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03.08.2012

11:10 Uhr

Nach Katastrophenjahr

Toyota fährt zurück in die Gewinnzone

Der weltgrößte Autobauer Toyota hat sich von den Folgen der Naturkatastrophe in Japan erholt und ist operativ in die Gewinnzone zurückgekehrt. Analysten hatten einen geringeren Gewinn erwartet.

Die Produktion bei Toyota läuft wieder auf Hochtouren. Reuters

Die Produktion bei Toyota läuft wieder auf Hochtouren.

TokioDer Spitzenreiter gibt sich keine Blöße: Toyota legt im ersten Geschäftsquartal einen Betriebsgewinn 353,14 Milliarden Yen (3,69 Milliarden Euro) vor und hat sich damit nachhaltig von den Folgen des Tsunami, der anschließenden Atomkatastrophe von Fukushima sowie den verheerenden Fluten in Thailand erholt. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 107,96 Milliarden Yen verzeichnet worden.

Im nun betrachteten Quartal wurden sogar die Prognosen der Analysten, die im Schnitt mit einem geringeren Gewinn von 314,1 Milliarden Yen gerechnet hatten, übertroffen. Der Nettogewinn stieg im abgelaufenen Vierteljahr auf 290,35 Milliarden Yen von 1,16 Milliarden Yen. Nun will Toyota auch den Vorsprung im Autoabsatz ausbauen. Bei der Präsentation der Bilanz erhöhte der japanische Autoriesen seine Prognose für den weltweiten Absatz auf 9,76 Millionen von 9,58 Millionen Fahrzeuge.

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Toyota hatte in den ersten sechs Monaten mit seinen weltweiten Absatzzahlen (plus 34 Prozent auf 4,97 Mio Fahrzeuge) die großen Konkurrenten General Motors (plus 2,9 Prozent auf 4,7 Mio) und VW (plus 8,9 Prozent auf 4,45 Mio) wieder auf die Plätze verwiesen und ist damit auf dem Weg, 2012 den prestigeträchtigen Spitzenplatz beim Jahresabsatz zurückzuerobern. Das zeigte sich auch beim Quartalsumsatz. Der Erlös stieg um 60 Prozent auf 5,5 Billionen Yen. Beobachter verwiesen zur Erklärung der starken Zahlen allerdings auch auf die Hilfen der japanischen Regierung.

200 Millionen Fahrzeuge hat der japanische Autobauer nach eigenen Angaben vom Produktionsstart im August 1935 bis heute gebaut. Vor 77 Jahren hatte das erste Kfz, ein G1-Lkw, die Fabrikhallen verlassen. Das am meisten produzierte Modell ist der Corolla mit gut 39 Millionen Einheiten.

Mit 435.900 Fahrzeugen hat Toyota Motor Europe (TME) im ersten Halbjahr 2012 zwei Prozent mehr Pkw verkauft als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 412.466 Autos auf Toyota und 23.454 Autos auf die Premium-Tochter Lexus. Besonders erfolgreich waren die Japaner in Deutschland. 42.018 verkaufte Toyota und 1.537 Lexus zwischen Januar und Juni 2012 bedeuteten in einem insgesamt nachlassenden Markt ein Plus von zehn Prozent.

Erst am Mittwoch hatte Toyota wegen möglicherweise lockerer Spurstangen-Verschraubung an einigen Baureihen rund 1,4 Millionen Fahrzeuge vorsorglich in die Werkstätten zurückgerufen. In Deutschland sind rund 76.000 Fahrzeuge von der Aktion betroffen. Bereits vor einigen Jahren musste der Konzern mehr als zehn Millionen Fahrzeuge zurückordern. Seit den Problemen vor zwei Jahren mit festklemmenden Gaspedalen und fehlerhaften Bremsen ist Toyota sehr sensibel bei Fehlern und hat bereits mehrfach freiwillig Rückrufe gestartet. So soll ein neuerlicher Image-Schaden vermieden werden. Viele der gemeldeten Vorfälle von damals entpuppten sich zwar später als Fehler der Fahrer, doch bei Toyota brachen die Verkäufe ein.

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