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03.02.2005

11:12 Uhr

Nach einer Trennung dürften die Italiener wieder suchen

Fiat muss den „Put“ ausüben

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Die Hängepartie geht weiter. Fiat und General Motors können sich nicht auf eine Lösung in ihrem Streit um jene Verkaufsoption einigen, die die Italiener seit gestern dazu ermächtigt, ihre defizitäre Autosparte den Amerikanern zu verkaufen. GM-Boss Richard Wagoner ist in den Verhandlungen mit seinem Counterpart Sergio Marchionne hart geblieben: Er weigert sich beharrlich, Geld zu bezahlen, um das von ihm verhasste Andienungsrecht zu eliminieren.

Foto: dpa

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Während die juristische Seite der Auseinandersetzung nebulös erscheint, ist die strategische Dimension sonnenklar: Fiat und GM werden sich über kurz oder lang trennen. Noch aber spielen sie auf Zeit. Das ist schlecht für beide Konzerne. Statt eines klaren Schnitts mit einer Ausgleichszahlung durch GM – also ein Ende mit Schrecken – wählen die Partner im Interesse einer Maximierung ihrer kurzfristigen Interessen ein Schrecken ohne Ende. Besonders gravierend ist dies für Fiat: Die Autosparte der Turiner schreibt seit zwölf Quartalen in Folge hohe Verluste. Die Rückkehr in die Gewinnzone sieht selbst Marchionne nicht vor 2007. Unsicherheiten über die Zukunft des Unternehmens kann man sich in dieser Situation nicht leisten. Bei GM sieht es kaum besser aus: Den Europatöchtern Opel und Saab steht das Wasser bis zum Hals. In den vergangenen zwölf Monaten haben sie fast 750 Millionen Euro versenkt.

Für Fiat bietet sich angesichts dieser Situation nur eine Lösung an: Marchionne muss den Put ziehen, um eine rasche Entscheidung zu provozieren. In diesem Falle hätte GM zwei Möglichkeiten:Entweder einen Prozess anzustrengen, um die Gültigkeit der Option überprüfen zu lassen. Schließlich behauptet GM, dass Fiat durch eine Kapitalerhöhung sowie den Verkauf der Autofinanzierungstochter sein Andienungsrecht verwirkt habe. Oder durch eine außergerichtliche Einigung das Thema endgültig aus der Welt zu schaffen. Wenn Marchionne aber nichts tut, wirkt er wie ein kläffender Köter, der nicht zuzubeißen wagt.

Erst nach einer Trennung würden sich für Fiat neue Horizonte auftun: Die für einen Volumenhersteller zu kleinen Italiener könnten erneut auf Partnersuche gehen. Angesichts des erbärmlichen Zustandes wäre das sicherlich nicht leicht, aber immerhin hat Fiat Dieselmotoren zu bieten, die nach gängiger Meinung Weltklasse sind. Technologiehungrige chinesische Autobauer könnten Interesse zeigen. Auch Smart, wo derzeit alle Optionen geprüft werden, könnte als Partner in Frage kommen. Zur Erinnerung: Smart-Mutter Daimler hatte Ende der 90er-Jahre mit Fiat über eine Übernahme verhandelt.

Sollte es dann den Italienern gelingen, nach den Wunschträumen des Fiat-Präsidenten Luca di Montezemolo, Alfa Romeo auszugliedern und gemeinsam mit Ferrari und Maserati in einen „Luxuspool“ einzubringen, wären die Aussichten auf einen Markterfolg gar nicht so schlecht. Schickes Design und Technik wären vorhanden. Eine Wandlung vom billigen Massenhersteller zum Transporteur italienischen Lebensgefühls ist vielleicht Fiats letzte Chance.

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