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02.08.2016

16:30 Uhr

Nach dem Abgasskandal

Diesel-Anteil am deutschen Automarkt sinkt

Harte Zeiten für den Diesel: Der Anteil an neu angemeldeten Pkw in Deutschland sinkt erneut. Volkswagen lässt nach dem Abgasskandal Federn beim Marktanteil. Insgesamt schrumpft der Neuwagenmarkt in Deutschland.

Nicht nur der Abgasskandal schadet dem Diesel-Image, auch Diskussionen über Fahrverbote in Innenstädten und absehbar strengere Grenzwerte. dpa

Diesel-Fahrzeuge

Nicht nur der Abgasskandal schadet dem Diesel-Image, auch Diskussionen über Fahrverbote in Innenstädten und absehbar strengere Grenzwerte.

FrankfurtDer Dieselskandal von Volkswagen hinterlässt in den Zulassungszahlen am deutschen Automarkt seine Spuren. Wie schon in den vergangenen Monaten stieg der Anteil von neu angemeldeten Pkw mit Benzinmotoren gegenüber Diesel-Fahrzeugen. Im Juli entfielen 51 Prozent der Neuzulassungen auf benzinbetriebene Verbrenner und 47 Prozent auf Diesel – eine Verschiebung um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Jahr 2015 zulasten der Selbstzünder.

VW blieb nach den am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zwar mit rund 20 Prozent zulassungsstärkste Marke, der Marktanteil schrumpfte jedoch um drei Prozent. Andere Volumenhersteller wie Renault, Ford, Fiat und die deutsche General-Motors-Tochter Opel legten hingegen zu.

Im Sommermonat Juli schrumpfte der Neuwagenmarkt in Deutschland. Insgesamt wurden mit fast 280.000 Pkw 3,9 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen als vor einem Jahr.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Das lag dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge vor allem an Kalendereffekten: Der Juli vergangenen Jahres hatte zwei Verkaufstage mehr. Zudem fielen in diesem Jahr Werksferien schon in den Juli statt in den August. So brachen die neuen Anmeldungen von VW-Modellen um zwölf Prozent im Juli ein, während die vom japanischen Erzrivalen Toyota um fast zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten.

Kalenderbereinigt wären nach Berechnung des Autoexperten Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY nur 0,2 Prozent weniger Neuwagen angemeldet worden. VDA-Präsident Matthias Wissmann erklärte, im August sei eine Gegenbewegung zu erwarten. „Sinnvoll ist es daher, die beiden Monate zusammen zu betrachten.“

Nach sieben Monaten steht hingegen ein Plus bei den Neuzulassungen: Von Januar bis Juli legten sie um 5,4 Prozent zu. Nach dem starken ersten Halbjahr sei 2016 ein Wachstum des deutschen Automarkts von vier Prozent zu erwarten, erklärte EY-Berater Fuß. Der Absatz von Diesel-Modellen werde jedoch weiter unter Druck kommen.

Denn nicht nur der Abgasskandal bei VW, wo weltweit elf Millionen Fahrzeuge die Stickoxid-Grenzwerte nur auf dem Prüfstand einhielten, schade dem Image. Auch Diskussionen über Diesel-Fahrverbote in Innenstädten und absehbar strengere Grenzwerte sorgten für Gegenwind. "Für den Diesel sind harte Zeiten angebrochen", erklärte Fuß.

Von

rtr

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