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01.07.2016

11:18 Uhr

Nach dem Abgas-Skandal

Der Diesel stirbt aus

VonLukas Bay

Der liebste Antrieb der Deutschen hat keine Zukunft, hat eine neue Studie errechnet. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil des Diesels am Neuwagen-Verkauf massiv sinken. Gewinner sind elektrische Antriebe.

Auch bei Volkswagen will man künftig stärker auf Elektroautos setzen. Bis 2025 sollen sie 25 Prozent der Verkäufe ausmachen. dpa

Endlich Nichtraucher

Auch bei Volkswagen will man künftig stärker auf Elektroautos setzen. Bis 2025 sollen sie 25 Prozent der Verkäufe ausmachen.

DüsseldorfIn VW-Chef Matthias Müller sind in den vergangenen Monaten offenbar die Zweifel gewachsen. Der Konzernchef, der immer ein leidenschaftlicher Anhänger des Diesels galt, meldete zuletzt im Handelsblatt-Interview erhebliche Zweifel an der Zukunft der Technologie an. „Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen“, erklärte Müller. „Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht.“

Wie es weitergehen könnte haben nun die Unternehmensberater von Alix Partners in ihrer Studie „Global Automotive Outlook 2016: Automobilindustrie am Wendepunkt“ errechnet. Die Prognosen für den Diesel sehen demnach so düster aus, wie Müller es befürchtet. Heute macht der Selbstzünder bei kleinen Fahrzeugen noch 40 Prozent der Verkäufe aus, bei großen Fahrzeugen wie beispielsweise SUVs sind es sogar knapp über 70 Prozent. Dieser Marktanteil wird nach Ansicht der Berater in den kommenden 15 Jahren deutlich schrumpfen. Bei Kleinwagen werden demnach nur noch fünf Prozent Diesel gekauft, bei Großen nur noch 13 Prozent.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

„Im Jahr 2030 wird der Kunde zwischen elektrischen und mit Kraftstoff betriebenen Autos wählen können, die in Reichweite, Preis und Leistung auf gleichem Niveau sind,“ sagt Auto-Experte Elmar Kades, Managing Partner bei Alix Partners. Dann seien Kundenpräferenzen und mögliche regionale Emissionsbeschränkungen entscheidend im Kampf der Antriebsstränge. Den enormen Imageschaden durch die Abgasaffäre für den Dieselantrieb belegt auch eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.

Gerade die Politik hat rund um den Dieselskandal viel Vertrauen in die Technologie verloren. Schon heute, das zeigen unter anderem die jüngsten Tests des Kraftfahrtbundesamtes, stoßen selbst Euro-6-Dieselmotoren mehr als fünf Mal so viel Stickoxid aus wie es der Grenzwert vorschreibt. Nach den Messungen der internationalen Forschungsgemeinschaft ICCT liegen die Grenzüberschreitungen sogar noch höher. Um den Diesel sauberer zu machen, müssen die Hersteller teure Abgasreinigungssysteme verbauen. Insgesamt steigen die Materialkosten für einen Dieselmotor nach seinen Schätzungen um 35 bis 40 Prozent.

Während der Diesel immer teurer wird, sinken parallel die Batteriepreise, die heute noch einen Großteil des Preises für ein Elektroauto ausmachen. Der Preis pro Kilowattstunde werde bis 2025 auf 140 bis 160 Dollar fallen, sagen die Unternehmensberater von Alix Partners. Darüber hinaus steige die Leistungsfähigkeit. Damit sei der Elektroantrieb schon in wenigen Jahren wettbewerbsfähig – zumindest mit staatlicher Unterstützung.

Und der Gesetzgeber könnte den Umstieg weiter beschleunigen. Ab 2021 soll der neue Zyklus WLTP zum neuen Standard werden. Neben dem Stickoxid muss auch der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 weiter reduziert werden. Bis 2030, so sagen es die Unternehmensberater voraus, dürften Kleinwagen nicht mehr als 50 Gramm pro Kilometer erzeugen, bei großen Fahrzeuge liege der Grenzwert dann bei 65 Gramm.

Kommentare (24)

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01.07.2016, 11:52 Uhr

Wer so einen Schwachsinn schreibt, dass der Diesel ausstirbt und der E-Batterie Antrieb die Zukunft ist, der hat von Technik, Physik und Marktwirtschaft nicht die geringste Ahnung!
Wer den Diesel politisch gewollt über Gesetzeszwang jedoch abschafft, der wird nicht den Diesel abschaffen sondern die Deutsche Automobil Industrie vernichten.
So wie man es schon mit der Deutschen Energiewirtschaft mit dem Marktfeindlichen Kernkraftausstieg auf Basis eines Ethikrat in Verbindung mit der asozialen Energiewende mit ihren marktfeindlichen Subventionsdauergesetz EEG.

Mangel und Armut kommt über die Deutsche Gesellschaft. Das haben wir einer Grün-Sozialistischen Ideologie unter der Führung von Merkel zu verdanken und den Unterwürfigen Deutschen Managern in den Konzernen und Unternehmen.

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01.07.2016, 11:58 Uhr

Wunderbar! Der Brexit, das Aus für den Diesel. Die guten Nachrichten überschlagen sich geradezu.

Ich habe diese mobilen Rußfabriken (und ihre Besitzer) nie ausstehen können. Aber dass die Gewinner jetzt die elektrischen Antriebe sein sollen, ist eine komplette Fehleinschätzung. Ebenso wie der Diesel zuvor, sind sie nur über staatliche Subventionen in nennenswerter Stückzahl zu verkaufen. Den Preis würde wieder die Allgemeinheit zahlen.

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01.07.2016, 12:07 Uhr

Wieso wird die deutsche Automobilindustrie vernichtet, wenn sie keinen Diesel mehr verkauft bekommt? Sie wird eben wieder mehr Benziner verkaufen. So wie das in der Zeit vor dieser irrwitzigen Steuerförderung für den umwelt- und menschenschädlichsten Antrieb aller Zeiten der Fall war. Der Diesel war ein Irrweg. Man hätte mich vorher fragen sollen!

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