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20.06.2013

14:04 Uhr

Nach VW-Machtübernahme

MAN-Aktionäre entfesseln Rechtsstreit

Seit rund zwei Wochen hat VW bei MAN das Sagen, doch schon jetzt kündigt sich ein jahrelanger Rechtsstreit mit den Aktionären an. Ihre Forderung ist simpel: Sie wollen Geld – und zwar viel mehr als VW zahlen will.

Das Logo von Lastwagenbauer MAN: Kleinaktionäre klagen gegen das Angebot von Volkswagen. dpa

Das Logo von Lastwagenbauer MAN: Kleinaktionäre klagen gegen das Angebot von Volkswagen.

MünchenBeim Lastwagenbauer MAN beginnt zwei Wochen nach der Machtübernahme durch VW das juristische Tauziehen um den Umgang mit den Kleinaktionären. Weil bei der Hauptversammlung Anfang Juni Fragen nicht beantwortet worden seien, reichte eine Anwaltskanzlei aus Düsseldorf nach eigenen Angaben am Donnerstag Klage auf Auskunftserteilung beim Landgericht München ein. Zudem kündigte Jurist Peter Dreier an, die Höhe des Abfindungsangebots an die Kleinaktionäre, das „unangemessen niedrig“ sei, später „gesondert in einem Spruchverfahren prüfen lassen“ zu wollen. MAN lehnte eine Stellungnahme ab. Das Landgericht München wollte sich nicht äußern, weil noch keine Klage vorliege.

Bei der Hauptversammlung hatte sich der Wolfsburger VW-Konzern, der gut 75 Prozent der Anteile an MAN hält, mittels eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags den vollen Zugriff auf die Lkw-Tochter gesichert. Viele Aktionärsvertreter stellten dazu detaillierte Fragen; die Qualität der Antworten von MAN-Management und Aufsichtsrat wurde schon während der Veranstaltung bemängelt. Anwalt Dreier, dessen Kanzlei im Auftrag einer Börsenzeitschrift klagt, kritisierte, den Anteilseignern seien wichtige Auskünfte vorenthalten worden, etwa darüber, mit welchen Beträgen sie rechnen können, wenn sie ihre Aktien erst später verkauften.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller

1. Dongfeng

Die Dongfeng Motor Corporation ist ein chinesisches Großunternehmen im Lastkraftwagenbau, Busbau und Personenwagenbau sowie in der Entwicklung und Herstellung von Motoren und Fahrzeugkomponenten. Gleichzeitig ist das Unternehmen mit 300.100 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 10,3 Prozent im Jahr 2010 der weltgrößte Lkw-Hersteller gewesen.

2. Daimler Trucks

Daimler Trucks belegte mit 280.700 verkauften Einheiten und 9,7 Prozent Marktanteil im Jahr 2010 den zweiten Platz bei den weltgrößten Herstellern von Lkw mit einem Gewicht von mehr als sechs Tonnen.

3. First Automotive Works

First Automotive Works (FAW) ist der größte chinesische Hersteller von Dieselmotoren, Pkw sowie mittleren bis schweren Bussen und Lkw. FAW produziert an insgesamt 19 verschiedenen Standorten hauptsächlich im Nordosten von China. Außerdem hat FAW noch Fabriken in Russland und der Ukraine. FAW verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 274.300 Lkw und erreichte einen Marktanteil von 9,5 Prozent - Platz drei bei den weltgrößten Lkw-Herstellern.

China National Heavy Duty Truck

Das chinesische Staatsunternehmen China National Heavy Duty Truck kommt mit 199.900 verkauften Lkw auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent im Jahr 2010.

5. Tata Motors

Tata Motors ist der größte Automobilhersteller in Indien und gehört mehrheitlich zur Tata Group. Das Unternehmen ist im Finanzindex BSE Sensex gelistet. Tata Motors ist mit 194.900 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 6,7 Prozent der fünftgrößte Lkw-Hersteller der Welt.

6. MAN-Scania

MAN/Scania verkauften im Jahr 2010 zusammen 152.400 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) und belegen mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent derzeit Rang sechs bei den weltgrößten Herstellern von Lastkraftwagen.

7. Volvo Global Trucks

Die Lkw-Sparte von Volvo verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 125.800 Einheiten und belegt mit einem Marktanteil von 4,3 Prozent Platz sieben.

8. Torch

Der chinesische Hersteller Torch hat mit 113.200 verkauften Lkw im Jahr 2010 einen Marktanteil von 3,9 Prozent.

9. Beijing Automotive Industry

Die chinesische Beijing Automotive Industry kam im Jahr 2010 auf 109.400 verkaufte Einheiten und belegt damit Platz neun mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent.

10. Ashok Leyland

Der indische Nutzfahrzeughersteller Ashok Leyland produziert Lkw, Omnibusse und Militärfahrzeuge. In der Rangliste der weltgrößten Lkw-Hersteller rangiert das Unternehmen auf Platz zehn. Im Jahr 2010 wurden 80.000 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) verkauft, was einem Marktanteil von 2,8 Prozent entspricht.

VW bietet 80,89 Euro pro MAN-Papier – das ist nur etwas mehr als die 79,20 Euro, die der Autobauer mindestens zahlen muss, und weit weniger als die 95 Euro, die im Markt erwartet worden waren. „Wir wollen eine Erhöhung haben“, sagte Dreier und verwies auf die langfristig guten Perspektiven des Münchener Lkw-Konzerns. Angemessen seien „weit über 100 Euro, mindestens 110 Euro“. Sobald der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag ins Handelsregister eingetragen sei, „werden wir versuchen, das gerichtlich durchzusetzen“, kündigte Dreier an. Den Vertrag selber, mit dem VW sich die komplette Kontrolle über MAN sichert, will die Kanzlei nicht anfechten. Beide Seiten rechnen mit einem jahrelangen Rechtsstreit. MAN-Aufsichtsratschef und VW-Patriarch Ferdinand Piech hatte schon bei der Hauptversammlung gesagt: „Wir werden uns noch länger vor Gericht sehen, davon gehe ich aus.“

Von

rtr

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