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06.07.2013

14:55 Uhr

Nach Insolvenz

Produktion bei Conergy eingestellt

Das Solarunternehmen Conergy hat am am Freitagabend die Produktion gestoppt. Zuvor hatte das Unternehmen wegen Überschuldung einen Insolvenzantrag gestellt. Damit sind in Brandenburg mehr als 500 Arbeitsplätze in Gefahr.

Conergy-Werk in Frankfurt (Oder): Der Produktionsstopp kam für die Gewerkschaft überraschend. dapd

Conergy-Werk in Frankfurt (Oder): Der Produktionsstopp kam für die Gewerkschaft überraschend.

Frankfurt (Oder)Nach der Insolvenzanmeldung hat das Solarunternehmen Conergy in Frankfurt (Oder) am Freitag überraschend die Produktion gestoppt. Die Geschäftsleitung habe den Mitarbeitern der Spätschicht vor Arbeitsbeginn mitgeteilt, dass die Produktion bis Montag eingestellt werde, sagte Siegfried Wied von der IG Metall Ostbrandenburg am Samstag und bestätigte einen Bericht der „Märkischen Oderzeitung“. „Für uns kam dies völlig überraschend“, sagte der Gewerkschafter. Der Betriebsrat war nach Angaben seines Vorsitzenden Harald Frick nicht informiert worden.

Anfang der Woche würden die Beschäftigen von dem vorläufigen Insolvenzverwalter erfahren, wie es weitergeht, sagte eine Sprecherin von Conergy. „Er wird eine Analyse vornehmen und ins Unternehmen gehen“, sagte sie. Nach Angaben der IG Metall soll die Belegschaft an diesem Montag (8. Juli/15.00) informiert werden.

In dem Frankfurter Werk mit rund 320 Beschäftigten wird normalerweise sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet. Am Standort Rangsdorf (Teltow-Fläming), wo 200 Menschen beschäftigt sind, ruhe die Produktion bereits seit Donnerstag, hieß es.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Betriebsrat und Gewerkschaft waren irritiert über das Vorgehen und bezeichneten es als unüblich. Freitag gegen 19.00 Uhr habe die Geschäftsleitung vor Ort die Mitarbeiter informiert. „Wir wurden nicht gefragt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Frick. „Wir sind verwundert über die Maßnahmen - zumal die Bücher voll sind.“

Unklar blieb zunächst, ob die Unternehmensführung in Hamburg den Produktionsstillstand angeordnet hat oder ob es sich um eine Entscheidung der regionalen Leitung handelt. Hintergrund könne nur die Sicherung von Insolvenzmasse sein, sagte Gewerkschafter Wied. Nach Angaben von Betriebsrat Frick wird den Mitarbeitern der Zutritt zum Frankfurter Werk verwehrt. Zunächst sollte dies auch für Betriebsratsmitglieder gelten, schilderte Wied. Diese dürften nun aber in Begleitung des Wachschutzes zu ihren Büros.

Conergy hatte am Freitag beim Hamburger Amtsgericht wegen Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Damit sind in Brandenburg mehr als 500 Arbeitsplätze in Gefahr. Insgesamt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 1200 Mitarbeiter, davon 800 in Deutschland.

Für Brandenburg, vor allen Dingen die Frankfurter Region, ist die plötzliche Insolvenz des Solarunternehmens ein herber Rückschlag. Die Krise der Solarindustrie hatte in der brandenburgischen Hochburg der Branche bereits die Odersun AG und den US-Konzern First Solar getroffen. Bei First Solar waren zum Jahreswechsel die Lichter ausgegangen.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

06.07.2013, 16:28 Uhr

Solarenergie war von Anfang an ein rot-grünes politisches Hirngespinst, mit dem rot-grün die Massen verdummt hat. Jeder Maschinenbau-Ingenieur, der im Studium einigermaßen aufgepasst hat, wusste schon vorher, dass das Experiment in die Hose geht. Die Wirtschaft der BRD hat durch den Solarschwachsinn wertvolle Zeit und viel Geld verschwendet, das für die Fortentwicklung der Kernenergie hätte sinnvoll eingesetzt werden können. Die Zukunft der Energieversorgung der Menschheit liegt in der Kernenergie - und das ist auch gut so.

spass

06.07.2013, 16:58 Uhr

„+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich
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HansWurst

06.07.2013, 17:57 Uhr

Und die Grünen versprechen gerade 500.000 neue Jobs.

Demokratie ist Schwachsinn.

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