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11.07.2013

11:31 Uhr

Nach schwachem Halbjahr

Chemiebranche erwartet keinen Umschwung

Nach dem verhaltenen ersten Halbjahr erwarten die Chemiefirmen auch in der zweiten Jahreshälfte nur eine leichte Belebung ihres Geschäfts. Dass das Gesamtjahr nicht noch schlechter wird, liegt an einem wichtigen Rohstoff.

Der Bayer-Chemiepark in Leverkusen: Die Branche sieht nur minimale Zuwächse im zweiten Halbjahr. dpa

Der Bayer-Chemiepark in Leverkusen: Die Branche sieht nur minimale Zuwächse im zweiten Halbjahr.

FrankfurtDie Chemieindustrie hat nach einem schwachen ersten Halbjahr wenig Hoffnung auf Besserung. „Die Geschäftserwartungen der Branche schwanken um die Nulllinie“, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Merck -Chef Karl-Ludwig Kley, am Donnerstag in Frankfurt. Die Mehrheit der Unternehmen rechne für die zweite Jahreshälfte nicht mit einer Belebung des Chemiegeschäfts. Ein Abrutschen der deutschen Wirtschaft in die Rezession werde allerdings auch nicht befürchtet.

Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach Autobranche und Maschinenbau geht wie bisher für das Gesamtjahr lediglich von einem Anstieg der Chemieproduktion um 1,5 Prozent aus. Die Chemieindustrie mit Branchengrößen wie BASF, Bayer, Evonik und Lanxess senkte zudem ihre Jahresprognose für den Branchenumsatz leicht auf plus 1,5 Prozent von bislang plus 2,0 Prozent. Grund sind die Erzeugerpreise, die laut VCI 2013 nun vorrausichtlich stagnieren werden. Bislang wurde mit einem leichten Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Die Preise für den wichtigen Rohstoff Rohöl waren gesunken, was Unternehmen nun an die Kunden weiterreichen.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Das erste Halbjahr fiel für die Branche verhalten aus. Sowohl Umsatz und Produktion stagnierten zum Vorjahreszeitraum. Die Unternehmen konnten zudem ihre Preise nicht erhöhen. In Deutschland liege die Chemieproduktion immer noch unter dem Vorkrisenniveau von 2007, sagte VCI-Chef Kley. „Insofern können wir nicht zufrieden sein.“

Von

rtr

Kommentare (2)

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Armseliges_Blatt

11.07.2013, 11:53 Uhr

"Der Ölpreis ist gesunken, der Grundstoff für viele Produkte in der Chemieindustrie liefert damit keinen Grund für Preiserhöhungen"

Hallo HB, AUFWACHEN!!!

Der Rohölpreis ist auf dem höchsten Niveau seit 14 Monaten.

Armselig. Sehr armselig.

Account gelöscht!

12.07.2013, 06:15 Uhr

Bei BASF hat sich seit April 2011 nichts wesentliches am Aktienkurs nach oben getan. Die standen damals bei 68 und heute bei 70 - zwischendurch mal bei sagenhaften 75. Nur für Daytrader interessant. Abwärtspotential sehe ich mittelfristig höher. Wo soll es auch herkommen, bei der weltweiten Konjunkturlage.

Zwischenzeitlich sind die von der Mehrheit der Analysten natürlich ständig auf Kaufempfehlungsseite geblieben, Soviel zu der Ahnung der Bestbezahlten.

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