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27.07.2013

17:03 Uhr

Nach Gewinnwarnung

Siemens-Aufsichtsrat berät über Löschers Zukunft

Nach der zweiten Gewinnwarnung in knapp drei Monaten muss Siemens-Chef Peter Löscher um seinen Job bangen. Noch am Wochenende könnte sich seine Zukunft laut eines Berichts entscheiden. Löscher bleibt indes kämpferisch.

Peter Löscher: Dem Siemens-Chef fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit. Reuters

Peter Löscher: Dem Siemens-Chef fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit.

MünchenDas Tauziehen um die Zukunft des angeschlagenen Siemens-Chefs Peter Löscher geht in die entscheidende Phase: Noch am Wochenende dürfte das Präsidium des Siemens-Aufsichtsrates unter Führung des Vorsitzenden Gerhard Cromme den Wechsel an der Konzernspitze vorbereiten, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) ohne Nennung von Quellen. Kreisen zufolge soll bereits am Samstagnachmittag über die Zukunft von Löscher entschieden werden. Es sei allerdings offen, ob sich Kapital- und Arbeitnehmervertreter auf ihren getrennten Treffen dazu durchringen, den zuletzt heftig kritisierten Konzernchef vor die Tür zu setzen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Samstag. Von Siemens war dazu am Samstag keine Stellungnahme zu erhalten. Unklar blieb auch, zu welchem Zeitpunkt mit Entscheidungen zu rechnen war.

Löscher war nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten in den vergangenen Tagen massiv in Bedrängnis geraten. Noch am Freitag hatte er wissen lassen, dass er seinen Posten nicht kampflos aufgeben wolle. „Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen“, sagte der Manager der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). „Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je.“

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Dem Aufsichtsratspräsidium gehören auch der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Berthold Huber sowie der Chef des Siemens-Gesamtbetriebsrates, Lothar Adler, an. Bereits am Vortag war bekanntgeworden, dass am Wochenende zudem getrennte Beratungen der Aufsichtsräte von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite laufen. Die nächste reguläre Sitzung des Kontrollgremiums steht am kommenden Mittwoch (31. August) an.

Als möglicher Nachfolgekandidat für den Österreicher, der den Elektrokonzern seit 2007 führt, ist neben Finanzvorstand Joe Kaeser auch der Chef des wichtigen Siemens-Industriesektors, Siegfried Russwurm, im Gespräch.

Kommentare (9)

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27.07.2013, 18:06 Uhr

Über die Zukunft des feinen Hrn. Cromme sollte man sich auch gleich Gedanken machen. Der gibt nicht auf bis er Siemens da hat wo Thyssen heute steht - am Abgrund.

Account gelöscht!

27.07.2013, 18:08 Uhr

sonst werden sich die Totalausfälle die Klinke in die Hand geben.

Account gelöscht!

27.07.2013, 18:13 Uhr

Es kann doch nicht sein, dass man solche Jobs solchen diletierenden und delirierenden Chaoten übergibt. Es gibt die richtig Guten - die Degenhardts und Reitzles dieser Welt zeigens doch.

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