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01.08.2013

09:14 Uhr

Nach Beitz' Tod

Nachfolgesuche bei der Krupp-Stiftung

VonMartin Murphy

Die Krupp-Stiftung ist das Herz von Thyssen-Krupp. Von hier aus zog Berthold Beitz seine Fäden. Nach dessen Tod stellt sich nun die Frage, wer Nachfolger wird. Ein Medienmann dementiert, gute Chancen zu haben.

Fritz Pleitgen (l.) mit Berthold Beitz: Der ehemalige ARD-Vorsitzende könnte bei der Krupp-Stiftung die Nachfolge des verstorbenen Patriarchen antreten. dpa

Fritz Pleitgen (l.) mit Berthold Beitz: Der ehemalige ARD-Vorsitzende könnte bei der Krupp-Stiftung die Nachfolge des verstorbenen Patriarchen antreten.

DüsseldorfImmer wenn der Industriekonzern mit Milliardenverlusten oder neuen Skandalen Schlagzeilen macht, ist es die Essener Villa Hügel, auf die sich die Blicke der Mitarbeiter und Aktionäre richten. Am alten Stammsitz der Krupp-Familie hat die Alfried Krupp von Bohlen-und Halbach-Stiftung bei ihrer Gründung 1968 Quartier bezogen.

Dorthin ließ sich der Stiftungsvorsitzende Berthold Beitz täglich chauffieren. Mindestens zwei Stunden widmete er sich in einem Nebengebäude des mächtigen Haupthauses der Arbeit. Ihm ging es um den Erhalt des Krupp-Erbes. Neben der ideellen Seite ist dies die heutige Thyssen-Krupp AG, an der die Stiftung mit 25,3 Prozent beteiligt ist. Sie ist damit größter Aktionär und stellt drei Mitglieder der Aufsichtsrats.

Mit der Einbringung des Unternehmens in die Stiftung wollte Alfried Krupp als letzter Vertreter der Dynastie verhindern, dass die Firma bei einem Machtkampf in der Familie untergeht.

Diesen Einfluss hat die Krupp-Stiftung auf den Konzern

Größter Einzelaktionär

Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Kruppstiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet. Heute hält sie 25,3 Prozent am Dax-Konzern Thyssen-Krupp und ist damit größter Einzelaktionär. Neben der Förderung von Kultur, Wissenschaft und sozialen Projekten hat die Stiftung auch den Satzungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren.

Vertreter im Aufsichtsrat

Mit ihrer Sperrminorität ist die Stiftung auch ein Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Seit 2007 nutzt die Stiftung außerdem mit Billigung einer Hauptversammlungsmehrheit die gesetzliche Möglichkeit, drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden.

„Stahl-Festung“

Wenn die zehn Arbeitnehmervertreter und die Stiftungsentsandten sich einig sind, können sie mit zusammen 13 von 20 Stimmen im Aufsichtsrat Angriffe abwehren oder doch deutlich erschweren. Das „Manager Magazin“ nannte die Konstruktion eine „Stahl-Festung“. Eine Aktionärsklage dagegen wurde in zwei Instanzen abgewiesen, und der Bundesgerichtshof lehnte eine Revision ab. Vergeblich argumentierte der Kläger, dass das Mehrheitsprinzip verletzt werde.

Sitz in Villa Hügel

Angesichts des hohen Aktienanteils und des zusätzlichen Entsenderechtes verfügt die Kruppstiftung de facto über erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern. Ihren Sitz hat die Stiftung an historischer Stelle: Im Park gegenüber der Villa Hügel, die bis 1945 Wohnsitz der Krupp-Familie war.

Der Einfluss auf den Konzern soll nicht Selbstzweck sein. Die Stiftung ist ein wichtiger Förderer für Kultur, Sport und Wissenschaft. Seit ihrer Gründung hat sie mehr als 615 Millionen Euro dafür aufgewendet. Finanziert wird die Stiftung durch Dividendenzahlungen von Thyssen-Krupp, die in den vergangenen Jahren jedoch immer niedriger ausfielen. Nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr fiel die Ausschüttung sogar ganz aus. Wirtschaftlich darben muss die Stiftung aber nicht, da sie Rücklagen hat, mit denen sie ihre laufenden Förderprojektebestreiten kann.

Wer nun Beitz nach dem Weggang des ehemaligen Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme folgen wird, ist offen. Insider räumen Fritz Pleitgen gute Chancen ein, obwohl der ehemalige ARD-Intendant erst seit Anfang des Jahres Mitglied des Kuratoriums ist.

Mit seiner Vernetzung könnte er indes das Profil der Stiftung schärfen. Die nämlich steht meist nicht als Förderer in den Schlagzeilen, sondern wegen ihrer Beteiligung an Thyssen-Krupp. Dabei fördert die Stiftung seit 45 Jahren Kultur, Sport und Wissenschaft. Seit ihrer Gründung hat sie mehr als 615 Millionen Euro dafür aufgewendet.

Allerdings ist Pleitgen am heutigen Donnerstag den Spekulationen entgegengetreten. „Das ist die kühnste Karriere-Spekulation meines Lebens“, sagte Pleitgen dazu am Donnerstag im Radiosender WDR 2. „Ich darf Ihnen versichern, an der Geschichte ist nichts dran.“

Der jahrzehntelange Stiftungschef Bertold Beitz war am Dienstag im Alter von 99 Jahren gestorben. Pleitgen würdigte Beitz als einen der Gründerväter der Bundesrepublik. Beitz habe mit zum Wirtschaftswunder beigetragen, sagte Pleitgen im WDR.

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