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31.12.2016

10:17 Uhr

Nach dem Abgasskandal

Freiwillige Rückrufe laufen nur schleppend an

Nach dem VW-Skandal ließ eine Behörde auch bei anderen Herstellern nachmessen. Hunderttausende Fahrzeuge sollen freiwillig nachgebessert werden. Doch bislang ist nur ein Bruchteil in die Werkstätten beordert worden.

Hundertausende Fahrzeuge sollen freiwillig nachgebessert werden. Doch nur wenige sind bisher in die Werkstätten beordert worden. dpa

Rückrufaktion

Hundertausende Fahrzeuge sollen freiwillig nachgebessert werden. Doch nur wenige sind bisher in die Werkstätten beordert worden.

Flensburg/BerlinWegen des Abgas-Skandals wurde gleich bei mehreren Autobauern nachgemessen – neben dem Rückruf bei VW wollen deutsche Hersteller nun bis zu 630.000 Wagen freiwillig nachbessern. Doch die Updates kommen nur langsam in Gang. Im September gab das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Umrüstung des Geländewagens Macan von Porsche frei. Daimler hat inzwischen mit dem Update der V-Klasse begonnen. Die übrigen Modelle warten noch auf die Freigabe.

Er erwarte, dass Anfang 2017 „die weiteren Freigaben für die Umrüstung kommen“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. Die Strategien für die Verbesserung der Abgasreinigung seien für alle betroffenen Fahrzeuge beim KBA in der Prüfung. Diese sei sehr genau und detailliert.

Hintergrund sind die vor gut einem Jahr angestoßenen Nachmessungen des KBA im Zuge des VW-Skandals. Dabei ergaben sich bei 22 von 53 getesteten Wagen verschiedener Hersteller Zweifel, ob ein Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen tatsächlich mit dem Schutz des Motors zu begründen ist.

Die Sparprogramme bei Volkswagen

1993: Massenentlassungen drohen

Im Jahr des Amtsantritts des späteren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Vorstandschef steckt der Konzern in einer tiefen Krise. Er produziert im Vergleich mit der globalen Konkurrenz viel zu teuer, es droht die Entlassung von bis zu 30.000 Beschäftigten.

Hartz verhindert Kahlschlag

Peter Hartz, von Piëch eingestellter Personalvorstand und späterer Entwickler der Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, kann den Kahlschlag abwenden. Er führt in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall unter anderem die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ein - eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich. Auch der umstrittene „Kostenkiller“ und Ex-General-Motors-Manager José Ignacio López bringt den verlustreichen Konzern finanziell wieder auf Kurs.

2006: Ende der Vier-Tage-Woche

Die Hauptmarke Volkswagen-Pkw fährt chronisch niedrige Erträge ein - eine deutliche Parallele zur heutigen Lage. Nach monatelangen Verhandlungen zum neuen Haustarifvertrag bei VW einigen sich die Parteien auf eine Abkehr von der Vier-Tage-Woche. Als Gegenleistung für die wieder deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlangt die IG Metall vom Unternehmen verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.

Nachdem Kernmarken-Chef Wolfgang Bernhard mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen gedroht hat, verlässt er den Konzern. VW kann dennoch die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

2016: Dieselskandal belastet VW

Nach Jahren satter Gewinne dümpelt die Marke mit dem VW-Emblem – gemessen an der Marge (Anteil des Gewinns am Umsatz) – im Branchenvergleich erneut vor sich hin. Zugleich muss der Gesamtkonzern die Milliardenlasten des Abgas-Skandals verdauen und sich stärker auf die Zukunftsthemen der Branche konzentrieren.

Der „Zukunftspakt“

Der „Zukunftspakt“ soll daher den Spardruck, den Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen sowie das Interesse der Belegschaft an sicheren Jobs und Standorten in die Balance bringen. Nach Monaten des Ringens steht fest: Dies wird nicht ohne Zugeständnisse bei den Jobs gehen. 30.000 Stellen sollen weltweit bis 2020 auslaufen, Kündigungen gibt es aber nicht.

Die betroffenen deutschen Hersteller einigten sich mit dem KBA für 630.000 Fahrzeuge auf Nachbesserungen im Rahmen sogenannter Serviceaktionen. Dabei kann etwa der Temperaturbereich vergrößert werden, innerhalb dessen die Abgasreinigung voll arbeitet.

Die Kernmarke von Volkswagen – Zentrum des Abgas-Skandals mit weltweit rund elf Millionen betroffenen Diesel-Autos älterer Modellgenerationen aus dem VW-Gesamtkonzern – ist bei diesem freiwilligen Rückruf nicht betroffen, wohl aber 194.000 Crafter-Lieferwagen und Amarok-Pick-ups. Parallel läuft die verpflichtende Nachrüstung für die vom Diesel-Skandal betroffenen VW-Fahrzeuge: In Deutschland sind das laut VW knapp 2,6 Millionen Autos. Die Nachrüstung für sie läuft.

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