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28.05.2012

17:56 Uhr

Nach Tarifverhandlungen

IG Metall sieht Zeitarbeit als Chance für Ingenieure

VonDietrich Creutzburg

ExklusivZeitarbeit wird für einfachere Arbeit künftig an Bedeutung verlieren, stattdessen wird sie sich auf hochqualifizierte Tätigkeiten konzentrieren. Das erwartet die IG Metall nach ihren jüngsten Tarifabschlüssen.

Der Bezirksleiter der IG Metall im Südwesten, Jörg Hofmann. dpa

Der Bezirksleiter der IG Metall im Südwesten, Jörg Hofmann.

Düsseldorf„Leiharbeit wird sich mehr auf hochqualifizierte Tätigkeiten konzentrieren“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Ingenieurleistungen und Projektarbeit, bei denen die Lohnkosten meist nicht entscheidend seien, rückten damit in den Vordergrund. „Die Leiharbeit wird sich wandeln und aus der Schmuddelecke des Billiglohns herauskommen müssen“, sagte Hofmann voraus.

Die IG Metall hatte mit den Zeitarbeitsverbänden vereinbart, dass Zeitarbeiter bei Einsäten in Metall-Betrieben künftig Lohnzuschläge von bis zu 50 Prozent erhalten. Der Tariflohn für Hilfsarbeiter steigt damit bei Einsätzen von mehr als neun Monaten Dauer auf 12,88 Euro pro Stunde.  Nach einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall sind bisher die Hälfte der rund 240.000 Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie un- und angelernte Kräfte. 40 Prozent sind Facharbeiter, zehn Prozent sind Meister, Techniker oder Ingenieure.

Neben den höheren Lohnkosten werde auch die stärkere Mitsprache der Betriebsräte in der Industrie die Bedeutung der Zeitarbeit verändern, erwartet.  Im neuen Metall-Tarifvertrag, den Hofmann  als Verhandlungsführer durchgesetzt hat, sind unter anderem konkrete Bedingungen definiert, unter denen Betriebsräte dem Einsatz von Zeitarbeitern widersprechen können. Damit sei „ein stumpfes Schwert deutlich geschärft“ worden, sagte er. Insgesamt gebe es nun „ein Regelwerk, mit dem – wenn es die Betriebsräte offensiv nutzen – Problemfälle wie etwa BMW Leipzig keine Zukunft mehr haben“. BMW beschäftigt in Leipzig etwa ein Drittel des Personals als Zeitarbeiter.

Ihren Kampf für strengere gesetzliche Vorschriften zur Begrenzung der Zeitarbeit gibt die IG Metall trotzdem nicht auf. „Der jetzige Tarifabschluss ist ein erster Schritt“, sagte Hofmann. Die Politik sei aber „weiter in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen von Leiharbeit grundsätzlich neu zu ordnen“. Das Prinzip gleicher Löhne für Zeit- und Stammkräfte müsse gestärkt, der Spielraum für befristete Arbeitsverträge mit Zeitarbeitern eingegrenzt werden.

Kommentare (11)

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Robby675

28.05.2012, 19:26 Uhr

Um aus der "schmuddelecke des Billiglohnes" herauszukommen, sollte der werte Herr damit aufhören zu behaupten, daß die Hälfte der Leiharbeiter ungelernte Kräfte seien und die Seriösität der Quelle in Frage stellen. Diese "Umfragen" genießen einen zweifelhaften Ruf.

Nachwuchs

28.05.2012, 20:05 Uhr

Jetzt wollen und unterstützen sogar die Gewerkschaften die Sklavenhalter.Warum schämen sich die Gewerkschafter nicht? Menschenverachtung der Deutschen hat Hochkonjunktur in Deutschland.

Peterle

28.05.2012, 20:45 Uhr

Ein guter Bekannter von mir ist Facharbeiter (Schlosser) und
erhält in einem Rüsselsheimer Kleinbetrieb 8,50 Euro/Stunde,
kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keinen Überstunden-
zuschlag. Der Arbeitsvertrag ist
unbefristet, aber der Mann ist 52 Jahre alt. Sein Alter macht ihn
erpressbar, ebenso wie tausende von älteren Facharbeitern,
die nie und nimmer 12,88 Euro/Stunde brutto erhalten werden,
weil sie nicht mehr so zulangen können wie ein Junger.
Aber auch die Jungen, die man z.Zt. zu Tausenden aus Europa heranschafft, werden einmal älter und zu einem sozialen
Problem.

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