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15.09.2014

12:05 Uhr

Nachfrage nach E-Autos stagniert

Nissan will weniger Batterien produzieren

Die Nachfrage nach Elektroautos stockt. Nissan reagiert darauf und fährt seine Batterie-Produktion zurück. Besonders hart trifft dies die US-Werke und die Produktionsstätten in Großbritannien.

Arbeiter im japanischen Nissan-Werk: Künftige E-Modelle sollten mit günstigeren Batterien des südkoreanischen Anbieters LG Chem bestückt werden. AFP

Arbeiter im japanischen Nissan-Werk: Künftige E-Modelle sollten mit günstigeren Batterien des südkoreanischen Anbieters LG Chem bestückt werden.

ParisDie schleppende Nachfrage nach Elektroautos treibt Nissan womöglich zu einschneidenden Konsequenzen. Nach Reuters-Informationen will Konzernchef Carlos Ghosn die eigene Batterieproduktion deutlich eindampfen. An den beiden Standorten in den USA und Großbritannien soll die Fertigung auslaufen und die im heimischen Werk reduziert werden, wie zwei Insider aus der Allianz des japanischen Autobauers mit Renault berichteten. Künftige E-Modelle sollten mit günstigeren Batterien des südkoreanischen Anbieters LG Chem bestückt werden. Auf diesen greift zwar bereits Partner Renault zurück. Aber in Japan wäre ein Wechsel zur Konkurrenz in Südkorea politisch heikel. Daher dürfte es bei Nissan erheblichen Widerstand gegen den Plan geben, sagten die Insider.

„Die Abschreibungskosten könnten hoch ausfallen“, ergänzte ein Insider. Hinzu kommt, dass die Batteriewerke in den USA und Großbritannien mit Hilfe staatlicher Subventionen gebaut wurden. Hier müsste Nissan gegebenenfalls Rückzahlungen leisten.

Diese Modelle und Marken haben das erste Halbjahr gerockt

Der Quashqai führt

Die Gewinner der ersten Jahreshälfte 2014 auf dem deutschen Pkw-Markt kommen aus Japan. Den stärksten Zuwachs unter den Marken mit mehr als einem Prozent Marktanteil verbuchte laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Nissan; die Zahl der Neuzulassungen stieg – getrieben vor allem von einer starken Nachfrage nach dem neu aufgelegten Qashqai – um 22,8 Prozent auf 32.250 Einheiten.

Mazda3 liegt auf 2

Bei Mazda sorgte das neue Kompaktmodell Mazda3 für Schwung: 28.542 Neuzulassungen bedeuten ein Plus von 22,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Bronze für Skoda

Über den drittstärksten Zuwachs kann sich Skoda freuen: Die Tschechen legen mit dem stark nachgefragten Octavia um 14 Prozent auf 88.198 Einheiten zu und festigen so vor Renault ihre Position als stärkster Importeur.

Neben dem Octavia erweist sich der Rapid Spaceback als Renner. Im größten deutschen Fahrzeugsegment (kompakte Kurzheck-Modelle) gehört er zu den erfolgreichsten zehn Fahrzeugen. Bis Mai belegte er den achten Platz in seiner Klasse  

Focus und Kuga stützen Ford

Unter den deutschen Herstellern wuchs Ford am meisten, dort profitierte man von der starken Nachfrage nach den Kompaktmodellen Focus und Kuga. Das reichte für ein Plus von 9,8 Prozent auf 108.548 Neuzulassungen.

Darauf einen Mokka

Opel legte um 6,9 Prozent auf 112.923 Einheiten zu. Der Mokka war in Deutschland im ersten Halbjahr die Nummer eins im SUV-Segment. Die Insignia-Neuzulassungen legten in diesem Zeitraum gegenüber dem Vorjahr um fast 50 Prozent zu. Aber auch die angestammten Modelle im Portfolio waren erfolgreich. So belegte der Zafira Tourer sowohl im Juni als auch im ersten Halbjahr Platz zwei bei den Großraum-Vans. 

Mini verliert

Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten: bei Mini steht ein dickes Minus in der Halbjahresbilanz, der Rückgang von 12,5 Prozent auf 15.764 Neuzulassungen geht aber vor allem auf das Konto des Modellwechsels beim wichtigsten Modell der Marke, dem Dreitürer.

Käufer lassen Chevy fallen

Im freien Fall befindet sich weiterhin Chevrolet, wo die Verkaufszahlen nach dem angekündigten Marktaustritt um 62,6 Prozent auf nur noch 4.999 Fahrzeuge zurückgingen.

VW vor Mercedes und Audi

Audi konnte sein Ergebnis aus dem ersten Halbjahr 2013 um 4,3 Prozent steigern (133.751 Neuzulassungen), BMW kam auf ein Plus von 0,7 Prozent (119.619 Neuzulassungen). Ein Minus von 0,5 Prozent hingegen musste VW verbuchen; die Wolfsburger bleiben mit 323.474 Neuzulassungen aber klar die Nummer eins in Deutschland. Mercedes bleibt trotz eines Rückgangs um 3,6 Prozent mit 136.615 Einheiten vor Audi auf Rang zwei.  

Schlappe für Korea

Zu den Verlierern des Monats unter den großen Marken zählen die Koreaner. Hyundai büßte 5,3 Prozent ein (48.383 Neuzulassungen), Schwestermarke Kia 4,6 Prozent (27.699 Neuzulassungen).

Private fahren mehr Importautos

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr deutschlandweit rund 1,54 Millionen Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Importmarken steigerten ihren Anteil im Gesamtmarkt auf rund 36,1 Prozent, bei den privaten Kunden sogar auf 45 Prozent.

Eine Konzernsprecherin sagte, es gebe keine Entscheidungen über Änderungen beim Bezug der Batterien. Bislang stellt Nissan diese für die eigenen Wagen selbst her.

Ghosn, der auch auf dem Chefsessel von Renault sitzt, hat den Bau von Elektrofahrzeugen massiv vorangetrieben. Von den großen Autobauern gibt es keinen, der auf dem Gebiet so ehrgeizige Ziele verfolgt wie die französisch-japanische Herstellerallianz. Doch trotz massiver Kaufanreize halten sich die Kunden bislang zurück. Expertenschätzungen für den branchenweiten Elektroauto-Absatz im Jahr 2020 liegen deutlich unter früheren Vorhersagen Ghosns. „Renault-Nissan sind ihrer Zeit definitiv voraus - in einem negativen Sinne“, sagte Analyst Stuart Pearson vom Investmenthaus Exane BNP. Bei derart hohen Investitionen gebe es eben immer auch Risiken.

Von

rtr

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