Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2012

17:55 Uhr

Nach Obama-Sieg

Harte Zeiten für die Öl-,Gas- und Kohle-Branche

Barack Obama wird weitere vier Jahre die USA regieren. Darüber ärgern sich nicht nur die unterlegenen Republikaner, sondern auch die Öl-, Gas- und Kohlemanager des Landes. Es droht eine Verschärfung der Förderauflagen.

Barack Obama: Nicht alle freuen sich über seine Wiederwahl. AFP

Barack Obama: Nicht alle freuen sich über seine Wiederwahl.

Washington/Berlin„Vier weitere Jahre“ - die Twitter-Botschaft von Barack Obama zum Wahlsieg wird in den Ohren der Gas-, Öl- und Kohle-Manager weniger verheißungsvoll denn unangenehm klingen. Zwar ist zweifelhaft, ob Obama einen neuen Anlauf für ein Klimagesetz und den Durchbruch von grünem Strom unternimmt. Dafür fehlt ihm weiterhin die Mehrheit im Kongress.

Allerdings gilt als wahrscheinlich, dass der Präsident den bisherigen Weg weitergeht und die Auflagen zur Förderung von Kohle, Gas und Öl verschärft. „Die Firmen werden weniger Zugang zu öffentlichem Land bekommen und die Behörden werden ihnen genauer auf die Finger gucken“, sagt denn auch Dan Pickering, Chef-Stratege des Fonds TPH Asset Management in Houston.

So will Obama die Wirtschaft ankurbeln

Jobs

Obama will der Industrie zu einer Renaissance verhelfen. Bis 2016 sollen eine Million neue Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe entstehen. Mehr als 600.000 Jobs sollen durch den Ausbau des Erdgassektors geschaffen werden, wodurch das Land unabhängiger von ausländischem Öl werden soll. Zudem sollen 100.000 Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften eingestellt werden. Geplant sind enorme Investitionen in die Infrastruktur: Etwa die Hälfte des durch den Rückzug aus dem Irak und Afghanistan eingesparten Geldes soll in den Bau von Straßen und Brücken, Flughäfen und Schulen gesteckt werden. Allerdings ist fraglich, ob der Präsident dafür die Zustimmung des von den Republikanern dominierten Repräsentantenhauses gewinnt.

Haushalt

Obama will das Staatsdefizit in den kommenden zehn Jahren um mehr als vier Billionen Dollar (rund 3,1 Billionen Euro) drücken. Dazu sollen Steuererleichterungen für Besserverdiener auslaufen, die unter seinem Vorgänger George W. Bush beschlossen wurden. Auch Steuerschlupflöcher sollen geschlossen werden. Gleichzeitig soll die Unternehmenssteuer von 35 auf 28 Prozent gesenkt werden, indem im Gegenzug Steuerausnahmen gestrichen werden, die beispielsweise Öl- und Gaskonzerne bevorteilen. Auch sollen Steuervergünstigungen für Unternehmen wegfallen, die Jobs ins Ausland verlagern. Die andere Hälfte des Geldes, das durch den Rückzug der US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan eingespart wird, soll für den Defizitabbau genutzt werden.

Notenbank

Obama wird Notenbankchef Ben Bernanke voraussichtlich eine dritte Amtszeit anbieten. Experten aber gehen davon aus, dass der frühere Princeton-Professor nach acht schwierigen Jahren kein Interesse daran haben dürfte. Bernankes Amtszeit endet am 31. Januar 2014. Als Favorit für seine Nachfolge gilt Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen. Sie dürfte die Nullzinspolitik und Geldspritzen für die Wirtschaft fortsetzen, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich und nachhaltig verbessert hat.

Bankenregulierung

Der Präsident dürfte seinen Kurs der stärkeren Regulierung der Wall Street fortsetzen, mit der er in seiner ersten Amtszeit unter dem Eindruck der Finanzkrise begann. Dazu sollen die Details des 2010 verabschiedeten Dodd-Frank-Gesetzes umgesetzt werden. Die Behörden haben seither die Möglichkeit, die Macht von Großbanken zu beschneiden. Einer Zerschlagung sind allerdings hohe Hürden gesetzt.

Häusermarkt

Obama will Hausbauern bei der Umschuldung ihrer Kredite helfen, damit sie in den Genuss der extrem niedrigen Marktzinsen kommen. Der Chefaufseher der beiden staatlich kontrollierten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac steht dem bislang im Weg. Er weigert sich, die Zinsen und Gebühren für diejenigen zu senken, deren Schulden höher sind als der Wert ihres Hauses. Fannie Mae und Freddie Mac kommen zusammen auf einen Marktanteil von 60 Prozent. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner wollen mehr Wettbewerb auf dem Markt der Immobilienkredite und die Macht dieser beiden Unternehmen beschneiden.

