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28.06.2015

17:30 Uhr

Nach der VW-Affäre

Volkswagen prüft pro Jahr Hunderte Hinweise

Vor zehn Jahren erschütterte die VW-Affäre den Konzern. Ein System aus Geheimvergütungen offenbarte die aus der Chefetage vorangetriebene Käuflichkeit des Betriebsrates. Heute sieht sich VW geläutert.

Nach der VW-Affäre 2005 setzt der Wolfsburger Autobauer nun auf Prävention, wenn es um die Durchsetzung von Compliance-Regeln geht. dpa

Geläuterter Konzern

Nach der VW-Affäre 2005 setzt der Wolfsburger Autobauer nun auf Prävention, wenn es um die Durchsetzung von Compliance-Regeln geht.

WolfsburgZehn Jahre nach dem Skandal um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten sieht sich Volkswagen gut gewappnet gegen mögliche Unregelmäßigkeiten im Unternehmen. „Wir wollen Regelverstöße möglichst von vornherein ausschließen“, sagte Frank Fabian, Chef der zuständigen Abteilung, der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb setzen wir stark auf Prävention.“ Wenn Vorbeugung nicht helfe, ziehe VW auch Konsequenzen. 2014 verloren 72 Mitarbeiter wegen Verstößen ihren Job.

Über die Regeln für die sogenannte Compliance (ethisch korrektes Handeln) wacht die VW-Konzernrevision. Deren Leiter Peter Dörfler sagte: „Wir prüfen die grundsätzlichen Abläufe im Unternehmen, darüber hinaus nehmen wir verdachtsunabhängige Kontrollen und im Verdachtsfall intensive Untersuchungen vor.“

Dörfler, der auch der Anti-Korruptionsbeauftragte im Konzern ist, erhielt im vergangenen Jahr 51 Meldungen über externe Ombudsleute, bei denen Hinweise auch vertraulich eingehen können. Das leisten die Anwälte Rainer Buchert und Thomas Rohrbach aus Frankfurt am Main.

Weitere 89 Fälle erreichten Dörfler im vergangenen Jahr direkt. 2014 ermittelte die Konzernrevision 365 mal. Neben dem Rausschmiss der 72 Mitarbeiter habe der Konzern außerdem in 16 Fällen Verträge mit Geschäftspartnern gekündigt beziehungsweise diese nicht erneuert.

Chronologie der VW-Affäre

25. Juni 2005

Erste Berichte über eine Schmiergeld-Affäre bei VW tauchen auf. Hauptpersonen sollen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster sowie VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer sein.

28. Juni 2005

VW erstattet bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Anzeige gegen Schuster. Auch gegen Gebauer ermittelt die Justiz.

30. Juni 2005

Betriebsratschef Klaus Volkert tritt zurück.

5. Juli 2005

Medien berichten, der VW-Vorstand habe dem Betriebsrat teure Luxusreisen ins Ausland zugeschanzt. Dafür seien Betriebsräte bereit gewesen, Vorstandsbeschlüsse mitzutragen. VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz weist die Vorwürfe zurück. Volkerts Nachfolger Bernd Osterloh tritt sein Amt als Betriebsratschef an.

28. Juli 2005

VW stellt Strafantrag wegen des Verdachts der Begünstigung von Betriebsräten.

31. Juli 2005

Gebauer erklärt, er habe für Betriebsräte auf VW-Kosten Besuche in Nobelhotels und Nachtclubs organisiert. Er habe im Auftrag des Vorstands gehandelt.

5. August 2005

Der VW-Aufsichtsrat nimmt Hartz’ Rücktritt an.

15. November 2006

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen Hartz wegen Untreue in 44 Fällen.

25. Januar 2007

Hartz bestätigt vor Gericht, den früheren Betriebsratschef Volkert „gekauft“ zu haben. Hartz wird zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen verurteilt – 576 000 Euro.

22. Februar 2008

Das Braunschweiger Landgericht verurteilt Volkert wegen Beihilfe und Anstiftung zu Untreue und Betriebsratsbegünstigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Gebauer wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

2. September 2011

Volkert wird etwa ein Jahr und neun Monate nach dem Antritt seiner Strafe vorzeitig aus der Haft entlassen.

VW ist mit dem Skandal von 2005 nicht allein. Siemens etwa pflegte ein System aus Schwarzen Kassen, Daimler zahlte im großen Stil in den USA Schmiergelder und auch die CDU-Schwarzgeldaffäre ist unvergessen.

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