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21.06.2014

14:08 Uhr

Nach Siemens-Niederlage im Bieterwettstreit

Großaktionär und Paris feilschen um Alstom-Anteile

Der französische Staat will selbst bei Alstom einsteigen, Siemens ist raus. Doch Frankreichs Regierung bietet Hauptaktionär Bouygues zu wenig. Die Gespräche seien derzeit „blockiert“, heißt es in Paris.

Offenbar besteht Uneinigkeit zwischen der Regierung und dem bisherigen Alstom-Hauptaktionär Bouygues über den Preis der Anteile. dpa

Offenbar besteht Uneinigkeit zwischen der Regierung und dem bisherigen Alstom-Hauptaktionär Bouygues über den Preis der Anteile.

ParisDie Verhandlungen über einen Einstieg des französischen Staates mit 20 Prozent beim Energie- und Transportkonzern Alstom haben sich am Samstag schwierig gestaltet. Wie aus informierten Kreisen in Paris verlautete, bestand Uneinigkeit zwischen der Regierung und dem bisherigen Hauptaktionär Bouygues über den Preis der Anteile. Die Gespräche seien derzeit „blockiert“.

Frankreich will zwei Drittel der Anteile des Mischkonzerns Bouygues an Alstom übernehmen. Nach unbestätigten Informationen will der Staat 28 Euro pro Aktie bezahlen, den Wert bei Handelsschluss am Freitag. Damit müsste Paris über 1,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Bouygues soll aber 35 Euro verlangen, dann kämen über 2,1 Milliarden Euro als Kaufsumme für den 20-Prozent-Anteil auf den Staatshaushalt zu..

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte am Freitag angekündigt, dass Paris in einer Allianz mit dem US-Konzern General Electric (GE) mit 20 Prozent bei Alstom einsteigen werde. Dafür werde der Staat zwei Drittel des 29,4-Prozent-Anteils von Bouygues kaufen.

Die neuen Gebote von Siemens und GE

Angebote aufgestockt

Das Bündnis von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der konkurrierende US-Konzern General Electric (GE) haben ihre Angebote für den französischen Technologiekonzern Alstom aufgestockt. Eine Übersicht über die Pläne, die am Donnerstag und Freitag vorgestellt wurden.

Siemens/MHI – Sahnestück höher bewertet

Siemens kauft Alstom das Gasturbinengeschäft für 4,3 Milliarden Euro ab und zahlt damit 400 Millionen Euro mehr als anfangs geplant. Die Deutschen haben sich das Sahnestück aus dem Portfolio des französischen Konzerns nach eigenen Angaben noch einmal genauer angeschaut und bewerten es nun höher als bisher.

Höherer MHI-Anteil bei Energietechnik

MHI beteiligt sich mit 40 Prozent an weiteren Energietechnikgeschäften der Franzosen, nämlich Dampfturbinen- und Nukleartechnik, Wasserkraft und Netzausrüstung. Dafür zahlen die Japaner 3,9 Milliarden Euro. Die Aufstockung von 800 Millionen Euro über dem bisherigen Angebot begründen sie damit, dass man nun einen höheren Anteil anstrebe. Bisher hatten sie drei Einzelbeteiligungen zwischen 20 und 40 Prozent vorgesehen.

400 Millionen Euro Barmittel mehr

Mit der Barzahlung von zusammen 8,2 Milliarden Euro bewerten die Partner die Alstom-Energiesparte nun mit insgesamt 14,6 Milliarden Euro, 400 Millionen mehr als bisher. Unangetastet bei Alstom verbleiben die Sparte für Windkraft und weitere Erneuerbare Energien sowie zunächst auch der Zugbau.

Schnellere Bahnkooperation

Der ICE-Hersteller Siemens will eine Kooperation mit dem TGV-Produzenten Alstom nun schneller vorantreiben als bisher. Statt erst nach dem angestrebten Energietechnik-Deal über einen möglichen europäischen Primus im Bahntechnikgeschäft zu sprechen, bietet Siemens nun an, schon einmal ein Gemeinschaftsunternehmen für Mobilitätsmanagement und Signaltechnik in Angriff zu nehmen.

1000 neue Jobs

Die Konsortialpartner versprechen den Franzosen 1000 neue Jobs und weitere 1000 Ausbildungsplätze.

General Electric – Goldene Aktie für Frankreich

GE plant drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom, an denen beide Firmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein sollen: Die Netztechnik beider Konzerne soll zusammengelegt werden, außerdem steigt GE im Wind- und Wasserkraftgeschäft und im Nuklear- und Dampfturbinengeschäft der Franzosen ein. Um die französische Regierung zu beruhigen, soll sie bei dem geplanten Atomkraftausrüster eine Goldene Aktie mit Vetorecht erhalten und Patente der Sparte in einer staatlichen Gesellschaft verwalten. Bisher hatte GE das Energiegeschäft komplett übernehmen wollen.

Angebot für Energiesparte unverändert

Der US-Konzern bewertet die Alstom-Energiesparte nach wie vor mit 12,35 Milliarden Euro. GE machte die geplante Barzahlung an Alstom nicht publik, betonte aber, sie liege über dem nachgebesserten Angebot von Siemens und MHI.

Signaltechnik an Franzosen

In der Bahntechnik will GE ähnlich wie Siemens ein Bündnis mit Alstom schmieden. Unter anderem wollen die Amerikaner ihre Signaltechnik an die Franzosen verkaufen.

Gleiches Arbeitsplatzversprechen

GE verspricht Regierung und Gewerkschaften die Schaffung 1000 neuer Arbeitsplätze in Frankreich.

Damit ist der deutsche Siemens-Konzern aus dem Bieterrennen. Zusammen mit dem japanischen Verbündeten Mitsubishi Heavy Industries (MHI) hatte Siemens zuletzt 8,2 Milliarden Euro für Teile von Alstom geboten. Der Münchner Konzern wollte das Gasturbinen-Geschäft für 4,3 Milliarden Euro komplett übernehmen, in den Bereichen Dampf, Energienetze und Wasserkraft wollte Mitsubishi 40 Prozent an einer Holding mit Alstom.

Auch der US-Konzern General Electric (GE) hatte sein Angebot noch zuletzt nachgebessert und insbesondere drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom als gleichrangigem Anteilseigner im Energiebereich angeboten. GE hatte für die komplette Energiesparte ursprünglich 12,35 Milliarden Euro geboten.

MHI bedauerte am Samstag in einer Stellungnahme die Entscheidung der französischen Regierung. Sie hatte sich am Vorabend für das Angebot von GE ausgesprochen und die deutsch-japanische Allianz damit vom Platz geschickt. Mitsubishi wolle jedoch auch weiterhin seine Beziehungen zu Frankreich und französischen Industriepartnern in der Zukunft entwickeln, erklärte der japanische Mischkonzern.

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