monatelang mit "wir liefern in Kürze". Um solche Probleme zu lösen, muss man die komplette Firma neu aufstellen. Wenn von der Fertigung immer unmöglicheres verlangt wird, kommt spätestens am überfälligen Auslieferungstermin das ans Licht, was die Abteilungsverantwortlichen wahrscheinlich schon von Anfang an gesagt haben. Dass es einfach nicht zu schaffen ist. Aber Bosse verschließen gerne mal die Augen vor der Realität.

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