Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.09.2013

20:02 Uhr

Nach Löscher

Siemens-Personalchefin muss wohl gehen

Nach Peter Löscher muss nun auch Personalvorstand Brigitte Ederer bei Siemens ihren Stuhl räumen, melden österreichische Medien. Der Aufsichtsrat soll die Personalentscheidung morgen bestätigen.

Abschied von Brigitte Ederer? Österreichs Zeitung melden ihre Abberufung als Siemens-Vorstand. Reuters

Abschied von Brigitte Ederer? Österreichs Zeitung melden ihre Abberufung als Siemens-Vorstand.

Wien/MünchenMit Vorstandschef Peter Löscher und Personalvorstand Brigitte Ederer gaben zwei Österreicher beim Industrieriesen Siemens jahrelang den Ton an. Doch das dürfte bald Geschichte sein. Die österreichische „Kronen Zeitung“ berichtet, dass die 57-Jährige Ende September ihren Posten räumen muss. Löscher war bereits Ende Juli abgelöst worden. Am Mittwoch soll der Aufsichtsrat nun über das Schicksal von Ederer entscheiden. Ihr Vertrag läuft noch bis Mitte 2015.

Mitte 2010 hatte Löscher die damalige Generaldirektorin bei Siemens Österreich in den Vorstand berufen. Vor ihrem Einstieg bei Siemens im Jahr 2010 hatte Ederer politische Karriere gemacht. Als Mitglied der österreichischen Sozialdemokraten war sie Nationalratsabgeordnete, dann Staatssekretärin und später Finanzstadträtin in Wien.

Das Blatt beruft sich auf informierte Kreise, eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Die ehemalige SPÖ-Politikerin soll nach Zeitungsberichten wohl Opfer eines "Deals" des Betriebsrates mit dem Aufsichtsrat sein. Die Gewerkschaft drängt darauf, auch in der Führungsebene den Umbruch einzuleiten. Auch die Schweizerin Barbara Kux verlässt den Konzern Ende September. „Die Gewerkschaften haben dem Aufsichtsratschef klar gemacht, dass sie nur dann Joe Kaeser als neuem Vorstandschef zustimmen werden, wenn Ederer als Arbeitsdirektorin abgelöst wird“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person der Süddeutschen Zeitung.

Ederer hattet sich geweigert, den Arbeitsvertrag von Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zu verlängern. Der Gewerkschafter, wäre im Frühjahr kommenden Jahres automatisch aus dem Unternehmen ausgeschieden, weil er die Regelaltersgrenze erreicht. Adler wollte jedoch weitermachen und strebte zudem eine Beförderung an. Ein juristisches Gutachten des Konzerns kam nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zu dem Ergebnis, dass der Vertrag von Adler, der seit 2003 auch Aufsichtsratsmitglied ist, nicht verlängert werden dürfe.

Auch im Aufsichtsrat wird Siemens neue aufgestellt. Nach dem Abgang von Ackermann im Aufsichtsrat will Chefkontrolleur Gerhard Cromme nach Reuters-Informationen erneut einen Ausländer als Nachfolger vorschlagen. Bereits auf der Gremiumssitzung am Mittwoch solle ein Amtserbe bestellt werden, sagten zwei mit der Situation vertrauten Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Es solle ein „Fachmann aus dem Ausland“ werden, hieß es. Erst am Donnerstag hatte Ackermann die Konsequenzen aus dem Machtkampf mit Cromme gezogen und seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium von Siemens angekündigt. Als Grund für sein Ausscheiden hatte der frühere Chef der Deutschen Bank „unterschiedliche Vorstellungen, wie man den Prozess der Nachfolge gestaltet“ angeführt.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Das Kontrollgremium berät zudem über die Benennung eines neuen Finanzvorstands. Der Posten war vakant geworden, nachdem Joe Kaeser als Nachfolger von Löscher zum Konzernchef aufgerückt war. Bis zuletzt seien noch zwei Kandidaten im Rennen gewesen, hieß es. Die beiden Sektor-CFOs Michael Sen und Ralf Thomas seien in der Schlussauswahl. Sen kümmert sich bislang um die Finanzen der Medizintechnik, Thomas um die des Segments Industrie.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

wolfi

17.09.2013, 19:55 Uhr

und wieder ist eine Quote weg

Account gelöscht!

17.09.2013, 21:11 Uhr

So führt man Compliance ad absurdum. Ein toller Herr Adler möchte auf den letzten Drücker noch Karriere machen und gibt vorweg seine Zustimmung zur Abwahl Löschers und verbindet das - für sein persönliches Wohl - mit dem Abgang der Personalchefin.
Herr Cromme, aufwachen!
War da nicht was? Unter Ihrer Aufsicht???
Thema Compliance ist angesagt.

Siemensianer

17.09.2013, 21:30 Uhr

Löscher und Ederer sind nur die Spitze des Eisbergs. Viel wichtiger wäre, wenn man das mittlere Management einmal gründlich auf seine Fachkompetenz untersuchen und ggfs. auswechseln würde. Dort herrscht inzwischen an vielen Stellen die blanke Inkompetenz, weil die Positionen intern politisch nach dem Nasenfaktor vergeben werden. Das Wettbewerbsprinzip kennt man dort nicht. Folienmaler und Schönwetterredner haben das Sagen. Wann wird diese Lähmschicht bereingt?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×