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21.09.2012

15:12 Uhr

Nach Fehlspekulation

Trimet macht Millionen-Verluste

Deutschlands größter Aluminiumproduzent schreibt erstmals rote Zahlen. Die Bilanzen von Trimet weisen ein Minus von mehr als 42 Millionen Euro auf. Grund dafür ist eine Fehlspekulation.

Elektrolyseöfen der Trimet Aluminium AG in Essen. Das Unternehmen hat 2011/12 erstmals Verluste gemacht. dpa

Elektrolyseöfen der Trimet Aluminium AG in Essen. Das Unternehmen hat 2011/12 erstmals Verluste gemacht.

EssenDurch eine Fehlspekulation bei der Absicherung gegen steigende Strompreise ist der größte deutsche Aluminiumproduzent Trimet tief in die roten Zahlen gerutscht. Für das zurückliegende Geschäftsjahr 2011/2012 (30.6.) wies das Essener Familienunternehmen trotz voller Auftragsbücher im Konzern erstmals in seiner Firmengeschichte einen Fehlbetrag von 42,3 Millionen Euro aus. Noch im Jahr zuvor hatte Trimet einen Überschuss von 32,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Angesichts einer guten Auftragslage sei man zuversichtlich, im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, sagte Vorstandschef Martin Iffert am Freitag in Essen.

Hintergrund der im Frühjahr 2011 abgeschlossenen Stromlieferverträge, die das Unternehmen insgesamt mit rund 60 Millionen Euro belastet hätten, seien Befürchtungen vor steigenden Strompreisen nach der Atomkatastrophe von Fukushima gewesen. Dagegen habe man sich absichern wollen, sagte Iffert. Angesichts später fallender Preise habe sich die Versicherungsprämie schließlich als zu teuer herausgestellt. Mittlerweile seien die Verträge jedoch ausgelaufen.

Mit einem jährlichen Strombedarf von rund fünf Terawattstunden (fünf Milliarden Kilowattstunden) ist das Essener Unternehmen mit rund einem Prozent am gesamten deutschen Stromverbrauch beteiligt. Bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bezifferte der Vorstandschef die Stromkosen auf 250 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden bei Trimet mit 1875 Beschäftigten in Deutschland rund 500 000 Tonnen Aluminium produziert.

Von

dpa

Kommentare (3)

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vandale

21.09.2012, 15:31 Uhr

Deutschland war mit seinen Kohlevorkommen einst Energiezentrale Europas. Mit einem Strommix aus umweltfreundlichen Kernkraftwerken, Braunkohle, Steinkohle und Erdgas liesse sich ein international wettbewerbsfähiger Strompreis erreichen.

Aktuell liegen die Strompreise in Deutschland etwa beim Doppelten derselben ausserhalb Europas. Die Stromkosten betragen bei dieser Alu-Hütte gem. obiger Zahlen 1/5 des Umsatzes. Demzufolge ist es eher eine Frage der Zeit als des Ob wann diese Industrie den Glaubenskriegern der Oekoreligion zum Opfer fällt.

Vandale

Normalbuerger

21.09.2012, 17:31 Uhr

Trimet bekommt den Strom für 5 Ct/
/kWh quasi geschenkt; Ottonormalverbraucher zahlt 25 Ct/kWh und mehr und somit die gesamten Kosten der Energiewende. Was nützt diese staatliche subventionierte Industriestrompreispolitik (Wegfall von EEG, Netznutzungsentgelt etc. )wenn Trimet 60.000.000 € für die Weiterbildung des Einkaufs ausgibt? Da müssen die Industriestromlobbisten in Berlin wieder tagelang das Lied von den angeblich so teuren Industriestrompreisen in Berlin jammern...

meerwind7

04.10.2012, 20:30 Uhr

Die Strompreise in Deutschland sind an der Strombörse wegen etwas stärkerem Wind, vor allem aber wegen dem immensen Ausbau der Solarenergie in 2010-2012 so stark gefallen. Man kann dem Trimet-Einkauf nur bedingt vorwerfen, das nicht geahnt zu haben.
Der immense Rückgang der Förderung neuer Solaranlagen (dieses Jahr um etwa die Hälfte bei etwa gleicher installierten neuen Leistung ggü. 2010, seit Juli 2012 sogar Rückgang um ca. 80% bei knapp halbierten Neuinstallationen) hätte ja auch etwas eher kommen können.
Aber immerhin den Zubau in 2010 (der sich erst ab Frühjahr 2011 voll in der Produktion gespiegelt hatte) hätte Trimet einkalkulieren können. Vielleicht haben das die entsprechenden Verkäufer des Stroms besser vorhergesehen, und gerade deshalb ein "unwiderstehliches" Angebot gemacht.

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