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17.07.2014

15:04 Uhr

Nach Magazinbericht

Spekulationen um Fiat-Übernahme durch VW

Volkswagen lotet angeblich eine Übernahme von Fiat-Chrysler aus. Dazu soll VW-Aufsichtsratschef Piëch bereits Gespräche geführt haben, heißt es in einem Magazinbericht. VW und die Agnelli-Familie dementieren.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch: Ein Auge auf Fiat? dpa

VW-Patriarch Ferdinand Piëch: Ein Auge auf Fiat?

WolfsburgVolkswagen lotet einem Magazinbericht zufolge eine Übernahme des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat aus. Durch die Integration von dessen US-Tochter Chrysler sehe die VW-Führung einen möglichen Ansatz, um ihre eigenen Probleme auf dem US-Markt zu lösen, berichtete das „Manager Magazin“ am Donnerstag ohne Quellenangabe. Europas größter Autobauer sucht seit längerem nach Wegen, um in den USA aus der Rolle eines Nischenanbieters herauszukommen.

Dem Magazinbericht zufolge haben Volkswagen-Großaktionär Ferdinand Piëch und die Familien Elkann und Agnelli als Fiat-Haupteigner sowie deren Unterhändler dazu bereits mehrere Gespräche geführt. Die Preisvorstellungen lägen aber noch deutlich auseinander. Fiat-Chef Sergio Marchionne verfolge parallel andere strategische Optionen.

Bei Volkswagen dementiert man das Vorhaben: „Derzeit stehen keine M&A-Transaktionen auf der Agenda. Wir konzentrieren uns auf das Heben von Effizienzen im Konzern“, sagte ein Sprecher des Konzern gegenüber dem Handelsblatt.

Auch die Agnelli-Familie als größter Fiat-Aktionär widerspricht dem Bericht über eine mögliche Übernahme. Es hätten keine Gespräche über eine Fusion stattgefunden, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Exor-Holding, in der die Familie ihre gut 30 Prozent Anteile an Fiat gebündelt hat.

Die Börsianer reagierten trotzdem auf die Gerüchte: Der Aktienkurs von Fiat stieg am Donnerstag an der Mailänder Börse so stark wie seit sechs Monaten nicht mehr. Die Titel verteuerten sich in der Spitze um 5,1 Prozent und notierten um die Mittagszeit 2,9 Prozent höher. Das Unternehmen kommt damit auf einen Marktwert von 9,8 Mrd. Euro.

Experten halten die beiden VW-Vorhaben ebenfalls für ambitioniert. Der Konzern verfügte zuletzt zwar über liquide Mittel von knapp 18 Milliarden Euro. Konzernchef Martin Winterkorn hatte allerdings unlängst deutlich gemacht, dass er das Geld zusammenhalten will. „Wir haben genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“, sagte er am Rande einer Veranstaltung. VW hatte den schwedischen Lkw-Hersteller Scania vor Kurzem ganz unter seine Kontrolle gebracht. Das übrige Geld benötigen die Wolfsburger vor allem für Investitionen in neue Modelle und die weitere Modernisierung der Produktion. Schon um die Scania-Übernahme zu stemmen, hatte VW eine milliardenschwere Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Auch kartellrechtlich scheint eine Übernahme von Fiat problematisch, da die Macht von Volkswagen auf dem europäischen Markt dadurch deutlich zunehmen würde. Ein Verkauf von Alfa Romeo würde Fiat-Chef Sergio Marchionne düpieren. VW-Aufsichtsratschef Piëch hatte in der Vergangenheit mehrfach Interesse an der Fiat-Marke geäußert, erhielt von Marchionne jedoch regelmäßig eine Abfuhr. Die Italiener hatten erst vor wenigen Monaten angekündigt, Alfa Romeo zu einer neuen, globalen Premiummarke ausbauen zu wollen.

Doch dem Bericht zufolge wollen sich die italienischen Eigner weitgehend aus dem wenig profitablen Automobilgeschäft zurückziehen und sich auf die Sportwagenmarke Ferrari konzentrieren. Darum gehe es in den Gesprächen vor allem um Chrysler, berichtete das Magazin. Doch die profitablen Amerikaner sind derzeit die Lebensversicherung von Fiat. Einen Verkauf müssten sich die Italiener teuer bezahlen lassen.

Börse am Mittag

Kleine Delle für VW

Börse am Mittag: Kleine Delle für VW

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Kommentare (8)

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Herr Moritz J. Mueller

17.07.2014, 11:55 Uhr

Soweit musste es, nach jahrzehnte langer Misswirtschaft und Arroganz, mit Fiat kommen. Nun versuchen John Elan (mit der Familie Agnelli) und Marchionne noch, um noch ihren Allerwertesten zu retten, zu pokern. Nur ist ihr Blatt völlig leer und sie haben nichts mehr, außer verheerenden, selbsverschuldetetn Schulden, in der Hand. Daher währe Piech und VW gut beraten es wie Hyundai mit KIA zu machen. Und nicht wie GM mit Daewoo. Will heißen; auf den Konkurs von Fiat warten und dann für kleines Geld und ohne Schulden die Konkursmasse kaufen. Und nicht wie GM, die in ihren Großmachtsfantasien, damals Daewoo mit all seinen Schulden aufgekauft hatten.

Herr peter Spirat

17.07.2014, 11:56 Uhr

Wow Glückwunsch Herr Dr. Piech.

Wenn das klappt, stellt keiner mehr die Frage, wer Nummer-1 auf dem Weltmarkt ist. Qualität und Zuverlässigkeit zahlt sich eben aus.

Herr Josef Schmidt

17.07.2014, 12:13 Uhr

Bei 60 Milliarden Schulden was spielt für eine Rolle wenn nochmal 10 dazu kommen.

Zwar wird danach die Umsatzrendite bei Null oder negativ sein aber dann ist man wenigstens grösster Autobauer der Welt.

Und einige Fiat Bauteile machen sich auch im Passat und Golf bestimmt gut.

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