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16.05.2014

10:37 Uhr

Nach Werksschließung

Opelaner in Bochum kassieren 110.000 Euro Abfindung

Mit dem Ende der Opel-Produktion in Bochum will General Motors die Kosten in Europa in den Griff bekommen. Doch die Werksschließung soll nun mehr als eine halbe Milliarde Euro verschlingen.

Mitarbeiter gehen zum Schichtwechsel durch den Personaleingang zum Opel Werk in Bochum: Mit dem Aus für die Produktion in Bochum am Jahresende gehen rund 3300 Arbeitsplätze verloren. dpa

Mitarbeiter gehen zum Schichtwechsel durch den Personaleingang zum Opel Werk in Bochum: Mit dem Aus für die Produktion in Bochum am Jahresende gehen rund 3300 Arbeitsplätze verloren.

FrankfurtDie Schließung der Fabrik in Bochum kostet den Autohersteller Opel einem Zeitungsbericht zufolge weit mehr als eine halbe Milliarde Euro. Allein der Personalabbau schlage mit knapp 552 Millionen Euro zu Buche, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Freitag unter Berufung auf Informationen aus dem Aufsichtsrat. Das Gremium habe den Betrag bereits im März abgesegnet. Ein Opel-Sprecher wollte sich dem Bericht zufolge nicht zu Interna des Aufsichtsrats äußern.

Mit dem Aus für die Produktion in Bochum am Jahresende gehen rund 3300 Arbeitsplätze verloren. Im Durchschnitt erhielten die Betroffenen 110.000 Euro als Abfindung, schreib die „FAZ“. Daneben würden eine Transfergesellschaft und Vorruhestandsregelungen finanziert. Weitere Ausgaben fielen unter anderem dadurch an, dass die Produktion des Modells Zafira von Bochum nach Rüsselsheim verlegt werde. Dies koste rund 50 Millionen Euro, berichtete das Blatt unter Berufung auf das Umfeld der Bochumer Werksleitung. Schließlich müsse Opel auch noch Geld für die Sanierung des Fabrikgeländes ausgeben.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Die Autoproduktion bei Opel in Bochum läuft zum Jahresende aus. Auf dem Gelände will die Deutsche Post ein Paketzentrum errichten. Dort sollen rund 600 neue Jobs entstehen. In einem ersten Schritt will die Post einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt investieren.

Um die Zukunft des Standorts war lange zwischen Opel-Führung und Belegschaft und auch mit dem Mutterkonzern General Motors (GM) gerungen worden. Vor rund einem Jahr wurde das Aus jedoch besiegelt.

Von

afp

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

16.05.2014, 11:14 Uhr

Toller Bericht. Soll wohl heißen: Da die Kosten für die Werksschließung hoch sind, wäre es besser es weiterzuführen?
Betriebswirtschaft 1. Semester: Ein unwirtschaftlicher Prozess wird dadurch nicht wirtschaftlich, dass die Kosten der Beendigung hoch sind, falls er anderweitig nicht wirtschaftlich gemacht werden kann.

Account gelöscht!

16.05.2014, 13:07 Uhr

Zitat : Opelaner in Bochum kassieren 110.000 Euro Abfindung

- das ist ein irrefuehrendes Geruecht !

50 % von dieser Abfindung gehen an den Staat !

Account gelöscht!

19.05.2014, 07:34 Uhr

Hohe Steuern müssen nicht sein! Ich habe selber auch eine Abfindung über 100.000 Euro bekommen und am Ende knappe 7% an Steuern bezahlt. Allerdings braucht man dazu ein paar Informationen und die richtige Strategie.
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