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07.03.2012

10:28 Uhr

Nach Förderkürzung

Solarhybrid sieht sich am Abgrund

Die Solarbranche in Deutschland ringt derzeit mit massivem Preisverfall. Nun kommen Förderkürzungen hinzu. Kraftwerks-Entwickler Solarhybrid sieht Millionen-Projekte gefährdet und sein Geschäftsmodell in Frage gestellt.

Die Kollektorenfläche eines solarthermisches Kraftwerks in Kalifornien. dpa/picture alliance

Die Kollektorenfläche eines solarthermisches Kraftwerks in Kalifornien.

DüsseldorfDer Solarkraftwerks-Entwickler Solarhybrid gerät nach eigener Einschätzung durch die Streichung der Förderung größerer Solar-Anlagen ins Wanken. Das Geschäftsmodell der Firma in Deutschland sei durch die Entscheidung des Bundes in Frage gestellt, teilte Solarhybrid am Mittwoch mit. Der Vorstand fürchte den Verlust von Investitionen von über zehn Millionen Euro für geplante Projekte, die nun nicht mehr oder nur beschränkt realisiert werden können. Darüber hinaus sei die geplante Ausgabe einer Unternehmensanleihe gefährdet, mit der die Übernahmen der US-Aktivitäten der Solar Millennium und des Projektes Vega in Italien finanziert werden sollten.

Der Vorstand verschob angesichts der aktuellen Unsicherheit die für März vorgesehene Veröffentlichung seiner Jahreszahlen 2011 auf unbestimmte Zeit. Die Solarhybrid-Aktie brach um über 50 Prozent auf 1,23 Euro ein.

Die Bundesregierung plant unter anderem, die Förderung von Freilandanlagen über zehn Megawatt Spitzenleistung ab 1. Juli komplett zu streichen. Für Kraftwerke, die bis zu dem Zeitpunkt nicht fertiggestellt sind, sollen keine Einspeisevergütungen mehr gezahlt werden. Das beträfe unter anderem das Großprojekt der Solarhybrid in Neuhardenberg, das Ende des Jahres erst ans Netz geht und in das die Firma bereits 7,5 Millionen Euro investiert habe.

Solarhybrid setzte 2010 rund 113 Millionen Euro um und verbuchte netto einen Verlust von einer knappen Million.

Die Solarbranche in Deutschland ringt derzeit mit einem massiven Preisverfall infolge weltweiter Überkapazitäten. Verluste sind inzwischen auch bei Branchengrößen wie Solarworld und Centrotherm an der Tagesordnung. Andere wie Conergy und Q-Cells kämpfen ums Überleben, Solon und Solar Millennium haben den Kampf bereits verloren und Insolvenz angemeldet. Die Branche erwartet infolge der angekündigten Förderkürzungen Massenentlassungen und weitere Pleiten. „Diese Einsparungen sind unverhältnismäßig und hätten fatalen Folgen - eine drohende Insolvenzwelle, die Gefährdung zehntausender Arbeitsplätze sowie das Scheitern der Energiewende“, betonte der Geschäftsführer des Branchenverbandes, Carsten Körnig.

Von

rtr

Kommentare (7)

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MikeM

07.03.2012, 10:51 Uhr

Ein Geschäftsmodell, das nur mittels Subventionen bestehen kann, ist parasitär und hat in unserer Wirtschaft nichts zu suchen. Je schneller dieser teure Solarspuk beendet wird, desto besser. Das EEG ist eine tolle Gelegenheit für Großbauern, Eigenheimbesitzer und Großgrundbesitzer, sich auf Kosten der Verbraucher und der produzierenden Industrie die Taschen voll zu machen.

Account gelöscht!

07.03.2012, 11:02 Uhr

Zu MikeM
Das ist nur bedingt richtig.Die Hersteller müssen Planungssicherheit haben, die jetzige Regierung macht alles im Hauruck-Verfahren. Man sollte nur Anlagen fördern, die mit deutschen Solarzellen bestückt werden. Das erhält bei uns Arbeitsplätze. Im übrigen ist die Kernenergie auch gefördert worden, Kohlenbergbau auch, die Maisfelder auch. Was ist denn damit?

vandale

07.03.2012, 11:12 Uhr

wenn man aus politischen Gründen vorgeben würde dass am Nordseestrand nach Gold zu suchen ist, man diese Anstrengungen mit immer mehr Mitteln "fördert", würde man irgendwann Löungen finden etwas Gold zu extremen Kosten zu fördern. Allerdings käme naturgemäss irgendwann der Crash.
Wenn man aus religiösen Gründen meint Strom aus der Sonneneinstrahlung gewinnen zu wollen, gleichwohl diese für diesen Zweck zu gering und zu unstetig ist, so muss dies naturgemäss irgendwann zur Ueberforderung der Gesellschaft und damit zum Crash führen.
Die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands sinkt stark mit der Finanzierung südeuropäischer EU Staaten und so rückt der Crash näher.

Die jetzigen Schritte von "Förderungskürzungen" sind geeignet diesen Crash herauszuzögern, weicher zu gestalten.

Das ein sehr grosser Teil der Solarfirmen, die sich auf Wachstum des Geschäfts eingestellt haben, ihr Geschäft aufgeben müssen ist konsequent. Es gilt den Schaden den dieser Crash anrichtet möglichst gering zu halten.

Vandale

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