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22.03.2013

15:41 Uhr

Nach Sparplan-Ablehnung

GM lässt Bochumer Opel-Betriebsrat auflaufen

Nachdem die Sparpläne abgelehnt wurden, ist die Ansage aus Detroit klar: Keine Verhandlungen. Damit dürfte das Opel-Werk in Bochum schon 2014 geschlossen werden. Der Betriebsrat will weiter kämpfen.

Prinzip Hoffnung: Die Belegschaft will weiter für den Fortbestand des Opel-Werks Bochum kämpfen. Reuters

Prinzip Hoffnung: Die Belegschaft will weiter für den Fortbestand des Opel-Werks Bochum kämpfen.

HamburgDie Bochumer Opelaner haben sich womöglich verzockt: Mit ihrer Ablehnung des Sanierungsplans wollte die Belegschaft weitere Verhandlungen mit General Motors erzwingen. Das Management des Autokonzerns aus Detroit blieb jedoch hart und ließ am Freitag über seine Rüsselsheimer Tochter Opel mitteilen, die Autofabrik im Ruhrgebiet mit 3200 Beschäftigten werde bereits Ende 2014 dichtgemacht - zwei Jahre früher als im neuen Tarifvertrag in Aussicht gestellt. Der gilt nach dem Nein von Bochum jedoch nur für die anderen Opel-Werke. "Es wird keine weiteren Verhandlungen geben", betonte ein Unternehmenssprecher. Opel kündigte zudem an, die Getriebefertigung in Bochum Ende 2013 einzustellen, die nach dem Kompromiss zunächst erhalten werden sollte.

Damit liefen Versuche des Bochumer Betriebsrats ins Leere, der auf ein Umdenken bei dem US-Konzern hoffte: "Ich setze darauf, dass sich die vernünftigen Kräfte bei General Motors durchsetzen", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel der Nachrichtenagentur Reuters. Er argumentierte damit, die Schließung der Fabrik würde eine Milliarde Euro verschlingen und das ohnehin angekratzte Ansehen von Opel weiter beschädigen.

Die Belegschaft der 50 Jahre alten Fabrik in der strukturschwachen Region hatte den zwischen Management und IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan am Donnerstag mit großer Mehrheit abgelehnt. Dadurch kam es zu einer Spaltung, denn die Beschäftigten an den Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen haben den Kompromiss angenommen. Im Werk Eisenach sollen die Gewerkschaftsmitglieder am Dienstag über den Sanierungsplan abstimmen. Auch dort wird eine Zustimmung zu dem Konzept des Managements erwartet.

Der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt wird dem Tarifvertrag mit Opel am Mittwoch voraussichtlich zustimmen. Damit stünden die Bochumer auf verlorenen Posten. Die Situation ist für die größte deutsche Gewerkschaft nicht ohne Risiko, da sie am Beginn von Tarifverhandlungen für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie steht. Ein ständiger Brandherd in Bochum könnte die öffentliche Aufmerksamkeit von den wichtigen Lohngesprächen ablenken und die IG Metall zudem Unterstützung kosten, glauben Gewerkschafter.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Opel muss zudem befürchten, erneut mit Werksschließungen in Verbindung gebracht zu werden, worunter der Ruf des Autobauers weiter leidet. Dies ist neben der Absatzkrise in Südeuropa ein Grund, warum die Marke mit dem Blitz seit Monaten verblasst - in der EU sank der Marktanteil zuletzt auf einen Tiefstand von 6,1 Prozent.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

22.03.2013, 16:47 Uhr

Mit Amerikanern erfolgreich zu verhandeln, bedarf einer besonderen Mentalität, deutsch treu-blaue Augen helfen da gar nichts.
Poker ist schließlich eine amerikanische Erfindung.

Realist

22.03.2013, 16:59 Uhr

Das Werk ist tot. Mausetot.

Pro Jahr Betriebszugehörigkeit 1,5 Monatsgehälter. Oder Transfergesellschaft. Für alle, die direkt dort angestellt sind. Für 3000. Mehr geht nicht.

GM hat nichts mehr zu verlieren. Opel als Marke ist ohnehin kaputt.

Zulieferer etc. gehen leer aus. Bitter für Bochum. Ganz bitter.

Wer stellt denn noch Leute an, die mit viel Getöse um Abfindungen kämpfen? Wohl eher niemand, Audi oder BMW nee....

kfvk

22.03.2013, 17:00 Uhr

Die Manager in Deutschland und Europa haben auszuführen, was das Management in USA beschließt. Viel Spielraum bleibt ihnen da nicht, sonst dürfen sie selber gehen. Das sollte der Betriebsrat aber wissen, wenn er verhandelt. In USA ist weder Widerspruch noch Mitdenken von unten erwünscht oder üblich. Deshalb prallen hier Welten aufeinander. Und die Schließung einzelner Werke ist auch eine feine Sache, weil es zu einer Aufspaltung der Belegschaften führt, in einen betroffenen Teil und in einen, der bis zum nächsten Mal relativ entspannt sein kann. Viel praktischer für das Unternehmen als einzelnen Mitarbeitern nach einer langwierigen Sozialauswahl zu kündigen. Da wird es für Bochum wohl eng werden.

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