Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2013

12:20 Uhr

Nach Ende des Flugverbots

Dreamliner hebt wieder ab

Boeings Prestigeflieger darf wieder fliegen. Als weltweit erste Gesellschaft hat die afrikanische Ethiopian Airlines die 787 wieder eingesetzt. Erst am Donnerstag hatte die US-Flugaufsicht das Batteriesystem abgesegnet.

Boeings Dreamliner hebt wieder ab. Reuters

Boeings Dreamliner hebt wieder ab.

Addis AbebaDrei Monate nach dem Flugverbot für den Dreamliner wegen Batterieproblemen ist Boeings Prestigeflieger wieder im Einsatz. Als weltweit erste Gesellschaft hat am Samstag die afrikanische Ethiopian Airlines die 787 Maschine wieder auf einem Flug nach Kenia eingesetzt, wie ein Reuters-Zeuge berichtete. Am Donnerstag hatte die US-Flugaufsicht FAA das neue Batterie-System abgesegnet und das im Januar verhängte Flugverbot aufgehoben, auch wenn die Ermittlungen zu den Ursachen der Batterie-Überhitzung noch nicht abgeschlossen sind. Flugbehörden in weiteren Ländern gaben ebenfalls grünes Licht.

Boeings größter Dreamliner-Kunde, All Nippon Airways, hat für Sonntag einen ersten Testflug mit dem 787-Jet angekündigt. Bevor die japanische Gesellschaft wieder Passagiere mit dem Dreamliner transportieren wird, soll es noch rund 230 weitere Testflüge geben. Auch Rivale Japan Airlines hat für Mai zunächst Testflüge angekündigt, bevor der Dreamliner von Juni an wieder regulär eingesetzt werden soll. Boeing hat die meisten der 50 bereits ausgelieferten Dreamliner nach Japan verkauft. Während der von den Behörden auferlegten Zwangspause lieferte der Airbus-Rivale keine neuen 787-Maschinen aus.

Sämtliche Dreamliner erhielten Flugverbot, nachdem eine Batterie an Bord einer in Boston geparkten Japan-Airlines -Maschine Feuer fing und eine weitere in einem Flieger von All Nippon Airways während des Flugs schmolz. Boeing setzt Lithium-Ionen-Akkus in dem als besonders sparsam gepriesenen 787-Jet ein, weil sie leichter sind als herkömmliche Batterien. Sie sind aber auch schneller entflammbar.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Die Zwangspause für Boeings Hoffnungsträger kostete die US-Fluggesellschaft Schätzungen zufolge rund 600 Millionen Dollar. Die japanische Gesellschaft ANA kündigte an, Gespräche mit Boeing über Schadenersatz nach Wiederaufnahme der regulären Flüge führen zu wollen.

 

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.04.2013, 09:49 Uhr

"Als weltweit erste Gesellschaft hat die afrikanische Ethiopian Airlines die 787 wieder eingesetzt."

Ich persoenlich wuerde nicht den Mut aufbringen, diese Kombination zu nutzen. Aber irgendwer muss ja den Anfang machen ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×