Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2011

18:43 Uhr

Nach Aus für Akw

Blackout-Drohung der Atomlobby wackelt

VonCarina Kontio

Der abrupte Atomausstieg sorgt noch nicht für höhere Stromimporte: Per Saldo hat Deutschland im ersten Halbjahr mehr Strom exportiert als importiert - das bringt die Blackout-Drohungen der Atomlobby ins Wanken.

Stromimporte schnellen nach Akw-Aus nach oben - im Vorjahresvergleich. dpa

Stromimporte schnellen nach Akw-Aus nach oben - im Vorjahresvergleich.

Düsseldorf/WiesbadenDeutschland verkauft noch immer mehr Strom als es einkauft: Die Tendenz ist zwar fallend, aber auch im ersten Halbjahr 2011 hat Deutschland per Saldo mehr Strom exportiert als importiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 23,9 Terrawatt-Stunden (TWh) über die europäischen Stromnetze nach Deutschland eingeführt. Im gleichen Zeitraum führte Deutschland 27,9 TWh aus.

Seit dem Abschalten der alten Atomkraftwerke (AKW) hatten die Lobbyisten der großen Energiekonzerne die Bundesregierung unter Druck gesetzt. Ohne Atomkraft würden Deutschland steigende Strompreise drohen, aus den Nachbarländern müsse mehr Atomstrom importiert werden und sogar Blackouts könne man nicht mehr ausschließen. Den Zahlen der Statistiker zufolge bringt der Atomausstieg Deutschland nun aber doch nicht in Not - auch wenn im Vergleich zu 2010 unterm Strich mehr importiert wurde.

Vattenfall: Energiewende soll 200 Milliarden Euro kosten

Vattenfall

Energiewende soll 200 Milliarden Euro kosten

Die Energiewende soll 200 Milliarden Euro kosten, sagt der Europa-Chef von Vattenfall.

So lag die Einfuhrmenge im ersten Halbjahr 2010 noch bei 19,1 TWh. Demgegenüber sank die Ausfuhrmenge, im Vorjahreszeitraum lag sie bei 30,0 TWh. Der Überschuss in der Handelsbilanz verkleinerte sich von 10,9 TWh im ersten Halbjahr 2010 auf 4,1 TWh im ersten Halbjahr 2011.

Allerdings erklären Umweltschützer die gestiegenen Stromimporte vielmehr mit der Reaktion der Strommärkte, die sich immer mit dem günstigsten Strom versorgen, "und der kann zeitweise auch verstärkt von Atomkraftwerken aus Frankreich kommen", sagte Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace vor kurzem gegenüber Spiegel Online.

Die größten Strommengen wurden aus den beiden Nachbarländern Frankreich (10,4 TWh) und der Tschechischen Republik (5,6 TWh) eingespeist. Schon am vergangenen Sonntag berichtete der Focus unter Berufung auf Daten der Lobbyisten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass die Stromeinfuhren stark angestiegen sind. Doch auch wenn die Energiemanager ein anderes Szenario verbreiten - Deutschland bleibt unterm Strich Netto-Stomexporteur. Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums erklärte schon vor Wochen, dass bereits vor dem Moratorium Strom aus Frankreich importiert worden ist. Gegenüber Spiegel Online widersprach sie der Darstellung, dass Deutschland insgesamt ein Netto-Stromimporteur geworden sei.

So liefert Deutschland auch nach dem Atom-Aus weiterhin Strom ins Ausland. Die beiden wichtigsten Abnehmer für Strom aus Deutschland waren die Alpennachbarn Österreich (7,8 TWh) und Schweiz (7,6 TWh). Eine Terrawatt-Stunde entspricht 1.000.000.000 Kilowattstunden (KWh). "Die Zahlen zeigen, dass man trotz Abschaltung zahlreicher Atomkraftwerke noch mehr Strom in Deutschland herstellt als verbraucht wird", sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher gegenüber Handelsblatt Online.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.09.2011, 19:13 Uhr

Na klar, das 1. Halbjahr besteht aus zwei Vierteljahren. Davon das erste vor und das zweite nach Fukushima. Die Exporte fanden überwiegend im 1. Vierteljahr, die Importe überwiegend im 2. statt, jetzt ist es ganz klar.
Mit Statistik kann man bekanntlich alles beweisen. Die Preise an der Strombörse sprechen eine andere Sprache.

pro_Atom

21.09.2011, 07:13 Uhr

So ein Quatsch!! Die Meiler wurden ja erst Ende März vom Netz genommen. Von Januar bis Ende März ist der Export natürlich so groß gewesen, dass "per Saldo" mehr Strom exportiert worden ist. Aber seit April ist der Import größer als der Export. Hier wird mal wieder gekonnt alles verharmlost. Jeder Bürger kann dies unter Entsoe.net nachschauen. Da braucht man kein Statistisches Bundesamt!

JosefSpitz

21.09.2011, 09:06 Uhr

Es ist schon interessant, wie das Handelsblatt inzwischen zum Propagandaarm von Greenpeace verkommen ist. In dieser neuen Rolle ist es offenbar nicht mehr in der Lage, einen sinnvollen Artikel über die Stromversorgung in D nach dem Atomausstieg zu verfassen.
Strommengen allein, liebes Handelsblatt, besagen garnichts! Bei der Versorgungssicherheit geht es nicht um Mengendeckung, sondern um Bedarfsdeckung. Wenn es windet und die Sonne scheint, haben wir Strom ohne Ende und wissen nicht, wohin damit. Den verscherbeln wir dann fast umsonst ins Ausland. Wenn es aber nicht windet und keine Sonne scheint, müssen wir im Ausland teuer zukaufen. Unsere Nachbarn sind weder willens, noch in der Lage, auf Dauer für uns den Ausputzer zu spielen und dass es deshalb in Zukunft zu kritischen Situationen kommen kann, das bestreitet inzwischen ausser Greenpeace kein Mensch mehr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×