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09.05.2013

09:00 Uhr

Nach der Übernahme durch Geely

Chinesen treiben Volvo in die Enge

VonHelmut Steuer

Wie keine andere Automarke steht Volvo für Sicherheit. Doch der Hersteller ist seit der Übernahme durch den chinesischen Geely-Konzern stark verunsichert. Eine Geschichte von Machtkämpfen und der Idee eines Volvo-Moped.

Geely-Gründer und Volvo-Aufsichtsratschef Li Shufu. ap

Geely-Gründer und Volvo-Aufsichtsratschef Li Shufu.

StockholmDie Angst der Schweden war unübersehbar. „Die Chinesen kommen“ titelten vor einigen Jahren die schwedischen Zeitungen und meinten damit die wachsende Zahl von Firmenübernahmen und -beteiligungen durch Investoren aus dem Reich der Mitte. Nicht wenige befürchteten den Ausverkauf des schwedischen Know-Hows nach Fernost. Andere hofften auf neuen Schwung.

Beim deutschen Betonpumpenspezialist Putzmeister, der durch Sany übernommen wurde, oder beim Elektronikkonzern Medion, den Lenovo geschluckt hat, war der Einstieg der Chinesen ein Erfolgsbaustein für eine erfolgreichere Zukunft. Doch beim schwedischen Autobauer Volvo hat sich diese Hoffnung zerschlagen.

Schwedens Auto-Ikone, jahrelanger Garant für skandinavische Qualität und Sicherheitsbewusstsein, wurde 2010 vom US-Riesen Ford an den chinesischen Automobil-Produzenten Geely verkauft und steckt in einer Krise. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Nettoverlust von 480 Millionen Kronen (55 Millionen Euro). Im Vorjahr hatte Volvo noch einen Gewinn von rund einer Milliarde Kronen eingefahren. Das Ziel, weltweit 480.000 Wagen zu verkaufen, ist in weite Ferne gerückt: 2012 fand Volvo nur 420.000 Käufer – 30 000 weniger als noch ein Jahr zuvor.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Besonders beunruhigend ist der Rückgang in China, dem Markt, der für andere Autokonzerne die Stütze zum Ausgleich des darbenden europäischen Marktes ist. Auch bei Volvo sollte China einen ähnlichen Effekt erreichen. Doch die schwedische Marke setzte dort im vergangenen Jahr gerade einmal 43.000 Wagen ab. Das waren zehn Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Von den Absatzzahlen der deutschen Konkurrenten Audi, BMW und Volkswagen sind die Schweden weit entfernt.

Die Gründe für den bislang ausbleibenden Erfolg der chinesisch-schwedischen Zusammenarbeit sind vielfältig. „Es gibt so etwas wie ein gegenseitiges Misstrauen“, sagt ein schwedischer Volvo-Manager und berichtet, dass Geely-Gründer und Volvo-Aufsichtsratschef Li Shufu mit Yuan Xiaolin einen verlängerten Arm oder wie es der Volvo-Mann ausdrückt, „einen Spion aus Peking“ im Top-Management des schwedischen Autobauers platziert habe.

Die Probleme begannen bereits kurz nach der Übernahme durch Geely. Und das, obwohl die Ernennung des ehemaligen VW-Managers Stefan Jacoby aus Deutschland zum neuen Volvo-Chef in der Branche vorbehaltslose Zustimmung fand. Jacoby galt als äußerst kompetenter Auto-Manager und auch in Göteborg verschaffte er sich binnen kürzester Zeit große Anerkennung. Er erneuerte die Modellpalette und saß nächtelang mit den chinesischen Partner zusammen, um eine China-Strategie mit eigenen Werken und einer komplett erneuerten Verkaufsorganisation aufzubauen.

Doch schon schnell kühlte das Verhältnis von Jacoby zum stellvertretenden Volvo-Aufsichtsratschef Hans-Olov Olsson ab. In den Korridoren in der Firmenzentrale sprachen viele über einen Machtkampf zwischen Jacoby und dem 72-jährigen Olsson, der selbst einmal Volvo-Chef war. Olsson gilt als Vertrauter Shufus und hatte den chinesischen Geely-Hauptaktionär auch während der Übernahmeverhandlungen mit Volvo beraten.

Kommentare (7)

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armedjihad@dynip.name

09.05.2013, 14:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

armedjihad@dynip.name

09.05.2013, 14:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Michael-Kreuzberg

09.05.2013, 15:13 Uhr

Ich frage mich immer wieder wie solche "Manager" zu derartig wichtigen Posten kommen? Immer nach der Devise: "Man wird solange befördert bis man den Job gefunden hat für den man völlig ungeeignet ist?"

Ford war schon ein Drama bei VOLVO aber die Chinesen setzen wohl noch eins drauf. Schade nur dass die Arbeiter diese Fiasko wohl mit ihren Jobs bezahlen müssen.

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