„Die gute Nachricht ist, dass mit Obama ein Präsident gewählt wurde, der den Klimawandel für eine der größten Herausforderungen in der Welt hält und seine Politik danach ausrichtet“, sagt Arne Jungjohann von der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington, die den Grünen nahesteht. „Die US-Umweltbehörde wird weitere Effizienzstandards festschreiben, für die Autoindustrie oder auch für Gebäude, wo bisher fast nichts passiert ist“, sagt er voraus.

Nach dem Scheitern seines Klimagesetzes hatte Obama eine Energie-Strategie des „all of the above“, des „von allem etwas“ verfolgt. So setzte er sich nicht nur für Steuer-Erleichterungen und Staatsgarantien für Wind- und Solarprojekte ein, sondern sprach sich auch für die Nutzung neu erschlossener Gas- und Ölquellen sowie der Atomkraft aus.

Twitter und Co.: Warum die US-Wahl auch im Web 2.0 gewonnen wurde

Twitter und Co.

Warum die US-Wahl auch im Web 2.0 gewonnen wurde

Fast jeder dritte Amerikaner hat sich in seiner Entscheidung für Obama oder Romney von sozialen Netzwerken beeinflussen lassen. Fotos und Botschaften in Facebook und Twitter entscheiden Wahlen - bald auch in Deutschland?

Er blieb damit aber weit hinter Mitt Romney zurück, der das Land bis 2020 vollständig von Energie-Importen unabhängig machen wollte und vor allem die Erneuerbaren Energien als zu teuer und ineffizient brandmarkte. „Man kann ein Auto nicht mit einem Windrad auf dem Dach fahren“, höhnte er. Dafür sollten die Förderung fossiler Energien von Fesseln befreit werden und beispielsweise das Fracking, die Förderung von Gas und Öl mittels eines Gemisches aus Wasser und Chemikalien, völlig freigeben.

Auch hier hat Obama schärfere Auflagen angekündigt. Derzeit weiß die Öffentlichkeit kaum etwas über die eingesetzten Chemikalien beim sogenannten Fracking. Zudem gelten die Auswirkungen auf das Grundwasser als nicht ausreichend erforscht, so dass auch hier die Umweltbehörde Vorgaben machen könnte. Ähnliches gilt für Öl-Bohrungen sowohl an Land als auch vor der Küste.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas

07.11.2012, 20:17 Uhr

"Harte Zeiten für die Öl-,Gas- und Kohle-Branche"

Wohl eher werden die Zeiten für die Menschen hart die Öl oder GAS im Winter zum Heitzen benötigen.
Genau hier liegt der Punkt andem die Politik Romnys für uns besser gewesen wäre.
Ich sage nicht das Romny gegen Obama der Große Wurf gewesen wäre, die Unterschiede zwischen Romny und Obama waren nicht groß Leider unterscheidet sich die Politik Obamas auch nur Marginal von der Politik eines Buschs.
Aber die Klimalüge ist und bleibt der Gipfel.

vandale

07.11.2012, 23:03 Uhr

Obama wurde während beider Kampagnen massiv von der Ökolobby unterstützt. Dafür hatte er Subventionsgesetze zugunsten "Erneuerbarer Energien" erlassen.
Moderne Energieformen wurden durch die Umweltschutzbehörde massiv behindert. Die EPA hatte hunderte von Kohleabbaugenehmigungen verschleppt.

Der Kongress hatte dagegen alle Klimaschwindelgesetze blockiert und droht jetzt zum Jahresende die Subventionsgesetze für umweltschädliche Windmühlen und Solarzellen zu blockieren.

Und so muss man sich nicht wundern wenn die USA nicht vorankommen.

Vandale

HofmannM

08.11.2012, 08:02 Uhr

Obama braucht Wirtschaftswachstum. Er braucht produktive Arbeitsplätze und dazu braucht Obama Oel,Gas und Kohle im Überfluss. Die europäische Ökosichtweise mit den Erneuerbaren Energien wird weder Amerika noch Europa wirtschaftlich,sozial und innovativ nach vorne bringen. Gas Fracking wird sehr stark in Amerika betrieben. Genauso werden die Kernkraftwerke weiter nachgerüstet und in die Oelförderung wird auch weiter investiert. Das menschengemachte CO2-Klimawandelmärchen und die Erneuerbaren Energien haben in Amerika keine Chance mehr! Amerika setzt wieder auf seine alte starke Wirtschaft. Und damit setzt Amerika auf Oel,Gas und Kohle!
Europa dagegen ist weiterhin im starken ökologiesozialistischen Würgegriff. Man setzt mit den Erneuerbaren Energien und der Bürgschaftspolitik verschuldeter EU-Länder auf Wohlstandsvernichtung und soziale Mangelwirtschaft.
Die Zukunft für ein wirtschaftlich-sozial starkes Industrieland liegt in der Kohle,Gas,Oel und Uran!
Dies wird aber unsere Ökologiesozialistin Dr.Merkel, ihres Zeichen Kanzlerin von Deutschland, NIE begreiffen. Sie lebt in einer Glaubenswelt, die mit der Realität nichts gemein hat!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×