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16.01.2013

08:10 Uhr

Nach Notlandung

Zwei Dutzend Dreamliner bleiben am Boden

Pannenserie ohne Ende: Die beiden größten Flotten des Boeing-Vorzeigejets 787 bleiben bis auf Weiteres am Boden. Nach einer Notlandung einer All-Nippon-Airways-Maschine stoppt auch Japan Airlines seine „Dreamliner“.

Japans Airlines halten alle 787 nach Notlandung am Boden

Video: Japans Airlines halten alle 787 nach Notlandung am Boden

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TokioEine Maschine aus Boeings pannengeplagter Superflieger-Reihe „Dreamliner“ (787) ist am Mittwoch in Japan notgelandet. Wie die betroffene Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) mitteilte, mussten alle 137 Passagiere und Crewmitglieder nach der Landung auf dem westjapanischen Flughafen Takamatsu die Maschine verlassen, nachdem Rauch in der Maschine bemerkt worden war.

Fünf Personen seien leicht verletzt worden, ein Passagier wurde wegen Rückenbeschwerden laut örtlichen Medien ins Krankenhaus gebracht. Die japanische Flugsicherheitsbehörde sprach von einem „ernsten“ Zwischenfall.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Bis auf Weiteres bleiben daher alle 17 ANA-Dreamliner am Boden. Auch der Konkurrent Japan Airlines folgte am Mittwoch dem Beispiel und entschied sich gegen Starts seiner sieben Maschinen des Typs 787. Damit sind die bislang beiden größten 787-Flotten außer Dienst gesetzt.

Das ist das schlimmste Flugzeug-Entwicklungsprogramm, dass Boeing erlebt hat – wenn man sich den ganzen Ärger und die Verspätungen anschaut“, sagte Richard Aboulafia, Berater bei der Teal Group, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Flugzeugentwicklung war von jahrelangen Verzögerungen bis zur Erstauslieferung an ANA geplagt.

Größte Dreamliner-Flotten (Stand: Ende 2012)

All Nippon Airways

17 Maschinen im Dienst

weitere 49 bestellt

Japan Airlines

7 Maschinen im Dienst

weiter 38 Maschinen bestellt

United Airlines

6 Maschinen im Dienst

weitere 36 Maschinen bestellt

Air India

5 Maschinen im Dienst

weitere 22 Maschinen bestellt

Qatar Airways

5 Maschinen im Dienst

weitere 25 Maschinen bestellt

Ethiopian Airways

4 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

LAN Airlines

3 Maschinen im Dienst

weitere 23 Maschinen bestellt

LOT (Polen)

2 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

Der jüngste Vorfall ereignete sich auf einem Flug von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio. Rund 35 Minuten nach dem Start habe man in der Maschine Rauch bemerkt. Daraufhin leitete der Pilot in Takamatsu eine Notlandung ein und ließ alle Passagier über Notrutschen das Flugzeug verlassen. Einen Löscheinsatz habe es nicht gegeben. Der Pilot habe ausgesagt, dass ein Instrument im Cockpit Batterieprobleme angezeigt und es einen ungewöhnlichen Geruch gegeben habe.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

16.01.2013, 05:33 Uhr

Boeings (Alb)Dreamliner 787
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"Boeing wird derzeit von einer Serie von Zwischenfällen bei Dreamlinern erschüttert. In den vergangenen Tagen war der Airbus -Konkurrent mit zwei Treibstofflecks, einem Batteriefeuer, einem Kabelproblem, einer Bremsstörung sowie einem zersprungenen Cockpit-Fenster in den Schlagzeilen."

All Nippon Airways und Japan Airlines sollten alle weitere Bestellungen stornieren und lieber den Airbus 380 ordern.
Dieser ist sicherer als dieser "Pannenflieger".
Boeing mag zwar früher hochwerteige Flugzeuge geliefert haben, aber heute ...

"Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt."
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Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats."
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Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme."

Account gelöscht!

16.01.2013, 06:17 Uhr

"Dreamliner"? Man sollte vielleicht eher die Bezeichnung "glitchliner" erwägen!

SlingShot

16.01.2013, 07:23 Uhr

es handelt sich wahrscheinlich um "Kinderkrankheiten" und nicht um schwerwiegende Konstruktions- oder Produktionsfehler von Boeing. Auch diese werden sicherlich in Kuerze ueberwunden sein.
Ein ernsthafter Zwischfall mit Verletzten oder Todesopfern koennte Boeing jedoch um Jahre zurueckwerfen und den Ruf fuer Jahrzehnte schaedigen.
Auf jeden Fall wird das Eis fuer Boeings Dreamliner immer duenner.

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