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05.01.2011

10:58 Uhr

Nach Dioxin-Skandal

Wettlauf um sichere Nahrung

VonKlaus Stratmann, Christoph Kapalschinski , F. Schmid

Der Skandal um Dioxin-Eier hat Folgen: Verbraucherschützer, Landwirtschaftler und Politiker überschlagen sich mit Vorschlägen, wie besser kontrolliert und damit der Konsument besser geschützt werden kann. Dabei ist eines jetzt schon klar: Eine vollständige Sicherheit kann es nicht geben.

Eier bei der Lebensmittelanalyse: Vollständige Sicherheit kann es nicht geben. dpa

Eier bei der Lebensmittelanalyse: Vollständige Sicherheit kann es nicht geben.

BERLIN/DÜSSELDORF/SCHMID. Allein in Niedersachsen wurden 1 000 Geflügelhöfe gesperrt. Dazu kommen Aufrufe von Verbraucherschützern, Eier und Geflügelfleisch zu meiden. Der Skandal um dioxinverseuchtes Futtermittel trifft die deutschen Landwirte hart - wieder einmal. Ihre Verbände demonstrieren Aufklärungswillen, üben aber auch Kritik. "Im Wettlauf darum, wer der beste Verbraucherschützer in den Bundesländern ist, geht einiges über Bord", sagte Bernhard Krüsken, Geschäftsführer des Verbands Tiernahrung, dem Handelsblatt. "Die Zahl von 1 000 Höfen ist übertrieben." Die Kontrollsysteme der Branche hätten es ermöglicht, genau festzustellen, welche Höfe gefährdet seien.

Tatsächlich überschlug sich die Politik am Dienstag mit Vorschlägen, Verbraucher besser zu schützen. "Jetzt muss es darum gehen, die Struktur der Kontrollen zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um die Kontrolldichte, sondern auch um die Qualität der Kontrollen", sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn dem Handelsblatt. Zudem müssten die Kontrollen ein einheitliches Niveau erreichen: "Die betroffenen Bundesländer haben sehr unterschiedlich reagiert. Während die Behörden in Nordrhein-Westfalen schnell gehandelt und Betriebe gesperrt haben, hat Niedersachsen zunächst abgewartet. Zwar sollte die Kontrolle grundsätzlich auf der Ebene der Länder angesiedelt bleiben. Der aktuelle Fall zeigt aber, dass ein einheitliches Vorgehen anzustreben ist."

Nach Einschätzung der Grünen-Politikerin besteht in Ländern mit hoher Dichte an Massentierhaltung wie etwa Niedersachsen durchaus die Gefahr von "Interessenkonflikten zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Betriebe und dem Verbraucherschutz".

Auch Verbraucherschützer fordern eine Verbesserung der Kontrollen. Sie müssten "zahlreicher und effizienter werden", sagte Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Dies würde die staatliche Lebensmittelüberwachung und die Eigenkontrolle der Wirtschaft gleichermaßen betreffen. Außerdem müssten die Behörden die Öffentlichkeit aktiv informieren, welche Hersteller, Händler und Chargennummern betroffen seien, forderte Billen.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer bietet das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) zwar schon heute eine gute Grundlage zur aktiven Information der Öffentlichkeit. Ob und in welcher Form informiert werde, liege allerdings zu stark im Ermessen der Behörden, kritisieren die Verbraucherschützer. Während einige Länder und Kommunen offensiv über die Ergebnisse von Kontrollen informierten, sei dies in anderen Gegenden nicht der Fall. "Die anstehende Novellierung des VIG muss die rechtliche Grundlage für die Veröffentlichung klarer fassen", forderte Billen.

Kommentare (2)

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Hirte

05.01.2011, 12:09 Uhr

Die Geschwindigkeit, in der nun alle möglichen Organisationen und Parteien Verbesserungen vorschlagen und über die Presse publizieren lassen, lässt aufhorchen.
- Lagen diese Politiker, Lobbyisten oder Andere schon mit Vorschlägen in den Startlöchern und haben nur auf den Startschuss gewartet?
- Steckt da mehr dahinter, als sich jetzt darstellen lässt?
- ist der Verbraucher mal wieder gründlich hinters Licht geführt worden?
- Will man das Thema mit der schnellen Präsentation eines vermeintlich Schuldigen nur möglichst schnell aus den Schlagzeilen haben?

ich glaube keinem Politiker, keinem Lobbyisten und auch nur sehr eingeschränkt einem Verbraucherschützer!

aruba

05.01.2011, 12:26 Uhr

Guten Tag,... Ach was, das bisschen Gift. in belgien ( ein Land mit dem ich auf Kriegspfad stehe ) wurden vor Jahren Schweine an Schweine verfuettert. Huehner an Huehner. ( Feingemalen und mit Frittenfett angereichert ). Nicht dass jemand mich falsch vertsteht. Es handelte sich bei den Schweinen um verrecktes Fieh, nicht um deren besitzer )......... Dies laesst sich in den " Publications du Ministère de l'Agriculture " nachlesen. besten Dank

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